Schonach Ein Firmen-Patriarch ist friedlich entschlafen
Der engagierte Schonacher Rolf Burger hat in seinem Leben zahlreiche Menschen unterstützt und auf diese Weise viel Gutes getan. Bild: Maria Kienzler
Seit einigen Monaten wurde Rolf Burger im Elternhaus von seiner Frau Gertrud gepflegt und betreut. Dabei wurde sie unterstützt von ihrem einzigen Sohn Thomas und dessen Frau Silke. Der Seniorchef der Firma SBS war seit November sehr gebrechlich und der Tod bedeutete eine Erlösung für ihn, wie von den Angehörigen zu erfahren ist. „Er ist friedlich eingeschlafen“, sagt Silke Burger im Gespräch mit unserer Zeitung.
Geboren wurde Rolf Burger am 1. April 1928 in der Burger-Villa, die sein Großvater Hartmann Burger 1906 in der Ortsmitte erbaut hatte. In seinem Geburtshaus ist er auch gestorben, wie die Schwiegertochter weiter berichtet. Durch seinen Tod verliert Schonach nicht nur einen erfolgreichen Unternehmer, sondern auch einen beliebten Mitbürger, der sich neben seiner Firma fast zwei Jahrzehnte lang auch als Gemeinderat für die Bevölkerung engagierte.
1956 trat der damals 28-Jährige in die Fußstapfen seines Urgroßvaters Josef. Dieser kam als gebürtiger Elzacher nach Schonach, um dort eine kleine Fabrik zu gründen. Aus der kleinen Fabrik war inzwischen ein großes Unternehmen geworden, das vielen Schonachern Brot und Arbeit bieten konnte. Doch Rolf Burger war ursprünglich nicht als Nachfolger seines Vaters Ernst vorgesehen. Er hatte vor allem Interesse an der Landwirtschaft, die in seiner Kindheit und Jugend in der Villa Burger selbstverständlich dazu gehörte. Zwei Kühe, drei Schweine und viele Hennen betreute seine Mutter Paula zusammen mit den drei Kindern und einem Dienstmädchen, während der Vater im Keller der Villa mit den Arbeitern Uhrenbauteile herstellte.
Ellen Burger, die ältere Schwester von Rolf, begann mit einem Studium, weil sie die Firma ihres Vaters übernehmen wollte. Nach ihrem frühen, plötzlichen Tod verzichtete ihr einziger Bruder auf seine Tätigkeit in der väterlichen Landwirtschaft und ließ sich zum Werkzeugmacher ausbilden. Als er mit 21 Jahren volljährig wurde, ging er erst einmal nach Stuttgart und arbeitete dort in der Firma Bosch. Danach qualifizierte er sich im Technikum in Stockach weiter zum Techniker und Betriebsleiter. Mehrere Monate arbeitete der unternehmungslustige Schwarzwälder dann in den USA, bis er mit 28 Jahren genügend Erfahrungen gesammelt hatte, um in das väterliche Unternehmen einzutreten.
Schon zwei Jahre später wurde der Betrieb geteilt. Aus der Firma „Josef Burger Söhne“ entstanden zwei selbstständige Unternehmen, nämlich das Burger Industriewerk (BIW) und die „Schwarzwälder Uhrwerke-Fabrik Burger Schonach“, die sich SBS-Feintechnik nennt. Zu den ersten Gesellschaftern von SBS gehörte Rolf Burger mit seinem Vater Ernst Burger und seiner Schwester Gisela Schacht.
Wenige Jahre später heiratete der Jungunternehmer Gertrud Kimmig und danach begann er sich in seinem Heimatort zu engagieren. Lang ist die Liste der Verdienste, die der Verstorbene sich im Laufe seines Lebens erworben hat. Er trat der örtlichen CDU bei und kam auch über diese Partei 1965 in den Gemeinderat, wo er sich vor allem auch im Bauausschuss für die Belange seiner Mitbürger einsetzte. Für seine 20-jährige ehrenamtliche Tätigkeit erhielt der Fabrikant im Jahre 1884 nicht nur den Kupferteller der Gemeinde Schonach, sondern auch die Ehrenmedaille des Gemeindetages.
Seine Firma florierte inzwischen so gut, dass Rolf Burger mit seinen 300 Mitarbeitern bald zum größten Arbeitgeber seines Heimatdorfes wurde. Immer wieder konnte der erfolgreiche Unternehmer sein Werk erweitern und sogar eine Filiale in Prechtal eröffnen. Für seine Mitarbeiter engagierte sich der Chef in vorbildlicher Weise, indem er in die Baugenossenschaft eintrat und Wohnungen für sie bauen ließ. Heute kann die SBS ihrer Belegschaft rund 50 Wohnungen zur Verfügung stellen.
