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Geisingen Musik-Ereignis mit Wetterbericht

26.04.2010


Geisingen – Traditionsgemäß startete auch dieses Jahreskonzert der Geisinger Stadtmusik mit dem Auftritt des Jugendblasorchesters. Sie füllten die Bühne der Festhalle Geisingen gut aus, sowohl optisch als auch klanglich.

Stadtmusikdirektor Rudolf Barth versteht es herausragend, die musikalische Jugend auf den Punkt genau zu Höchstleistungen anzuspornen. Da geht es gleich schwungvoll los mit spanischem Temperament. Da werden die Unterschiede zwischen feurigen Rhythmen und melancholischen Soli fein herausgespielt. Das Tutti findet zu grandioser Einheit, Virtuosität macht eben so wenig Mühe wie klangvolle Melodik. Das können die Jungmusiker auch in der „kleinen Yiddischen Ragmusik“ eindrucksvoll beweisen: Der Ragtimerhythmus swingt, die volkstümliche Melodie gleitet durch alle Instrumentengruppen und wird einfühlsam interpretiert. Jazzig fetzig spielen die sechs Trompeterinnen und Trompeter stehend ihre „Rockin' Trumpets“, das übrige Orchester begleitet stimmig. Bezeichnend für Barths Arbeit ist, dass die jungen Talente sich auch solistisch beweisen dürfen. So erklingt das „Concerto for Drum Set and Concert Band“ gleich zweimal. Zunächst spielt Jonas Becker den virtuosen Solopart. Er beeindruckt durch Souveränität, differenzierte Dynamik und ein viel bejubeltes Solo. Dann hört man das gleiche Konzert mit David Haug am Drum Set. Es wird noch schneller gespielt, im Jazzwalzer akzentuiert der junge Solist sehr eigenwillig, und auch im Solo betont er seine Individualität. Das Publikum ist wieder hörbar begeistert. Einmal mehr beweist das Jugendblasorchester seine Flexibilität, seine große Bandbreite und überträgt seine spürbare Musizierfreude unmittelbar auf die Zuhörer in der voll besetzten Festhalle.

Nach der Pause folgt die heiter bis sehr stürmische Musikreise der Stadtmusik. Das Aprilwetter beginnt mit einer kraftvollen Fanfare, heftig schallt das Blech, donnernd agiert das Schlagwerk, es tost und braust allerorten. Den jeweiligen Wetterbericht verliest Georg Maier. Bei der Polka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauss dürfen zwei Schlagzeuger mit großer Trommel und Becken vor der Bühne spielen – da erlebt man Blitz und Donner hautnah. Wie vielseitig begabt die Musiker sind, beweist der Schlagzeuger Holger Steffen eindrucksvoll in „Over the Rainbow“. Er braucht dafür kein anderes Instrument als seine Baritonstimme, und die setzt er – auswendig singend – klangvoll ein.

Der verheerende Orkan Katrina vom August 2005 wurde von Ayatey Shabazz, der die Katastrophe hautnah miterlebte, musikalisch verarbeitet. Da werden die Musiker unglaublich gefordert, und auch die Zuhörer können sich der Gewalt dieses in Musik ausgedrückten Hurricans nicht entziehen. Chaos, Dissonanzen bis an die Grenzen des Erträglichen, dazwischen die Klage um die Opfer, und dann wieder das pure Entsetzen und die sich unglaublich steigernde Heftigkeit, das alles gestalten die Stadtmusiker grandios. Lieblich, tonal, jazzig und vertraut folgt „You are the Sunshine of my Life“ von Stevie Wonder. Sabrina Heger glänzt mit kurzem Flötensolo. Man hört in „Overture to Vox Stellarum“ den Weltraum flimmern, großer Klang entwickelt sich, dazwischen Glissandi durch alle Register – Sternschnuppen lösen sich immer wieder hell. Klanggemälde entstehen und verschimmern. Spanisch heiß geht es her in „Chase the Sun“, der sich allmählich entwickelnde Rhythmus reißt alle mit. Und am Ende bleibt das Wetter schön in „On the Sunny Side of the Street“. Natürlich lassen die äußerst begeisterten Zuhörer die Stadtmusiker und ihren souveränen Dirigenten nicht ohne Zugaben gehen – allerdings wird es dann doch nicht noch die sechste Sinfonie von Beethoven – die ja zum Thema durchaus passend gewesen wäre…

Jahreskonzert der Stadtmusik Geisingen (1)
Jahreskonzert der Stadtmusik Geisingen (2)
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