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Löffingen Fastnacht wird zum Unterrichtsstoff

Kulturbeauftragter Wider macht Fasnet spannend. Kulturvermittlung kommt in den Schulen gut an.

Nicht Mathematik oder Englisch wurde jüngst in der Verbundschule unterrichtet, sondern die Fastnachtskultur. Der Kulturbeauftragte der Laternenbrüder, der in Bonndorf tätige Realschullehrer Matthias Wider, hatte die Aufgabe übernommen, den Jugendlichen zu zeigen, dass Fastnacht weit mehr als nur Party ist. Nun sollen auch die Schüler der Grundschule einen solchen Fastnachtsunterricht – auf die Altersklasse zugeschnitten – bekommen.

Im vergangenen Jahr wurde die Fastnacht von der Unesco-Kommission als immaterielles Kulturerbe eingestuft. „Das immaterielle Kulturerbe – es ist traditionell, zeitgenössisch und gemeinschaftsbasiert – verstärkt den sozialen Zusammenhalt in der Gemeinschaft“, heißt es bei der Unesco. Nach dem Motto Wissen, Können, Weitergeben, soll die lebendige Tradition für die Nachwelt erhalten bleiben. Das immaterielle Kulturerbe ist an den Menschen und die aktive Überlieferung gebunden. Menschen spielen dabei also die Schlüsselrolle. Die Löffinger Fastnacht hat zahlreiche Bräuche, wie etwa die Sonderrolle der Zwanzigjährigen. Für die Fastnachtshochburg eine wichtige Figur, gerade auch, um in der heutigen Zeit die Jugendlichen in die Fastnachtskultur einzubinden.

„Eine der Verpflichtungen ist die schützenswerte lebendige Tradition weiterzugeben“, erklärte Wider. Hierzu zählt auch das Bildungs- und Informationsprogramm für die breite Öffentlichkeit und die Schulen. „Eine Win-Win-Situation für die Fastnachtsvereine und die Schulen“, sagt Matthias Wider, der sich schon lange mit dem Brauchtum Fastnacht beschäftigt. Die Mischung aus interessanten Fragen, Präsentation, Erklärungen und Diskussion kam bei den Schülern und Lehrkräften gut an. „Ich war überrascht, wie aktiv und lebendig die Schüler gefragt und mitgemacht haben“, so das Fazit nach dem Fastnachtsunterricht an der Löffinger Verbundschule. Interessant war die Beantwortung nach dem Ursprung der Fastnacht. 90 Prozent der Schüler setzten auf den germanischen Brauch der Winteraustreibung. „Doch weit gefehlt, der historische Hintergrund ist im Christentum zu finden, das nicht nur eine neue Zeitrechnung, sondern auch viele neue Feste mit sich brachte“, erklärt Wider. Um das Jahr 800 wurde Ostern festgesetzt, welches am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert wird. 40 Tage zuvor – als Erinnerung an die Fastenzeit Jesu in der Wüste – mussten auch die Gläubigen fasten. Rechnet man nun 40 Tage zurück, so kommt man auf Fastnachtsdienstag. „Auch dies ist ein Beleg für das Schwellenfest (Ostern) – von hier aus geht es in eine andere Zeit“, erklärt Matthias Wider. Verboten waren während der Fastenzeit sämtliche Fleischprodukte, sämtliche Milchprodukte und auch Eier. Das bedeutet, dass all diese Speisen verzehrt werden mussten.

Im Laufe der Zeit wurde nicht nur die Vorratskammer geleert, sondern für Fastnacht auch Speisen produziert. Da der Schlachttag nur Donnerstag sein konnte, wurde Fastnacht bis zum Schmotzige (fettige) Dunschdig erweitert.

Die Völlerei, die so entstand, gehört wie die an Fastnacht gelebte Eitelkeit oder Übermut zu den sieben Todsünden. Ganz bewusst, so die Kirche, sollten die Menschen die Fastnacht als liturgisches Spiel erkennen, um dann am Aschermittwoch wieder gottgefällig zu leben.

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