Hüfingen Bade-Premiere: 109 Musliminnen im Aquaribad
Bild: Archivbild: Lenlde
Hüfingen – Kaum ein Angebot in der Region schlug in den vergangenen Tagen buchstäblich so hohe Wellen wie jenes vom Hallenbad „Aquari“ in Zusammenarbeit mit dem städtischen Sozialprojekt „Kompass“: Am eigentlichen Ruhetag, dem gestrigen Montag, durften muslimische Frauen einmal ganz unter sich und bei zugehängten Fenstern als Sichtschutz ins Schwimmbad gehen. Damit erfüllte das Bad einen großen Wunsch der Frauen, die aus Glaubensgründen nicht in der Öffentlichkeit ihre Straßenbekleidung ablegen dürfen.
Ramona Bliestle von „Kompass“ und Gabi Roth vom „Aquari“ hatten vorsichtig kalkuliert und „mit vielleicht zehn Frauen gerechnet“. Aber es kam anders: 109 Musliminnen sorgten für eine gelungene Bade-Premiere im Hallenbad „Aquari“. Vom Baby bis zur 70-jährigen Oma kamen sie aus der ganzen Region und selbst aus Stühlingen angefahren, um einmal baden zu können.
Eine Frau, schildert Ramona Bliestle, habe ihr gesagt, dass sie zum ersten Mal seit 17 Jahren in Deutschland wieder baden war. Anderen Frauen bescherte der Aktionstag das erste Badevergnügen mit den eigenen Kindern. Lediglich zwei „Männer“ durften mit ins Hallenbad: sie sind erst fünf.
Die nächste Aktion ist schon für August oder September geplant. Dann soll das Bad, ähnlich wie in allen Saunen, für einen „Frauentag“ geöffnet werden. Bei einer dritten veranstaltung plant sie eine Fitnessgymnastik mit Trainerin. „Das ist für mich auch ein Schritt Integration“, sagte Ramona Bliestle, die begeistert vom Glück und Dank der muslimischen Frauen gestern gleich ebenfalls ins Becken sprang. Sie reagierte damit auf das Echo, welches die Aktion ausgelöst hatte.
Mehrere Radiostationen und drei Fernsehsender hatten nach den Berichten im SÜDKURIER bei Ramona Bliestle angefragt, wurden aber abgewiesen. Die Aktion sollte durch einen übertriebenen Medienrummel nicht im Vorfeld scheitern. Auch im Internet unter www.suedkurier.de wurde die Aktion kommentiert. Mehrfach wurde hier kritisiert, dass durch solche Extratouren keine Integration gefördert werde.

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