Furtwangen Lärmbeschwerde gegen „Alte Färbe“
Alexey Ivanov wohnt in dem Häuschen rechts neben der „Alten Färbe“. Er fühlt sich durch den Gaststättenlärm massiv gestört. Bild: Wursthorn
Der Wissenschaftliche Mitarbeiter an der Hochschule klagt darüber, dass nahezu jede Woche unerträglicher Lärm aus der „Alten Färbe“ dringe. Die Pächter der Kneipe hätten auf seine Beschwerden nicht reagiert und auch Polizei und Ordnungsamt hätten in den vergangenen 18 Monaten zu wenig gemacht, um das Problem zu lösen. „Nachts wird es immer wieder laut“, sagt der junge Wissenschaftler aus Russland. Für ihn als Ausländer werfe diese Situation ein enttäuschendes Bild auf die deutsche Rechtsordnung und deren Erfüllung für Privatpersonen.
Weil er sich zudem um den Brandschutz sorgt, ist der 29-Jährige Ende vergangener Woche gegenüber dem Landratsamt vorstellig geworden. Er erinnerte dabei an eine Brandschutz-Vereinbarung aus dem Jahr 2009. Damals wurde die Wiedereröffnung der im Besitz der Narrenzunft befindlichen Gastronomie über einen Kompromiss erlaubt. Die Obergeschossfenster mussten nicht vergrößert werden, wenn ein Fluchtweg über das Vordach gesichert sei. Das setze eine Räumung des Schnees voraus. Dass dies häufig nicht der Fall war, dokumentierte Ivanov durch Bilder, die er auch dem Landratsamt zur Verfügung stellte.
Diese Woche war das Vordach geräumt. „Wir räumen regelmäßig, wohnen aber nicht im Haus,“ sagt Sahbi Triki, der zusammen mit Markus Lude die „Alte Färbe“ betreibt. Im Lauf des Vormittags werde – des Nachbarn dritte Kritik - bei Bedarf auch der Gehweg von Flaschen, Gläsern und Zigarettenstummeln gesäubert. „Wir kümmern uns durchaus darum“, ergänzt Triki und wundert sich, warum er den Beschwerdeführer nicht persönlich kennt. Unter Nachbarn wäre der direkte Weg der normale. Ivanov wiederum beharrt darauf mehrfach telefoniert und direkt vorgesprochen zu haben.
„Wir haben junge Gäste, ein gewisser Lärm lässt sich nicht vermeiden“, bittet Triki um Verständnis. Mit einem geänderten „Veranstaltungs-Kodex“ gingen die Pächter schon auf die Nachbarn zu. So wurde eine überdimensionierte Schüler-Fete nach der Premiere im Sommer 2010 gestoppt. Gleiches gilt für einen Wettbewerb junger Bands. „Kleinere Veranstaltungen werden wir aber weiter haben.“
Die „Alte Färbe“ sei in letzter Zeit nicht das Thema von Anwohnerbeschwerden, sagte auf Anfrage Detlef Koch vom Polizeiposten. Klagen kämen eher über andere Gastronomien. Was wiederum den Doktoranden wundert. Gerade vor zwei Wochen habe sich sein Vermieter aus dem Nebenhaus heraus bei der Polizei über Lärm aus der „Alten Färbe“ beschwert.
Helmut Fleig bestätigt das: „Es war gegen Mitternacht am 3. Februar.“ Die Beamten aus St. Georgen hätten sich vor Ort der Lärmbeschwerde schnell angenommen. Allerdings wohl ohne befriedigendes Ergebnis, wie ihm am nächsten Tag Ivanov mitteilte. „Es sind die tiefen Bässe, die trotz Brandmauer meinen Mieter drangsalieren“, erläutert der Vermieter. Nachdem Ivanov die Mietzahlungen kürzte, wurde Fleig beim Landratsamt vorstellig – um dann wieder ans Ordnungsamt der Stadt verwiesen zu werden. „Jetzt werde ich eine Lärmmessung beantragen“, skizziert Fleig den nächsten Schritt.
Als weiteres Problem sieht er die Schneeräumung. Auch wenn das Vordach geräumt sei, türme sich der Schnee meterhoch in dem Zwischengang hinter seinem Haus. Wer da springt, lande in einer „Mausefalle“. Den Gedanken an ein Unglück wie bei der Loveparade möchte er gar nicht weiterspinnen, „aber der Brandschutz ist nicht ideal gelöst“.
Dass regelmäßig Klagen über die „Färbe“ beim Ordnungsamt landen, bestätigte Stadt-Sprecherin Angela Klein. Mit dem Landratsamt, das den Betrieb von Gaststätten regelt, sei man in regelmäßigem Kontakt, Beschwerden würden weitergeleitet, ergänzte Bürgermeister Josef Herdner.
Auch die Narrenzunft ist an einer Beruhigung interessiert. Zunftmeister Christof Winker vergewisserte sich am Mittwoch, dass die Fluchtwege offen sind. Die Pächter seien angewiesen, für Ruhe zu sorgen. „Wir wollen nicht, dass die ‚Alte Färbe' im Polizeibericht auftaucht“, so Winker.
Ivanov ficht der Ärger bald nicht mehr an. Nach fünf Jahren zieht er Ende März um. Seinen Schritt an die Öffentlichkeit sieht er als Notwendigkeit, um die Ämter zu aktiven Maßnahmen zu animieren.
