Um die 28 Grad, ein laues Lüftchen, Bier und Wurst – das klingt nicht gerade nach Weihnachten. Und passt auch nicht ganz zu Weihnachten im Schwarzwald. Otto Duffner ist auch nicht im Schwarzwald, nicht mal auf dem Kontinent, in dem der Winter gerade Einzug hält und für kalte Füße und rote Nasen sorgt. Otto Duffner ist in Thailand, seit gut 27 Jahren nun schon. Am anderen Ende der Welt hat er sich ein kleines deutsches „Imperium“ aufgebaut und fühlt sich hier wohl. Der Sohn eines früheren Königsfelder Dorfpolizisten zog 1981 nach Thailand und ist bis heute dort geblieben. Hin und wieder kommt er zurück in die Heimat, sei es aus geschäftlichen oder privaten Gründen. So stattete er erst Ende November der Heimat einen Besuch ab, ließ sich hier gesundheitlich behandeln.
Von den politischen Krisenherden, die derzeit im Land schwelen, bekomme er eigentlich recht wenig mit, erklärt der gelernte Koch. „Das ist vor dem Fernsehschirm immer aufregender. Hier bekommt man davon kaum etwas mit“, so Duffner. Nicht das ganze Land hätte sich im Chaos befunden, das Meiste wäre ruhig und normal verlaufen, so der gebürtige Triberger. Und dennoch glaubt er, dass die Spaltung im Land und in der Gesellschaft anhalten, die grundlegende Problematik bestehen bleiben wird. „Die Situation wurde jetzt thailändisch elegant gelöst. Mit dem Gerichtsbescheid haben alle ihr Gesicht gewahrt“, meint Duffner.
Viele Deutsche haben mittlerweile ihre neue Heimat in Thailand gefunden, dazu gehört definitiv auch Otto Duffner. Dennoch hegt und pflegt er die Kontakte zur Heimat.
Zu seinem Bekanntenkreis zählt auch Burkhard Bartel, seines Zeichens Pfarrer und ursprünglich aus Bad Dürrheim. Kennen gelernt hat man sich vor Ort und greift sich mittlerweile gegenseitig unter die Arme. „Er macht oft Fotos für mich und ich spende an seine Kirche“, so Duffner. „Ich bin zwar katholisch, aber zu Pfarrer Bartel und seiner Frau habe ich dann doch eine Nähe entwickelt, da sie aus meiner Heimat stammen“, erklärt Duffner die Freundschaft.
Auch Pfarrer Bartel ist in Bangkok und hat die Demonstrationen in der Stadt hautnah mitbekommen.
Pfarrer Burkhard Bartel meldete sich jetzt mit einem Lagebericht beim SÜDKURIER: „Die Menschen in Thailand und auch die Gemeinde der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dort atmen erst einmal auf“, so Bartel in seinem Bericht.
„Uns geht es gut, außer dass wir natürlich auch angespannt sind und gespannt, wie es weiter geht hier und wer nun endlich den Knoten einmal lösen wird. Politisch ist die Situation kompliziert und auch unübersichtlich für uns Ausländer“, erklärt er.
„Da kämpfen viele Parteien und Seiten und einflussreiche Persönlichkeiten gegeneinander. Bei den Deutschen, die hier leben, überlegt sich dennoch wohl niemand, das Land zu verlassen. Die deutschsprachige Schule ist geöffnet und kann ganz normal arbeiten. Wir hatten am Sonntag in Pattaya, 140 Kilometer südlich von Bangkok, einen schönen Gottesdienst, zu dem uns eine große Gruppe unserer Gemeinde aus Bangkok begleitet hat. Vor wenigen Tagen war ich zur Mittagszeit am und im Flughafen. Fotos zeigen, dass auch ein Weltflughafen zu einem Campingplatz umfunktioniert werden kann. Weit und breit sah ich keinen Polizisten und natürlich auch keine Fluggäste mehr, kein einziges Taxi und kein Bus fuhren zum Flughafen. Auch die Flughafenangestellten waren alle weg. Niemand plündert dort oder macht etwas kaputt“, weiß Bartel zu erzählen. Im Gegenteil: Es wird geputzt und gekocht und jede Zigarettenkippe eingesammelt. „Wir sind gute Demonstranten und kämpfen gegen die Korruption“, hieß es auf den Schildern am Flughafen. In den Hotels der Stadt warteten derweil über 300 000 Touristen auf ihren Rück- oder Weiterflug. „Dass so etwas möglich ist, hätten wir vor einer Woche nicht geglaubt“, so Bartel.
Wie erwartet wurden nun die regierende People Power Party (PPP) und zwei Koalitionsparteien vom obersten Gericht wegen Wahlbetrugs (Wählerstimmen wurden gekauft) aufgelöst. Damit muss auch der Ministerpräsident Somchai Wongsawat zurücktreten. Er darf fünf Jahre lang kein politisches Amt mehr übernehmen. So hat die Opposition zunächst ihre wichtigsten Ziele erreicht. Kaum war das Verbot der drei Regierungsparteien ausgesprochen, wurde von ihnen schon die Gründung der Nachfolgepartei "Puea Thai" angekündigt. Und schon am 8. Dezember wollen sie dann aus ihren Reihen einen neuen Premierminister wählen. Das für nächste Woche in Chiang Mai in Nordthailand geplante Gipfeltreffen der ASEAN-Staaten wurde auf März 2009 verschoben.
Damit ist erst einmal der Ausnahmezustand beendet, der mit der Besetzung des Parlamentsgebäudes am 26. August begann.
„Auch bei uns hat jetzt die Adventszeit angefangen. Aber erst jetzt können wir uns ernsthaft mit Weihnachten und den Vorbereitungen dafür beschäftigen. Wir hatten bereits die erste Probe unseres Krippenspieles für Heiligabend“, freut sich Bartel.
Bilder aus Thailand