Furtwangen Technikfreude hebt ab
Sie sind die Chefpiloten des Mikrokopter-Projektes an der Hochschule: Lukas Merz (links) und Florian Götz ließen das surrende Fluggerät gestern im Rektoratsbereich abheben. Bild: Wursthorn
Furtwangen - Noch ist es der aus einem Kohlefaserkunststoff gefertigte zweite Vierflügler, der sich, noch wetterabhängig, senkrecht in die Höhe schraubt. Aber die Schubkraft des elf Personen starken Projektes um Professor Michael Waldowski ist enorm. Bereits im Bau ist eine dritte Version mit größerer Stabilität und besseren Statikeigenschaften. In den nächsten Tagen soll dem Team eine aufschnallbare Kamera zur Verfügung stehen und auch leichtere Akkus und eine Videobrille sind demnächst verwendbar.
Mit der Videobrille hat der Pilot am Boden den Blick der an den Mikrokopter geschnallten Kamera. Hier leiten sich die Einsatzmöglichkeiten des Fliegers ab. Es müssen nicht die Hooligan-Beobachtungen sein, die mit rund 65000 Euro teuren, bauähnlichen Geräten während der EM vorgesehen sind.
Florian Götz schweben Videoaufnahmen vor, die bei Filmproduktionen die teuren Kamerakräne ersetzen können. Götz, 21, Medieninformatikstudent aus Brigachtal und sein Kommilitone Lukas Merz (22) aus Lahr sind als passionierte Modellbauer die beiden "Chefpiloten" des Mikrokopters und in die Entwicklung eingebunden. Sie berichten von einem großen Interesse an den - so der Projekttitel - "Flying Objects (Flugobjekten)". Videofilmer an der Hochschule wollen den Kameraflieger ausleihen.
Dieser interdisziplinäre Ansatz gefällt dem 50-jährigen Professor für grafische Datenverarbeitung an der Fakultät Digitale Medien. Waldowski stellte die Idee mit den Mikrokoptern einigen Studenten vor und wunderte sich, als der erste Prototyp schon flog, bevor das Projekt im Sommersemester überhaupt startete. "Die Mikrokopter-Technologie ist offenbar dazu geeignet, Studierende für technische Fragestellungen zu begeistern", sagte Waldowski.
Dabei sei erstaunlich, wie schnell die Arbeitsgruppe den bloßen Nachbau bestehender Techniken hinter sich ließ. Mit Materialkosten, die unter 1000 Euro lagen, und vielen Ideen entstanden zunächst die leichteren und besser fliegenden Varianten. Fast fertig ist jetzt eine Abkehr der bisherigen Steuerung von Flugobjekt und Kamera durch eine Person. Künftig, so Merz, könne der eine Pilot den Mikrokopter fliegen und der andere mit der Kamera arbeiten.
Weiterentwicklungen auch bei der Steuerung: So ist geplant, die Mikroflieger mit der satellitengestützten Positionsbestimmung GPS auszustatten und so Kartenwege zu "verfilmen". Eine entsprechende Abschlussarbeit wird von Waldowski schon betreut.
Mikrokopter
Etwa 40 mal 40 Zentimeter misst der Mikrokopter, dessen dritte Version derzeit an der Hochschule Furtwangen entsteht. Etwa 500 Gramm wiegt das mit vier Rotorarmen ausgestattete Fluggerät, das sich, je nach Akku, bis zu 30 Minuten in die Lüfte erheben kann. Akku und Kamera dürfen zusammen etwa 500 Gramm wiegen.
Weitere Infos im Internet: www.dm.hs-furtwangen.de (als Suchbegriff eingeben: Flying Objects) und www.mikrokopter.de
