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Königsfeld „Lesen ist Abenteuer im Kopf“

Arne Ulbricht hält leidenschaftliches Plädoyer für den täglichen Gebrauch von Büchern

„Aus Lesemuffeln werden Leseratten und aus Vorlesern werden Selbstleser“: Es war ein leidenschaftliches Plädoyer für den täglichen Gebrauch von Büchern, mit dem Arne Ulbricht in der gut besuchten Buchhandlung Hornscheidt begeisterte. Die essayistischen Schmankerl waren geistreich, vergnüglich und erfrischend. Das Auditorium bestand vorwiegend aus Lehrkräften, die sich über Impulse für den eigenen Unterricht freuten und sich nach der Lesung in lebhafte Gespräche mit dem Autoren einließen. „Zwangszugabe“ war eine Kostprobe aus seinem druckfrisch erschienen Roman-Erstling „Nicht von dieser Welt.“ Protagonist ist ein Lehrer, der an der Generation Selfie und Whatsapp verzweifelt. Er selbst hat weder Smartphone noch Fernseher und keine Ahnung von Facebook und Fußball. Beim Beschreiben skurriler Unterrichtssituationen wird im Publikum immer wieder wissend geschmunzelt und herzhaft gelacht. Später tauschen die Pädagogen eigene Erfahrungen aus und bestätigen, wie sehr individuelle und kollektive Konzentration unter dem digitalen Mediendiktat leiden. Handys im Unterricht sind überall verboten und werden doch überall benutzt. „Rede ich zu viel, zu wenig, zu langweilig?“ deutete ein Lehrer seine Selbstzweifel an. Der Hauptvorwurf gebühre den Eltern, die schon beim Frühstück ihre E-Mails checkten, ist Arne Ulbricht überzeugt und beklagte eine „Infantilisierung“ unserer Gesellschaft.

Zuvor hatte sich das Publikum an Auszügen aus der Neuerscheinung „Lesen ist cool!“ delektiert. Darin rühmt der Autor etwa den literarischen Serieneffekt von Harry Potter, den er an den eigenen Kindern erprobt hat. Die 4300 Seiten von sieben Bänden ergeben rund 140 Stunden spannende Lesezeit, hat er addiert. „Auch Bücher machen süchtig“, ist eine Erkenntnis aus Vorlesestunden im Familienkreis. „Lesen ist Abenteuer im Kopf.“ Väter sollten gesetzlich zum Vorlesen verpflichtet werden und dabei auch Stimmen und Geräusche nachahmen. „In 80 Prozent der Männer steckt ein verhinderter Sportreporter, darauf lässt sich aufbauen.“

Die Besucher lauschten aufmerksam und genossen auch die unterhaltsamen Reflexionen über Generationen verbindende Vorlese-Autoren wie Astrid Lindgren, Michael Ende, Karl May. Mit skeptischer Freude reagierten die Bücherfreunde auf Ulbrichts Prophezeiung: „Bücher werden wieder in Mode kommen, denn sie sind eine Gegenbewegung zum Erreichbarkeitswahnsinn.“

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