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Kreis Rottweil Stellenabbau im Krankenhaus Schramberg startet

Die Klinikgesellschaft des Kreises Rottweil will mit dem angekündigten Sparen in Schramberg „zügig“ beginnen, Stellen streichen und den Service einschränken. Auch in Rottweil wird umorganisiert. Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.

Ernste Mienen: Rottweils Landrat Wolf-Rüdiger Michel (Mitte) erläutert mit dem Geschäftsführer der Klinikgesellschaft des Landkreises Rottweil, Hans-Martin Kipp (rechts) und Rechtsanwalt Stefan Schick die weiteren Schritte für die Kreiskrankenhäuser.
Ernste Mienen: Rottweils Landrat Wolf-Rüdiger Michel (Mitte) erläutert mit dem Geschäftsführer der Klinikgesellschaft des Landkreises Rottweil, Hans-Martin Kipp (rechts) und Rechtsanwalt Stefan Schick die weiteren Schritte für die Kreiskrankenhäuser. | Bild: Bild: Dreher

Kreis Rottweil/Schwarzwald-Baar – Nach der geplatzten Krankenhaus-Fusion im Kreis Rottweil sind die Akteure jetzt dabei, die Scherben zusammen zu kehren und sich neu zu orientieren – in getrennte Richtungen, versteht sich.

Für den Landkreis Rottweil und seine Klinikgesellschaft mit den Krankenhäusern in Rottweil und Schramberg ist jetzt der Weg frei für Einsparungen und Umstrukturierungen – die angesichts jährlicher Defizite von durchschnittlich 4,5 Millionen Euro dringend notwendig sind. Schließlich hat der Kreistag am vergangenen Montag beschlossen, die Kliniken weiter selber kommunal betreiben zu wollen und nicht an private Krankenhausträger zu verkaufen.

Dabei waren die Kreisräte zwar noch davon ausgegangen, dass auch das bislang städtische Krankenhaus Oberndorf mit im Boot ist. Nachdem Oberndorf aber abgesprungen ist, will Rottweils Landrat Wolf-Rüdiger Michel seinem Kreistag im September ein aktualisiertes Konzept zur erneuten Abstimmung vorlegen: weiter kommunale Trägerschaft der Kliniken, Schrumpfen des Krankenhauses Schramberg zur „Portalklinik“ und kein erneuter langwieriger Anlauf für eine Privatisierung.

Michel stellte klar: Die kommunale Trägerschaft bedeute kein „Weiter so“, sondern mache „harte Einschnitte“ nötig, um die Häuser kostengünstiger zu machen.

Dabei setze er weiterhin auf einen Verbund (Holding) mit dem Schwarzwald-Baar-Klinikum Villingen-Schwenningen. Dieser Verbund würde die Rottweiler Kreiskliniken auch für Ärzte insgesamt attraktiver machen, weil sie innerhalb der Holding sehr vielfältige Perspektiven hätten – ein wichtiges Argument angesichts des bundesweiten Ärztemangels.

Unabhängig davon wird es vor allem für die rund 360 Krankenhaus-Mitarbeiter in der Schramberger Klinik jetzt ernst: „Wir wollen die Sparmaßnahmen zügig angehen“, sagte der Geschäftsführer der Gesundheitszentren Landkreis Rotweil, Hans-Martin Kipp.

So werde man Doppelstrukturen abbauen, konkret in den Bereichen Labor und Verwaltung. Auch bei Küche und Pflegedienst sieht Kipp Rationalisierungspotenzial. Ferner gelte es, Stationsgrößen zu optimieren – vor allem am Standort Rottweil. Auch der Service soll eingeschränkt werden: „Wir werden die Pforte in Schramberg nicht mehr 24 Stunden, sondern nur noch von 6 bis 22 Uhr besetzen“. „Konservativ gerechnet“ ergäben sich Einsparungen von 500 000 bis 750 000 Euro. Genaue Zahlen, wie viele Arbeitsplätze wegfallen, kann die Geschäftsleitung noch nicht benennen.

„Primär werden wir versuchen, die betroffenen Schramberger Mitarbeiter in Rottweil unterzubringen“, sagte Kipp. Landrat Michel betonte: „Wir werden alles daran setzen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, aber ich kann sie nicht ausschließen“.

Damit nimmt die Klinikgesellschaft auch Kurs auf die angekündigte Verkleinerung der Schramberger Krankenhauses von derzeit 127 auf künftig 35 bis 40 Betten im Rahmen einer „Portalklinik“. Der künftige Standort für die Portalklinik werde noch untersucht, aber Michel tendiert zum existierenden Krankenhausgebäude.

Unterdessen wurde deutlich, dass das Nein der Stadt Oberndorf zur Klinikfusion und der vorausgegangene Hickhack zwischen dem Raum Schramberg sowie Rottweil und dem Landkreis einen tiefen Riss hinterlassen hat. Landrat Michel zeigte sich überrumpelt und warf der Stadt Oberndorf ein Doppelspiel vor, indem sie insgeheim ihren Absprung längst vorbereitet habe – „oder wie kann es sein, dass ein Gemeinderat in so einer komplexen Geschichte in einem Wimpernschlag so geschlossen gegen alle Wortverkündigungen der Stadt seit Frühjahr 2009 entscheidet?“. Erst direkt in der Gemeinderatssitzung sei ein Gutachten öffentlich gemacht worden, das bereits vor Monaten in Auftrag gegeben worden sei.

Anders die Oberndorfer Sicht: Die Stadt habe lange zu einer gemeinsamen Lösung für den ganzen Landkreis gestanden, aber der Landkreis habe eine Entscheidung immer wieder verschleppt und schon ausverhandelte Verträge ohne Absprache wieder abgeändert, machte Hauptamtsleiter Hermann Leopold deutlich.

Von „Seitenhieben“, „Misstrauen“ aus der Raumschaft Schramberg, „Neid“ auf „gute Rechnungsabschlüsse“ und Verweisen auf die turbulente Kreistagssitzung ist in der Ansprache von Oberndorfs Bürgermeister Hermann Acker in der Gemeinderatssitzung zu lesen. Dies habe Zweifel genährt, ob das Krankenhaus in der Kreisgesellschaft unter die Räder kommen könnte.

Das Oberndorfer Haus ist nun seit gestern offiziell für vier Wochen zur Übernahme ausgeschrieben. Klinik-Verwaltungsleiter Harald Glatthaar zeigte sich optimistisch, dass bald ein Bewerber für das Haus gefunden wird, das wirtschaftlich gesund ist, aber einen Investitionsbedarf von bis zu zehn Millionen Euro hat. Gestern hätten sich bereits zwei Interessenten gemeldet.


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