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Königsfeld Die Kraft von unerhörten Klängen

Orgelakademie liefert spannende Beiträge. Lyrische Stücke und gewitzte Klangbilder. Hochkarätige Musiker und Albert-Schweitzer-Kenner.

Es waren zwar keine Menschenmassen, die am Wochenende in den Kernort strömten, aber eine illustre Schar hochkarätiger Musiker, Wissenschaftler und Albert-Schweitzer-Kenner von nah und fern. Bei kontrastreichen Konzerten, Vorträgen und einer experimentellen Klanginstallation im Kirchensaal mischte sich das auswärtige Expertenpublikum mit einheimischen Musikfreunden.

Kaum ein Hauch: So lautete das Motto des Königsfelder Symposiums, das der Seelenverwandtschaft von Albert Schweitzer und Erik Satie nachspürte. Dessen Messe des Pauvres setzte am Sonntag während des Gottesdienstes einen bewegenden Schlussakzent.

Für Albert Schweitzer war Musik eine existentielle Kraftquelle, deren Dimensionen die Europäische Orgelakademie Albert Schweitzer seit zehn Jahren in Königsfeld facettenreich veranschaulicht.

Mit dem diesjährigen Satie-Schwerpunkt knüpfte sie an dessen 24-stündigen Vexations (übersetzt: Quälereinen) an, die vor zwei Jahren für Aufsehen im Kirchensaal gesorgt hatten.

Schweitzer war bekanntlich ein exzellenter Organist und Interpret der Werke von Johann Sebastian Bach, so dass auch bei diesem sechsten Symposium die Orgel und der Thomaskantor unverzichtbar waren.

Mit Eva-Maria Houben lernte das Publikum eine ungewöhnliche Organistin und Professorin für Musikwissenschaften aus Dortmund kennen, die erstmals in Königsfeld weilte und begeistert war. „Die Atmosphäre hier ist unglaublich inspirierend“, versicherte sie.

Am Freitag gestaltete sie zusammen mit Wolfgang Baumgratz, Organist und Orgel-Professor aus Bremen und Stammgast in Königsfeld, das erste von drei Konzerten. Das Publikum labte sich an mächtigen Orgelwerken von Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy. Unter dem Titel Drei Choräle – penser à Satie vermittelte Eva-Maria Houben eigene kompositorische Reflexionen und schlug eine gedankliche Brücke zum französischen Tonkünstler.

Das tat auch die vierstündige Orgelinstallation am Samstag, mit der die experimentierfreudige Musikerin Laufkundschaft in den Kirchensaal lockte. Der war erfüllt von lang gezogenem Wehen einzelner Orgeltöne, Akkordbrechungen und melodiöser Andeutungen. Eva-Maria Houben verfremdete den Orgelklang mit allerlei ungewöhnlichen Utensilien wie Büroklammern und Radiergummi, immer wieder beschwerte sie eine Taste mit einem Stein und hielt einen Ton akustisch und im Wortsinn fest. Das Ergebnis waren zarte, sphärische Klänge, die eine meditative Stimmung erzeugten. Manche Gäste blieben nur wenige Minuten, andere ließen sich intensiver auf das Klangabenteuer ein, lasen ein Buch oder blätterten in der Zeitung.

Nachmittags spazierten die Musikfreunde ins Haus des Gastes, wo Jean-Pierre Armengaud, Pianist aus Paris, Wolfgang Wagenhäuser, Pianist und Klavier-Professor der Trossinger Musikhochschule, und Moritz Eggert, Kompositionsprofessor aus München, für ihre konzertante Hommage auf Erik Satie gefeiert wurden. Abends servierten die beiden zusammen mit Studierenden aus Trossingen das Programm Unerhörte Klänge im Kirchensaal. Der war erneut gut besucht, wieder war Albert Schweitzer in Gestalt einer Büste vor dem Publikum präsent. Roter Faden waren freche, pointierte Klanggemälde von Satie, die er mit eigenen Texten würzte.

Sprecher Klemens Mölkner mobilisierte die Phantasie der Hörer schon mit den Überschriften und Spielanweisungen der der Miniaturen. Satie nannte sie etwa Unappetitlicher Choral und Bürokratische Sonatine; am Flügel illustrierten die Studierenden die mal kargen, mal ausschweifenden, stets gewitzten Klangbilder dazu.

Für humorvollen Pfiff sorgten Sekundenstücke von Moritz Eggert und eingestreute Obertongewebe von Wolfgang Wagenhäuser, für die sich die Studierenden mit Schlagzeugschlegeln und Nagelbürste weit ins Innere des Flügels lehnten. Am Schluss ließ Eggert verbal und pianistisch alle 60 Sekunden am Stück sprudeln. Das Publikum war hingerissen vom lyrischen Gehalt und der avantgardistischen Leichtigkeit des gesamten Konzerts und klatschte begeistert.

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