Die Zunft-Organisatoren hoffen, dass wieder mehr Narren ins Nachthemd schlüpfen und mit Fackeln durch die Stadt ziehen. Die Stadtkapelle begleitet den Umzug, aber die Hemdglunker bringen auch eigene „Instrumente“ mit, alles, was schräg und laut klingt.
Der Furtwanger Hemdglunkerumzug lebte in früheren Jahren vor allem von den „Fallebengel“, den jungen Leuten der Uhrmacherschule. In den siebziger Jahren mauserte sich die Veranstaltung zum närrischen Spaß für die ganze Familie, und das ist bis heute Tradition. Um diese Zeit war es auch, dass der Umzug einen spektakulären Schlusspunkt erhielt: der letzte Meckerer wurde verbrannt in Form einer lebensgroßen Puppe. Die Hexen übernahmen diesen Part. Inzwischen bieten sie ein sehenswertes Spektakel mit gewagten Sprüngen über das Feuer.
Hemdglunker sind am Schmutzigen Dunschdig in vielen Narrenhochburgen unterwegs. In manchen Orten wie Offenburg oder Waldshut wecken sie mit ihrer Katzenmusik die Narren in aller Frühe. In Furtwangen und vielen anderen Orten gehen sie erst am Abend auf die Straße. Über die Ursprünge des Brauches ist in den Geschichtsbüchern recht wenig zu finden. Wilhelm Kutter stellt in seinem Buch über die schwäbisch-alemannische Fasnet die Überlegung an, dass der Hemdglunker eine Totengestalt war, dass ihr Umzug durch die Stadt vorbeugend böse Geister von der Fasnet fern halten soll.
In den Furtwanger Annalen fand Stadtarchivar Ludger Beckmann zum Thema Hemdglunkerumzug als ältestes Dokument einen Artikel aus dem „Schwarzwälder Tagblatt“, erschienen vor 99 Jahren, am 31. Januar 1913. Darin heißt es: „Abends hatten die Schüler der Uhrmacherschule den Betrieb übernommen, indem sie den originellen Hemdglunkerzug durch die Straßen der Stadt veranstaltet haben. Dem Bürgermeister, der ihnen die Erlaubnis zu dem Umzug erteilt hatte, brachten sie vor seiner Wohnung eine Ovation. Der Zug sah sehr gelungen aus und an dem zahlreichen Publikum haben die Veranstalter wohl bemerkt, dass er beifällig aufgenommen wurde.“
Roland Wehrle berichtet in der Stadtchronik, dass der Brauch bis ins 19. Jahrhundert zurück geht.
Narri, Narro: Tausende Narren in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg machen jedes Jahr während der fünften Jahreszeit die Straßen unsicher. Sie feiern und strählen sechs Tage lang ausgelassen. Alle Berichte, Bilder und Videos zur Fasnacht in der Region finden Sie im närrischen SÜDKURIER-Onlinedossier.
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