Furtwangen Horrorfahrt nach Südtirol: Rentner fühlt sich von Polizisten schikaniert
Von einer Horrorfahrt in den Urlaub berichtet Ralf Schonhardt aus Furtwangen. Bild: Fürderer
Detailliert hat er die Ereignisse in einem kleinen Tagebuch festgehalten, die er gegenüber dem SÜDKURIER schildert. Mitte Januar machte er sich mit seinem Kleinwagen auf die Fahrt von Furtwangen aus. Nach Algund in Südtirol sollte die Tour gehen, der erste Urlaub in zehn Jahren.
Es dürfte so gegen fünf Uhr in der Nacht gewesen sein, als auf der Autobahn zwischen Winterthur und St. Gallen auf offenbar glatter Fahrbahn vorausfahrende Autos plötzlich merkwürdige Fahrbewegungen machten. Der 70-jährige Rentner schaltete vorsorglich die Warnblinkanlage ein, um auch nachfolgende Fahrer zu warnen. Eine Polizeistreife wurde deshalb auf ihn aufmerksam und veranlasste ihn zum Anhalten.
Es muss ein ziemlich rüder Ton gewesen sein, in dem die Schweizer Polizisten die Wagenpapiere forderten. Die haben „g'macht wie's Messer“, beschreibt er deren Verhalten. Er durfte nur reden, wenn er gefragt wurde, durfte sich nicht setzen und auch nicht rauchen. „Ich bin mir vorgekommen wie ein Verbrecher“. Die Beamten drohten sogar, den Rentner mitzunehmen. Auch musste er sich einem Alkoholtest unterziehen. Weil er nichts getrunken hat, blieb dieser aber ergebnislos. Rund eine halbe Stunde, so schätzt er, dauerte die als schikanös empfundene „Vernehmung“, ehe ihn die Polizisten den Weg fortsetzen ließen.
Das nächste Negativerlebnis ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Nur rund 40 Minuten später fuhr Schonhardt zum Tanken auf eine Raststätte, rund drei Kilometer vor Feldkirch. Nach dem Tanken lief der ansonsten zuverlässige Kleinwagen nicht mehr.
Der Rentner schaute sich um, ob jemand behilflich sein könnte beim Anschieben. Auf der leicht abschüssigen Zufahrt zur Autobahn wäre der Wagen vielleicht wieder angesprungen. Doch niemand war dazu bereit. So versuchte es der Rentner allein und brachte den Wagen ins Rollen, aber es reichte nicht. Ein zweites Mal versuchte er, andere Menschen zum Helfen zu bewegen, „vom Fernfahrer bis zur S-Klasse“. Der eine wollte schlafen, der andere sich nicht die Kleider schmutzig machen. Selbst mit Geschenken versuchte Schonhardt sein Glück, bot Sekt oder Wein an, aber vergebens. Im Gegenteil. Er musste sich völlig unvermittelt wüste Beschimpfungen anhören. In seinem Notizbuch hat er sie genau notiert: „Nazi, Depp, Looser, alter Sack“. Wieso es dazu kam, ist ihm völlig unklar. „Lag es an meiner deutschen Autonummer?“, fragt er sich selbst.
Schließlich gelang es ihm, die Verkehrswacht zu alarmieren. Doch auch dort ging die Malaise weiter. Zuerst wurde er „angeschissen“ wieso er sein Auto so weit in der Autobahnzufahrt geparkt hätte. Um das Auto kurz zu schließen, musste er sein defektes Auto an das fahrbereite Auto heran schieben, nicht umgekehrt. Das Auto war aber nicht in Gang zu bringen. Stattdessen nötigte ihm eine Politesse die zweite Alkoholkontrolle an diesem Morgen ab.
Erst ein alarmierter Mitarbeiter einer Kraftfahrzeugwerkstätte brachte das Auto wieder in Gang und Schonhardt konnte die Fahrt fortsetzen. In Algund traf er dafür „auf viele nette Menschen“, eine kleine Entschädigung für eine unverhoffte Horrorfahrt.

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