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Furtwangen Mega-Holzturm startet Windkraftprojekt

Die „Windpark Linach“ macht ihr großes Projekt jetzt anschaulich. An einem der sechs Windradstandorte über Linach wird ein hundert Meter hoher Windmessturm gebaut.

Die Genehmigung steht noch aus, doch Ulrich Bremauer (links) und Benjamin Kienzler sind vom Windkraftprojekt in Linach überzeugt. Für eine möglichst exakte Ertragseinschätzung baut die Betreibergesellschaft einen hundert Meter hohen Windmessturm aus Holz.
Die Genehmigung steht noch aus, doch Ulrich Bremauer (links) und Benjamin Kienzler sind vom Windkraftprojekt in Linach überzeugt. Für eine möglichst exakte Ertragseinschätzung baut die Betreibergesellschaft einen hundert Meter hohen Windmessturm aus Holz. | Bild: Wursthorn

Das Projekt ist ambitioniert, das erste Ausrufezeichen spektakulär: Die Initiatorengruppe Windpark Linach (WiLi), die auf dem Höhenrücken zwischen Linach und Schönenbach sechs Windkraftanlagen (WKA) platzieren möchte, baut zur seriösen Berechnung von benötigter Technik und zu erwartendem Ertrag einen einhundert Meter hohen Windmessturm aus Holz. „In dieser Größe gab es das noch nie“, kündigen Ulrich Bremauer und Benjamin Kienzler das etwa 200 000 Euro teure Teilprojekt an, das – eine zugeteilte Baugenehmigung vorausgesetzt – Mitte November aufgebaut werden soll.

Die Verstärkung des Weges vom Hansenhof in eine Jungwaldplantage hat schon begonnen. Schon der Autokran, der die elf jeweils 1,8 Tonnen schweren und neun Meter hohen Weißtannenelemente mit einer Grundfläche von 1,50 mal 1,50 Meter an diesem Standort übereinander aufrichten wird, wiegt etliche Tonnen. An der Außenseite des Turmes werden auf 40, 60, 80 und 100 Meter Höhe jeweils zwei Windmessinstrumente angebracht, die mindestens ein Jahr lang die Windhöffigkeit an dieser Stelle messen. Dabei fällt der Geländeverbrauch für den Masten, der nach Ende des Projektes an andere Windkraftprojekte vermietet werden könnte, gering aus: nur etwa 85 Quadratmeter müssen gerodet werden, weil die Abspannungen vom Turm über die Baumkronen der Jungbäume geführt werden.
 

„Die Holzbauweise war meine Idee“, berichtet Holzfachmann Kienzler. Die Alternative zu den gängigen Stahlrohrkästen wurde unter Einbindung akkreditierter Gutachter geprüft. Denn nicht nur der Windmessturm soll eine verlässliche Renditegrundlage schaffen, sondern auch ein parallel arbeitendes Messinstrument.

Entweder ein mit Ton- (Sodar) oder Laser (Lidar)-Technik bestücktes Instrument misst die Windverhältnisse über dem Standort. Welche Technik zum Einsatz kommt, sei auch eine Kostenfrage, erläutert Bremauer. Das Messgerät werde neben dem Messturm kalibriert und innerhalb einer Messkampagne an den weiteren vorgesehenen fünf WKA-Standorten aufgestellt.

Aus dem Ergebnis der Messungen dürfte sich der verwendete Typus einer Windkraftanlage ableiten lassen. Fuß, Stabilität, Flügellänge oder Rotortechnik kommen auf den Prüfstand. Allein an der Frage getriebeloser Antrieb oder nicht hängen mehrere Millionen Euro Investitionskosten.

Die WiLi möchte potenziellen Investoren eine möglichst exakte Prognose bieten. „Typisch schwarzwälderisch“ wird eher einmal mehr gerechnet und mit vier Prozent Rendite ab dem dritten Jahr nicht geprotzt. Die Realisierung, sollte sie kommen, dauert noch Monate. Ob denn nicht andere Umweltprojekte in der Zwischenzeit Investorengeld „abschöpfen? „Nein, wir sind von hier. Wir arbeiten mit einheimischem Geld und Handwerkerleistung und liefern ein Ergebnis, das man hier sehen kann“, sind sie sich der Geduld der hiesigen Bürger sicher.

Zudem wäre ein Windrad (Kostenpunkt 4,5 Millionen Euro) bereits finanziert. Das Geld wäre da. Gleichwohl fehlt den Initiatoren der offizielle Startschuss. Sie wissen, dass Windmastinvestitionen und Vorarbeiten der „WiLi“ auf eigenes Risiko gehen, solange die offizielle Ausweisung geeigneter Flächen durch die Kommunen noch aussteht. Zwischenzeitlich kursieren Prospekte in der Öfffentlichkeit, aber „wir wollen niemanden überrumpeln“. Für den zeitaufwändigeren Kurs der Stadt hat man sogar Verständnis: „Muss ja rechtssicher sein.“ Gleichwohl müsste die größte potenzielle Windparkfläche im Untersuchungsraum eigentlich „drin“ sein. Abstand zur Wohnbebauung, Lärm, Schattenwurf und Natur- und Vogelschutzaspekte seien berücksichtigt, auch die jüngste Auerhahnrichtlinie sei eingearbeitet.

Bürgermeister Josef Herdner hält derweil am Verfahrenstempo fest. Im November werden in einer öffentlichen Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft die Flächen vorgestellt, die die Landeskriterien überstanden haben und in eine Vor-Ort-Prüfung durchlaufen werden. Ende 2013 sollen dann die tatsächlichen Windkraft-Flächen in den Flächennutzungsplänen ausgewiesen sein. Schneller müsse die Vorgehensweise nicht sein, denn bis Ende 2012 gelte bezüglich Windkraft das alte Recht.

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