Löffingen/Shanghai – Menschenmengen wohin man schaut, doch es ist kein Gedränge oder Geschiebe. Die Menschen stehen in Reihen und warten diszipliniert, bis sie endlich auch in den Deutschen Pavillon an der Expo in Shanghai in China Einlass finden und dies bei über 40 Grad im Schatten.
Gut, wer hier den deutschen Reisepass dabei hat, er darf vorbei, um durch einen separaten Eingang in die imposante Halle zu kommen. Diesen schnellen Hinterweg haben auch Silvia und Gerold Bächle aus Löffingen gewählt, die während ihres mehrwöchigen, erlebnisreichen Chinaaufenthalts auch die Expo besuchten.
Chinesen, so hatten die beiden Löffinger schon vorher erfahren, lieben Märchen und genau diese Tatsache bestätigte sich auch im Deutschen Pavillon. Da gab es die typisch deutschen Gartenzwerge mit ihren roten Zipfelmützen, unter die man sich stellen konnte. Jeder Besucher wollte sich unter eine solche Zipfelmütze stellen. Doch genauso groß war der Andrang vor den Fastnachtsmasken. „Die Chinesen liebten es, sich hinter einer solchen Maske, oder auch dem rheinländischen Funkenmariechen, fotografieren zu lassen“, erklärt Sozialfachbetriebswirtin Silvia Bächle. Alles wollten die Chinesen von der deutschen Kultur, Landschaft, Industrie und dem Leben erfahren, dies erfuhren die beiden Löffinger während ihres gesamten Chinaaufenthaltes, so auch an der Expo.
„Erfreulich auch der hohe Stellenwert der deutschen Industrie und das Ansehen der Deutschen in China“, berichtet Sicherheitsingenieur Gerold Bächle. So war es auch für die beiden Löffinger selbstverständlich, eine Fahrt mit dem deutschen Technik- Produkt „Transrapid Bahn“ mit 430 Kilometern pro Stunde zu absolvieren.
Auf der Expo war es eine Gruppe junger Schüler, sich ein Herz fasste und die beiden Löffinger fragte, ob sie ihnen die Fastnachtsmasken erklären könnten. Gerne übernahmen die Baarstädter Fasnetfans diese Aufgabe und schnell stand eine große Traube um das Ehepaar, um ebenfalls etwas vom Baaremer Brauchtum zu erfahren.
Deutsche Bücher begeistern
Geschichten und Bücher, das faszinierte die Besucher, die stundenlang vor dem Deutschen Pavillon ausharrten. Geschickt hatte man Bücher von Thomas Mann bis zur Unendlichen Geschichte, von Herta Müller bis zu Grimms Märchen in überdimensionalen Büchern aufgestapelt. Doch das Beste waren die Geschichten, die aus diesen Büchern zu hören waren, zuerst in Deutsch, dann auf Chinesisch. Gerold Bächle, der vom Schlangestehen vor den anderen Pavillons schon reichlich müde war, setzte sich auf eines der Bücher, um sich etwas auszuruhen, während Ehefrau Silvia sich mit einer jungen Studentin unterhielt. Was gab es da für ein Gelächter, als eine junge Mutter den Löffinger fragte, ob er auch zur Bücherausstellung gehöre.
In „Schneekugeln“ wurden verschiedene deutsche Landschaften gezeigt. Die beiden Bächles staunten nicht schlecht, als sie hier die Sauschwänzlebahn von Blumberg, den Blautopf oder die Pfahlbauten von Unteruhldingen wiederfanden. Begeistert waren die asiatischen Expo-Besucher auch von der Industrie und auch hier waren Baden-Württemberger stark vertreten, etwa die Firmen Trigema oder Grohe. Die Macher des deutschen Pavillons haben ganz auf die Vorlieben der Chinesen gesetzt, was auch bei der Show mit der springenden Kugel nur all zu deutlich wurde. Die Riesenkugel bewegte sich je nach Lärmpegel. Angefeuert von zwei jungen Studenten wurde geklatscht und geschrien und ob Kind, Mama, Papa, Opa oder Oma, jeder trug dazu bei die Kugel springen zu lassen.
Dass die Mentalität der chinesischen Bevölkerung, die übrigens von den Deutschen sehr angetan ist, etwas anders ist, bestätigte sich auch vor dem Pavillon. Hier riefen junge deutsche Hostessen zu Spielen auf. Auf der Bühne galt es „Deutsch zu lernen“. Da gab es kein langes Zögern, das Publikum machte einfach mit. Mit welcher Mühe und Geduld die Teilnehmer Begriffe wie „Bratwurst, Elfmeter, Tor oder Ecke“ lernten, war bewundernswert.
Dass man nach dem Besuch natürlich auch das deutsche Essen probieren musste, stand für die Expo-Besucher fest. So war das deutsche Restaurant rappelvoll und die Chinesen freuten sich über Sauerkraut, Schnitzel, Bratwurst oder Kartoffelsuppe, natürlich mit echtem bayrischen Bier. Voll war auch der Souvenirladen. Der große Renner waren auch hier die kleine Schwarzwaldpuppe und der bayrische Bär.
Ein unvergessliches Erlebnis war für die beiden Löffinger Touristen die Expo, aber auch die Individualrundreise durch das eineinhalb Milliarden Menschen zählende Land von Nord nach Süd und Osten. Unterwegs war man mit dem Fahrrad, Motorrad, Zug, Schiff, Auto und mit dem Flugzeug in einer völlig anderen, uns fremden Kultur.