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Mönchweiler SPD-Ortsverein: Alte Akten erzählen

28.01.2009


Der SPD-Ortsverein Mönchweiler feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen. Im Januar 1919 gründeten Bürger aus Mönchweiler diesen Ortsverein, der bis heute nicht nur in der Gemeindepolitik sehr engagiert ist. Am Sonntagnachmittag treffen sich Mitglieder und Weggefährten zu einer Feier auf der Bühne der Alemannenhalle.

Mönchweiler – Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Sabine Roth, vergleicht die ihr über die vergangenen 90 Jahre vorliegenden Unterlagen und Materialien mit einem Eisberg. Das obere Drittel und damit die jüngere Geschichte des Vereins seien für sie gut nachzuvollziehen. Über die ersten Jahre seien allerdings kaum Materialien vorhanden, sie liegen im Dunkel. Karl Friedrich Weisser, Gemeinderat und langjähriges Mitglied der SPD, weiß aus den Erzählungen seines Onkels Gottfried Weisser allerdings einiges zur Geschichte des Ortsvereines zu erzählen. Gottfried Weisser war Gründungsmitglied und Schriftführer des damals jungen Ortsvereins. Ihm gelang es zwar offensichtlich, die Unterlagen aus dieser Zeit über das Dritte Reich hinweg zu retten und diese anschließend dem damaligen Bürgermeister Robert Kratt zu übergeben. Dort aber wurden sie nach dessen Tod im Zuge der „Ausmistung des Nachlasses“ vernichtet, so Karl Friedrich Weisser. Einiges ist dennoch bekannt und wurde jetzt von Karl Friedrich Weisser zusammengefasst.

Schon lange vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Mönchweiler einen Kreis von Männern, der zur Sozialdemokratie tendierte. Deren Bestrebungen, sich zu einem Ortsverein zusammen zu schließen, wurden allerdings durch den Krieg unterbrochen. Erst unter dem Eindruck der durch den Krieg hervorgerufenen Not wurde 1919 der SPD-Ortsverein gegründet. Im selben Jahr konnte der erste Vorsitzende Fritz Kayan einen Wahlvorschlag zu den Gemeinderatswahlen mit stattlichen 36 Bewerbern präsentieren. Davon dürften die politischen Vereinigungen nicht nur in Mönchweiler heute träumen.

Insgesamt war der neu gegründete Ortsverein ausgesprochen aktiv. So wurde neben etlichen Anträgen beispielsweise beim zuständigen Amt in Villingen die Ausgabe gepanschter Milch reklamiert. Insbesondere kümmerte man sich jedoch um die Unterstützung bedürftiger Heimkehrer und die Verbesserung unzumutbarer Wohnbedingungen. Außerdem beantragte man bei der Gemeinde schon damals die Bereitstellung von Gelände für den Bau eines Sportplatzes. Dieser wurde „durch die konservative Mehrheit im Bürgerausschuss unter anderem mit dem Argument „man solle lieber arbeiten anstatt Fußball spielen“ abgelehnt.“

„Nach der Inflation, der Weltwirtschaftskrise, der Nazibarbarei und dem mörderischen Zweiten Weltkrieg waren es wieder SPD-Leute, die sich mit anderen Unbelasteten mit der traurigen Hinterlassenschaft der Nazizeit auseinander zu setzen hatten“, weiß Karl Friedrich Weisser weiter zu berichten. „Eine der schwierigsten Aufgaben war damals die Unterbringung der vielen Flüchtlinge, die nach dem Verlust ihrer Heimat in fremder, oft abweisender Umgebung neu beginnen mussten. In den Folgejahren wurde „unter der Regie von vier SPD-Bürgermeistern und der Mitarbeit der Gemeinderäte für die nach dem Krieg schnell wachsende Bevölkerung, die erforderliche Infrastruktur geschaffen“, erzählt er weiter. Außerdem hatten viele gut funktionierende Einrichtungen in der Gemeinde ihren Ursprung im SPD-Ortsverein. So waren beispielsweise die seit 1972 veranstalteten Kinderfeste die Vorläufer des inzwischen etablierten Kinder-Ferien-Programms. Auch erste Überlegungen zur Gründung der von Beginn an partei- und gruppenübergreifend geplanten „Generationenbrücke“ hatten ihren Ursprung im SPD-Ortsverein.

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