Mein

Hüfingen Was bringen eigentlich die Heimattage?

11.08.2012
Hüfingen -  Die Heimattage Baden-Württemberg haben bislang mit ihren vielen Veranstaltungen zahlreiche Gäste auf die Baar gelockt und das Städtedreieck über die regionalen Grenzen hinweg bekannt gemacht. Das Organisationstalent und der dauerhafte Einsatz der „Macher“ in den Rathäusern, in Vereinen und anderen Einrichtungen sind zweifelsohne anerkennungswert und bedürfen des Respekts und Lobes.

Die großen Leuchtturmveranstaltungen spülen tausende Besucher in die Heimattagestädte, aber vor allem auf die Festplätze. Nicht alle Geschäfte und Gaststätten profitieren vom zusätzlichen Zustrom, wie eine Umfrage in Hüfingen zeigt.  Bild: Lendle

Sind zufrieden mit den Heimattagen und dem damit verbundenden Geschäft: Susanne Rothweiler, Chefin im Hotel „Frank“, und ihr Auszubildender Andreas Hensch.  Bild: Lendle

Service
Artikel drucken  Artikel drucken
  Artikel versenden

  Newsletter
  RSS-Feed


Doch was bleibt für die Bürger der jeweiligen Städte von den „Heimattagen“ und haben die XXL-Veranstaltungen den Gewerbetreibenden gar ein sattes Plus in die Kassen gespült?

In Hüfingen haben die Gastronomie, Hotelbetriebe und Einzelhändler hauptsächlich vom Etappenziel der „Tour de Ländle“ profitiert. Dies kann auch Birgit Kutruff-Soffel aus der Schellenberg-Apotheke bestätigen, denn bei ihr stürmten die Radler am 1. August noch vor der Zielgeraden ins Geschäft, um ihren Sonnenbrand, ihre Schürfwunden oder den labilen Kreislauf an diesem heißen Sommertag zu behandeln. „Die Biker kamen in die Apotheke wie ein Heuschreckenschwarm“, berichtet die Apothekerin, die mit solch einem Ansturm nicht gerechnet hatte. Dieser Ansturm blieb beim Zieleinlauf in den Geschäften ab der Kirche bis zum Tor leider aus, obwohl sie sich diese auf Grund eines schriftlichen Aufrufs aus dem Rathaus mit besonders viel frischer Ware eingedeckt hatten.

Enttäuschung machte sich bei Hubert Hofmaier von der gleichnamigen Bäckerei und Herrmann Dellagnolo von Südtiroler Feinkost breit, denn diese gingen von einem Stop der Radler vor dem Rathaus aus. Doch am nächsten Morgen stapelten sich die „Frühstücker“ dafür in allen Cafés und Bäckereien, bevor sie frisch gestärkt wieder in die Pedale traten. Ansonsten brachten die Heimattage- Veranstaltungen den Hüfinger Einzelhändlern kein Plus an Kundschaft, zumal die Leuchttürme ja stets am Wochenende ihren Glanz verbreiteten. Es sei denn, man war Zulieferer an die verschiedenen „Festplätze“ oder ein wirtender Verein, der sich mit dem Extra-Einsatz ein finanzielles Polster anschaffen konnte.

Einer, der auf jeden Fall die Heimattage nutzte, war Küchenchef Norbert Boos, der mit seinen kulinarischen Köstlichkeiten aus der römischen Küche seine Gäste mehrfach verwöhnte. Der verkaufsoffene Sonntag beim Naturparkmarkt mit Markt der Märkte war für die Einzelhändler in Hüfingen ein Flop, denn kaum ein Gast verirrte sich in die Geschäfte und Dienstleister. Das Hüfinger Fronleichnamsfest mit seinem großen Blumenteppich dagegen, welches sich zu einer Mischung aus kirchlichem Fest mit volkstümlichen Brauchtum entwickelt hat, brachte jede Menge Kundschaft in die Bäckereien, Cafés, Restaurants und in andere Geschäfte, die ihre Pforten zu diesem Anlass öffneten. Auswärtige Gäste orientieren sich in Hüfingen hauptsächlich am gastronomischen Angebot der Hauptstraße, das hier schnell zu finden ist. Zwar weist ein großes Schild bei der Sparkasse auf die „Burgstadt-Gastronomie“, die aber schon lange nicht mehr komplett ist, denn das Burg-Café ist bekanntlich schon lange geschlossen. Das Caféchen hat am Hauseck einen bunten Hinweis angebracht, das Restaurant „Baptistle“ von Wolfgang Kopp und Monika Höfler finden allerdings nur Einheimische oder solche, die schon mal dort waren.

Ralf Schöll, Hüfinger Hauptamtsleiter-Vertreter, hat auf Anfrage des SÜDKURIER erklärt, dass man in Hüfingen einen Schilderwald verhindern möchte. Dennoch ist man mit dem „Baptistle“ in Kontakt getreten, um hier vielleicht Abhilfe zu schaffen. Die beiden Betreiber des bekannten Hüfinger Restaurants im Seitengässchen beklagen sich jedoch nicht über fehlende Gäste. Susanne Rothweiler vom Landgasthof Frank berichtet, dass ihr die Heimattage auf jeden Fall mehr Gäste ins Restaurant und in die Hotelbetten gelockt haben. „Das Römerfest hat uns einige Römer und Alemannen aus der Schweiz gebracht und die Tour de Ländle jede Menge Radler, zudem war das TV-Team bei uns zu Gast“, freut sich Susanne Rothweiler. „Unser Biergarten lockt im Sommer immer zum Einkehren, dennoch ist durch die Heimattage ein deutliches Plus zu spüren“.

Und die Bürger? Ein Großteil der Bevölkerung würde sich darüber freuen, wenn der Steg über die Breg im Bereich der Anlagen in nähe des Kinderspielplatzes und des Fest- sowie Wohnmobilplatzes nicht nur für die parkenden Gäste der Heimattage da wäre wie vorgesehen. Seit dieser für die parkenden Gäste installiert wurde, wird er sehr stark von den Hüfingern frequentiert. Hier könnte eine Dauereinrichtung das Naherholungsgebiet an der Breg für viele Spaziergänger erheblich aufwerten und den Bürgern gezeigt werden, dass deren Wünsche und Anliegen in der eigenen „Heimat“ ernst genommen werden.

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 


Mehr zum Thema: Heimattage 2012
Heimattage 2012

Seit über 30 Jahren finden die Heimattage Baden-Württemberg statt und sollen Schaufenster der veranstaltenden Städte sein und zugleich den Südwesten widerspiegeln. Alle Nachrichten, Bilder und Videos zu den Heimattagen 2012 in Donaueschingen, Bräunlingen und Hüfingen finden Sie im SÜDKURIER-Themenpaket.

Übersicht | Alle Bildergalerien | Alles zum Straßenmusiksonntag

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2013