Auch wenn diese Mitglieder des Who ist Who der Multis mit ihren globalen Aktivitäten die unterschiedlichsten ökonomischen Felder „beackern“, eint sie doch eine Gemeinsamkeit, deren Spur immer in einem bescheidenen gelben Bürohaus an der nicht gerade internationales Flair ausstrahlenden Hüfinger Hohenstraße endet: Hier residiert die Liebert Versorgungstechnik GmbH & Co KG, die im 15. Jahr ihres Bestehens zu den großen Fünf ihrer Branche aufgestiegen ist und diese klangvollen Namen zu ihrem Kundenstamm zählt. Aber auch die öffentliche Hand und sogar die Bundesregierung sind an dem Know-how aus der Ingenieur-Ideenschmiede interessiert.
Hinter dieser Erfolgsstory steht mit dem gebürtigen Hüfinger Thomas Liebert ein Mann, dem vor 45 Jahren ein recht banales Schicksal in die Wiege gelegt wurde, sollte er doch einmal den elterlichen Heizungsbauerbetrieb übernehmen. So machte er dann auch unter der väterlichen Aufsicht brav seine Lehre als Heizungs- und Lüftungsbauer, um dann die Fachhochschulreife nachzuholen. Während seines Ingenieurstudiums in München besserte er sich seine knappen Finanzen mit einem Semesterferienjob bei einem Ingenieurbüro auf, das gerade die klimatechnische Baumaßnahme eines Großkunden in Dresden betreute.
Rückblickend sei das wohl der Grundstein seines Erfolgs gewesen, schmunzelt Thomas Liebert. Sein Arbeitgeber und auch der Kunde waren jedenfalls von dem Wissen des jungen Studenten so angetan, dass er fortan zwischen Uni-Hörsaal und der Dresdener Baustelle pendelte. „In dieser Zeit habe ich gelernt, aus dem Koffer zu leben“, erinnert sich der Vorsitzende der Vorsitzende der Hüfinger Bürgerstiftung, der heute als Arbeitgeber von 40 hochqualifizierten Mitarbeitern vier Tage in der Woche unterwegs bei seinen Kunden ist. „Es ist für mich ein wundervolles Gefühl, morgens um 4 Uhr mit dem Auto zum Flughafen zu fahren“, lacht der Unternehmer.
Seine Frau Heidi und das vierjährige Nesthäkchen Alina haben sich jedenfalls an seine Abwesenheit gewöhnen müssen. „Ich habe ihn schon als Arbeitstier kennengelernt“, gesteht die halbtags berufstätige 41-jährige Fachwirtin für Immobilien und schaut liebevoll in den großen Garten hinter dem roten Viereckdomizil an der Hüfinger Friedenstraße, im dem Vater und Tochter fröhlich herumtollen. Während Alina nicht genug von ihrem Vati bekommen kann und kaum von seiner Seite weichen will, betont dieser noch etwas atemlos: „Meine kleine Familie ist die Kraftquelle für meine Arbeit.“ Trotz des Berufsstresses nehme er sich fünf Wochen Zeit, um mit ihr in den Urlaub zu fahren. Das Trio steuert allerdings nicht die mondänen Ziele erfolgsverwöhnter Manager an, sondern es geht ganz gemütlich mit dem Wohnmobil in die Nähe von Venedig. „Mein Mann hat da schon als Baby mit seinen Eltern Ferien gemacht“, erklärt die Gattin nicht ganz ohne Ironie, die ihr Mann mit dem Versprechen kontert: „ Ich reise mit Dir auch wieder nach Lugano, das Ziel unserer Hochzeitsreise vor elf Jahren.“
Doch auch als Junggeselle hatte Thomas Liebert über die ausreichende Motivation verfügt, um seine berufliche Karriere auf die richtigen Gleise zu setzen. Als sein erster Arbeitgeber Pleite ging, machte er sich in Berlin selbstständig. Die während des Studiums geknüpften Kontakte entpuppten sich jetzt als goldrichtig, verschafften sie dem jungen Mann mit der Fähigkeit, Außenstehende von seinen Ideen zu überzeugen, schnell Zugang in die Direktionsetagen. Weil ein für das Verlagshaus Gruner und Jahr tätiger Architekt beim geplanten Bau eines Druckhauses partout keinen Einmannbetrieb dabei haben wollte, aber der ehrgeizige Neuling unbedingt den Auftrag für die Klimatechnik an Land ziehen wollte, stellte er seine ersten zwei Mitarbeiter mit dem Motto ein: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“
Die Niederlassung in der Bundeshauptstadt ist jedoch nicht das einzige weitere Standbein, um mit den ganz großen Playern ins Geschäft zu kommen. Wenn auch an der Spree momentan zwei riesige Aufträge für den Hauptstadt-Airport Berlin-Brandenburg und die Planung und Bauleitung der kompletten Versorgungstechnik für das neue Bosch und Siemens Hausgeräte Forschungs- und Entwicklungszentrum (das Größte seiner Art in Europa) abgewickelt werden, sorgen die „Ableger“ im Schweizerischen Neuhausen am Rheinfall und sogar auf dem indischen Subkontinent für ein Weitersprudeln der Aufträge.
Inzwischen müsse er wegen Arbeitsüberlastung den einen oder anderen interessierten Kunden abweisen, bedauert Thomas Liebert, der nach eigenem Bekunden in ruhigen Minuten seinen Erfolg immer noch mit Erstaunen quittiert. Er werde jedenfalls mit beiden Beinen fest auf dem Boden bleiben und deshalb nicht weitere Filialgründungen ins Auge fassen. Mit 40 Mitarbeitern sei eine für ihn überschaubare Größe erreicht. Bei einer eventuellen Expansion könne die bisher gewährte Qualität vielleicht auf der Strecke bleiben, befürchtet der bescheiden agierende Chef, der trotz gewisser Nachteile seinen Hauptstandort Hüfingen nicht aufgeben will. Top-Leute ziehe es natürlich in die Metropolen und nicht in die tiefe Provinz, sinniert der Ingenieur, der einfach auf das Rezept setzt, den Angestellten ganz besonders anspruchsvolle Aufgabenstellungen zu offerieren. Inzwischen sei es auch unheimlich schwer, den passenden Nachwuchs zu bekommen. Doch der Macher Liebert beweist auch hier mit seiner Ankündigung Steherqualitäten: „Wir werden den Arbeitsmarkt absaugen.“
Die Ideen in Sachen Klimatechnik würden ihm nicht so schnell ausgehen, denn die Energie in all ihren Facetten sei heute weltpolitisch das Thema Nummer eins, und dabei dürfe kein Energieträger aus dem Fokus verloren gehen, meinbt Thomas Liebert. Und nach einem Schluck seines geliebten Kaffees, dessen Konsum er der Fitness halber gedrosselt und den Griff zu Zigaretten ganz eingestellt habe, sieht der Experte, der auch die Bundesregierung bei Energiefragen berät, dunkle Wolken für den Verbraucher heraufziehen: „Die Energiepreise werden durch den schnellen Atomausstieg weiter steigen.“
