Der Nachwuchs der Berberaffen im Schwarzwaldpark Löffingen ist gesichert: Seit das Gehege auf Anraten der Berliner Affenforscherin Angelika Timmel um ein Waldstück vergrößert wurde, erblicken jährlich vier bis fünf kleine Berberäffchen das Licht der Schwarzwaldwelt. Die Berliner Wissenschaftlerin hat vor drei Jahren das Liebesleben der Affen im Schwarzwaldpark untersucht, um die Familienstrukturen der Primaten zu analysieren.
Löffingen - Der "Macaca sylvanus" wie der Berberaffe auch genannt wird, zählt zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. In den letzten zwanzig Jahren hat sich ihre Zahl auf rund 10000 Tiere reduziert und ist vom Aussterben bedroht. "Bevor wir das Gehege vergrößerten, gab es vielleicht mal ein Baby", freut sich Tierpfleger Peter Bauer über den Nachwuchs, der sein ganzer Stolz ist. "Die sind jetzt richtig glücklich, das sieht man doch, oder?", fragt er die Zuschauer im Park, die von den menschlich aussehenden Affenbabys mehr als fasziniert sind. "Oh, das Kleine sieht ja fast aus wie ein Menschenbaby und die niedlichen Öhrchen, schau doch", freut sich die fünfjährige Lisa aus Kaiserslautern, die aus nächster Nähe aufmerksam mit ihren Eltern das Füttern der Affen verfolgt.
Seit kurzem dürfen die Schwarzwaldparkbesucher mit in das Gehege, wenn Affenvater Peter seine Lieblinge um 17 Uhr mit ihrer Lieblingsspeise, Bananen und Karotten, verwöhnt. Gespannt warten die Tiere am Waldrand schon eine Viertelstunde vorher auf ihn und die Köstlichkeiten, die er ihnen in Eimern mitbringt. Zuerst kommen die frechen Teenys aus dem Wald. Doch lange dauert das Glück nicht. Die Herdenführer, beziehungsweise die Herdenführerinnen, sind im Anmarsch und zeigen mit unmissverständlichem Kreischen, wer bei den Berberaffen etwas zu sagen hat. Zuerst sind sie an der Reihe. Und die Damen sind wählerisch. Sie wissen genau, was gut schmeckt und holen nur das Beste aus dem Eimer. "Anfangs haben sich die Affen nicht getraut herzukommen, wenn Zuschauer dabei waren, doch dass hat sich nach einigen Tagen schnell geändert", informiert der Tierpfleger.
Die Scheu ist vorbei und jetzt bringt sogar eine Affenmami ihr Baby, das erst einige Tage alt ist und sich fest um ihren Bauch klammert, mit zum Futtereimer. "Das gibt es ganz selten, dass eine Alte und ihr erst ein paar Tage altes Junges zusammen kommen und sich sogar aus meiner Hand füttern lassen", erzählt Peter begeistert über die Zutraulichkeit der Affenmama. Meistens ist es so, dass die Affenmütter für die Kleinen männliche Aufpasser auswählen, die das Baby genauso zärtlich behandeln, wie die leibliche Mutter. Da gibt es schon mal Streit, wenn ein junger Affenmann auch mal ein Baby liebkosen möchte und es unsanft anfasst, um es in den behaarten Affenarm nehmen zu können. "Da kommt gleich die ganze Herde, um dem Aufpasser beizustehen", erklärt der Pfleger den Zuschauern. Die männlichen Babysitter spielen mit den Einjährigen, damit Mama sich ausruhen kann. Sie kümmert sich dann schon mal um die Teenys, die sich immer noch gerne von Mama lausen lassen. Angst vor den Besuchern hat die Löffinger Affenherde nicht mehr. "Teilweise waren es bis zu 300 Menschen, die bei der Fütterung dabei waren und die haben sich genauso benommen, wie bei wenigen Besuchern", untermauert Peter Bauer die Freundlichkeit der Tiere. Angst vor den übermütigen Gesellen müssen auch die Besucher nicht haben. "Die klauen nichts", sagt der Tierpfleger. Es sei denn, ein Besucher hat eine Banane in der Hand oder in der Handtasche, dann kann es schon mal vorkommen, dass die Banane den Besitzer wechselt.
"Die Affen haben sich an die Nähe der Menschen gewöhnt und verkriechen sich eigentlich nur noch selten in den Wald", erfahren die Besucher über die Gewohnheiten der lustigen Gesellen. Nicht ganz so eine große Rolle wie bei den Schimpansen spielt der Sex. "Aber die Weibchen sind polygam veranlagt, so dass jedes Männchen, der Vater des Babys sein könnte", verrät der Löffinger Affenflüsterer. Das lässt vermuten, dass der bei einigen Affenarten übliche Kindsmord somit auf natürliche Weise verhindert wird. Für Familiennachwuchs wird im September und Oktober gesorgt. Fünfeinhalb Monate geht es, bis die kleinen Berberaffen auf die Welt kommen. "Die Geburt bleibt unbeobachtet, weil sich die Affenmütter dann in den Wald zurückziehen", klärt Peter die Besucher auf. Meistens kommen die Mütter mit den Babys nach zwei bis drei Wochen das erste Mal aus dem Wald zur Fütterung. Nach sechs Monaten sind die männlichen Affenkinder nur noch selten bei ihrer Mama.
Dann werden sie von den Männchen übernommen, die sie auf ihren Rücken überall mit hinnehmen. "Kuscheln ist für die Berberaffen etwas ganz Wichtiges", informiert der Tierpfleger. Er weiß es ganz genau, denn zu Hause wartet schon jeden Abend das ausgestoßene Berberaffenmännchen, das in seinem Garten eine neue Heimat gefunden hat (wir berichteten).