Königsfeld Haus der Religionen: Gläubige beten Wand an Wand

Eine Gruppe aus Köngisfeld besuchte nun das Haus der Religionen in Bern. Für dessen Aufbau hatte sich maßgeblich auch das Ehepaar Haas eingesetzt, das früher im Kurort lebte. Im Haus der Religionen beten Christen, Juden, Muslime und Hindus Seite an Seite.

Es klingt zu fantastisch, um wahr zu sein und ist es doch: Wand an Wand lesen Menschen Bibel, Koran, indische Veden und andere heilige Schriften, feiern die ihnen angestammten Feste und zelebrieren ihre Rituale. Möglich ist das im „Haus der Religionen – Dialog der Kulturen“ in Bern, das im vergangenen Dezember eröffnet wurde.

Eine Gruppe aus Königsfeld wollte wissen, wie das interreligiöse Miteinander in der Schweizer Hauptstadt funktioniert. Die Besucher staunten über exotische Versammlungsstätten, kamen mit fremdartig aussehenden Menschen ins Gespräch und freuten sich am Wiedersehen guter Bekannter der eigenen Kirche. „Ohne die Herrnhuter Brüdergemeine gäbe es dieses segensreiche Haus nicht“, versicherte Präsidentin Gerda Hauck.

Warum ausgerechnet die kleinste Glaubensgemeinschaft unter den inzwischen neun im Haus präsenten Weltreligionen elementar mit dessen Entstehung verknüpft ist, deutet Exkursionsleiter Hans-Beat Motel während der langen Busfahrt an. Der Mittsiebziger ist Pfarrer, war jahrelang Missionsbeauftragter der evangelischen Freikirche und hat ihre Entwicklung in den Schweizer Dependancen aus der Nähe beobachtet.

Die 1739 gegründete Berner Sozietät war Ende der 1990er annähernd zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft, als ihr von einem verstorbenen Mitglied eine große Erbschaft zuteil wurde. „Das Legat sollte für brüderische Ideen verwendet werden.“ In jener Zeit flohen Menschen aus Sri Lanka scharenweise vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat nach Europa; heute leben 42 000 Tamilinnen und Tamilen in der Schweiz. Die tat sich insgesamt schwer mit der Aufnahme von Migranten, die einander in ihren Herkunftsländern nicht immer wohl gesonnen waren.

Der Königsfelder Pfarrer Hartmut Haas leitete damals das brüderische Sternberg-Zentrum in Ramallah, erlebte den Krieg zwischen Israel und Palästina hautnah mit und war beseelt vom Friedensgedanken der Böhmischen Brüder, die im 30-jährigen Krieg wegen ihrer konsequenten Gewaltlosigkeit und lauten Rufen nach Menschlichkeit verfolgt wurden. Hans-Beat Motel ermutigte die Berner Sozietät, den Theologen mit Ehefrau Friederike Kronbach-Haas nach Bern zu berufen, mit dem Aufbau eines Domizils für heimatlose Glaubensgemeinschaften in Bern zu beauftragen und sein Gehalt aus der Erbschaft zu bezahlen.

1998 begann die zehnjährige Erfolgsgeschichte, die von zäher Überzeugungsarbeit und Skepsis auch in den eigenen Reihen gekennzeichnet war.

In strömenden Regen erreichen die Königsfelder den Berner Europaplatz, den das Haus der Religionen dominiert. Links ist der Hindutempel, rechts die Moschee, das sind die einzigen direkt von der Straße erreichbaren und die größten religiösen Versammlungsräume, denn sie müssen die meisten Gläubigen beherbergen. Die Besucher lernen weitere heilige Orte kennen. Sie staunen über die goldene Buddha-Statue vor dem schlichten Buddhistischen Zentrum, in dem ein Mönch aus Sri Lanka wohnt. Die Aleviten nebenan richten ihren „Dergâh“ gerade ein, zwölf Wandnischen für Philosophen und Dichter und ein Hausherd für das heilige Feuer symbolisieren den historischen Ursprung. Die Aleviten feiern hier „Cem“ (wörtlich „Einheit“), singen, tanzen und treffen sich auch für weltliche Feste und Mahlzeiten. „Es ist eine gute Stube wie unser Kirchensaal“, bemerkt Volker Schulz, Pfarrer in Basel und gebürtiger Königsfelder, eine Gemeinsamkeit zur Brüdergemeine.

Schließlich kommt die Gruppe zu Andacht, Gesang und Gespräch in der kleinen multikonfessionellen Kirche zusammen. Vertraut sind das Weiß der Bänke und der Herrnhuter Stern, fremdartig die großformatigen, heiter-bunten Ikonenbilder der äthiopisch-orthodoxen Ttewahdo-Kirche.

Sasikumar Tarmalingam begrüßt die Gäste mit einem meditativen Hindu-Lied und übersetzt es: „Was ist groß? Die Welt. Noch größer? Gott. Noch größer? Das Herz der Gläubigen, in denen Gott wohnt.“ Dieser Text könnte ohne weiteres der Bibel entnommen sein, finden die Christen. Das gemeinsame Fazit fasst der Königsfelder Pfarrer Christoph Huss so zusammen: „In diesem Haus begegnen die Menschen einander ohne Vorurteile und auf Augenhöhe. Das ist etwas Wunderbares.“


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