– Wenige Tage vor der Fasnet, ist dem Hüfinger Zunftmeister Thomas Schmid die Lust auf s närrische Treiben schon fast vergangen. Er und seine Mitstreiter in der Zunft bemühen sich in einer sich ständig verändernden Gesellschaft mit Aktionen in Kindergärten, Schulen und Neuerungen an den Fasnettagen für den Erhalt des schönen Brauchtums.
In diesem Bemühen fühlen sie sich von der Stadt verstärkt im Stich gelassen. Nach dem Ärger um Straßenabsperrungen und Straßenverunreinigungen nach den Umzügen in den vergangenen Jahren trifft es jetzt den Zunftball.
In einem Schreiben an die Veranstalter im Januar verwies Bürgermeister Anton Knapp aus Sicherheitsgründen auf die strikte Einhaltung der Bestuhlungsordnung. Die wurde von den Vereinen in den vergangenen Jahren recht lax gehandhabt. Doch nach den Vorfällen bei der Love-Parade in Duisburg mit zahlreichen Toten und vielen Vorwürfen gegenüber den Organisatoren sind die Verantwortlichen in den Kommunen vorsichtig geworden. Generell pochen sie nun verstärkt auf die bestehenden Verordnungen. In Villingen wurden gleich Fasnetbälle abgesagt, als die Stadt aus Sicherheitsgründen ihre Bestuhlungsordnung für die Fasnet streng auslegen wollte (wir berichteten).
In Hüfingen heißt dies konkret, dass beim Zunftball am kommenden Samstag nur noch 55 Brauerei-Garnituren im Hallen-Parterre aufgestellt werden dürfen, neun Tische weniger als bislang geduldet. Das sind wiederum 90 Personen weniger, die den Zunftball verfolgen dürfen. Inklusive Galerie können somit nur noch rund 600 Hüfinger den Bühnenspaß verfolgen.
Gegen diese strengere Auslegung der Stadt kann Schmid nichts sagen, aber gegen das Wie: Diesen Brief hätte man auch schon früher herausgeben können. So seien die Planungen und Bestellungen fürs Essen und Trinken schon lange abgeschlossen. Und 90 zahlende Besucher weniger würden auch in der Kasse der Zunft ein ordentliches Loch hinterlassen.
Und nachdem die Stadt vor zwei Jahren schon die Kosten für das Aufstellen der Beschilderung vor den Umzügen auf die Zunft abwälzen wollte (wir berichteten) und Bürgermeister Knapp in einem weiteren Brief eine vierstellige Rechnung für die Straßenreinigung androhte, falls Umzugsteilnehmer die Straßen weiterhin mit Stroh, Heu und Papierschnipseln verunreinigen sollten, ist die närrische Stimmung bei Thomas Schmid fast auf dem Nullpunkt angelangt. Die Zunft pflege doch lediglich das Brauchtum auch im Sinne der Stadt und sei doch nicht für alles verantwortlich, was an der Fasnet passiere, meinte Schmid am Mittwochabend bei den Proben in der Stadthalle.
Hauptamtsleiter Horst Vetter verteidigte für den gestern tagsüber nicht erreichbaren Bürgermeister das Vorgehen der Stadt. Der Bauhof sei oft zwei Tage mit der Straßenreinigung beschäftigt gewesen. Nach dem Appell an die Zunft und die Teilnehmer sei die Straßenverunreinigung 2011 kein Thema mehr gewesen. Die Beschilderung sei ebenfalls kein Thema mehr. Und bei der Hallenbestuhlung bestehe man nun lediglich auf der Bestuhlungsordnung, die seit Bestehen der Halle gelte. Im Frühjahr werde die Stadtverwaltung die Vereine an einen Tisch holen und die Situation besprechen.