Eine Feierstunde, bei der alles zusammen passte: So gestaltete sich gestern die Eröffnung des Informatikneubaus der Hochschule. Auch der ruhige, disziplinierte Protest von über 200 Studierenden machte Eindruck auf die Gäste aus der Landepolitik. Sie versprachen, die Lösungsfindung in der Debatte um die umstrittenden Nutzungsauflagen des Neubaus zu beschleunigen.
Furtwangen - Es war eine Zweiklassen-Festgesellschaft, ohne dass es zur Konfrontation gekommen wäre. Während die geladenen Gäste in einem der neuen Hörsäle im Erdgeschoss die neue Errungenschaft in mehreren Redebeiträgen erläuterten bekamen (siehe übernächste Seite), hatte sich ihnen gegenüber, im Außenbereich, eine stille Protestfront aufgebaut. Direkt vor den Fenstern, nur durch den Wassergraben getrennt standen Studenten und machten nahezu lautlos mit Transparenten und Plakaten auf ihre Kritik aufmerksam. Die meisten waren schwarz gekleidet, um ihre Trauer auszudrücken. Viele hatten rote Plakate umgehängt oder angeklebt, manche trugen Kerzen.
Zum Hintergrund: Die Studierenden stoßen sich an den Vorgaben der Landesstiftung Baden-Württemberg, die als Geldgeberin des Neubaus fungiert: Die Statuten schreiben vor, dass das kurz "I-Bau" genannte Gebäude nur von drei der 25 Furtwanger Studiengängen genutzt werden darf.
Auch weil studentische Ordner die Ansätze von Skandieren oder Gejohle stets ausbremsten, trug diese sehr disziplinerte Form der Kritik den Studenten manchen Respekt ein. Staatssekretär Dieter Birk vom Wissenschaftsministerium wertete die Kundgebung beim Verlassen des Gebäudes nicht als Protest, sondern als "das berechtigte Stellen von Fragen". Rektor Rolf Schofer indes sprach, die "angemessenen, zurückhaltenden" Proteste ausdrücklich einbindend: "Unsere Hochschule hat heute insgesamt ein gutes Bild abgegeben." Er skizzierte im SÜDKURIER-Gespräch die weitere Vorgehensweise. Im Lauf der nächsten Woche will Schofer einen Fragenkatalog rund um die Nutzungsproblematik an das Wissenschaftsministerium und an die Landesstiftung weiterleiten. Eventuell noch im Wintersemester, so seine vorsichtige Prognose, sollen erste Signale in Richtung einer Lösung vorliegen. Auch Professor Manfred Kühne, der den Neubau im Namen der Stadt würdigte, fand Verständnis für den studentischen Protest: "Sich artikulieren gehört einfach dazu."
Beim Festakt gingen mehrere Redebeiträge auf die Nutzungsdebatte ein. Die Finanzierung sei an strikte Bedingungen geknüpft gewesen, erklärte Staatssekretär Gundolf Fleischer vom Finanzministerium. Mit dem Geld der Landesstiftung können keine Projekte gefördert werden, für die es einen Etatansatz im Landeshaushalt gebe. Deshalb habe das Stiftungsgeld für neue Projekte verwendet werden müssen . Dies alles sei bekannt und im Vorfeld akzeptiert gewesen. Fleischer sagte, dass die Diskussion um leer stehende Räume bald beendet sein werde. Sind die neuen Studiengänge voll belegt, sei für eine andere Nutzung ohnehin keine Möglichkeit mehr vorhanden. Außerdem gäbe es ohne die Landesstiftung gar keinen Neubau.
Staatssekretär Birk verprach, dass das Land überprüfen werde, welche Möglichkeit es gebe, interdisziplinäre Ausbildungen im neuen Gebäude vorzunehmen. Ähnlich äußerte sich auch Rektor Schofer. Die Hochschule wolle alle "zulässigen und rechtsmäßigen Wege" nutzen, um die Nutzungsmöglichkeiten zu erweitern. Gleichzeitig wies er die Festgäste vor dem Rundgang durch das Haus darauf hin, dass die vielen leer stehenden Räume nichts mit der Finanzierung durch die Landesstiftung zu tun hätten. Vielmehr seien viele Räume einfach noch nicht bezogen. Landtagsabgeordneter Karl Rombach kündigte an, dass er sich um das Thema kümmern wird.
Mehr Berichte zur Einweihung und zur Hochschulfinanzierung auf den Seiten 3 und 21.
Bildergalerie zur Neubau-Einweihung unter www.suedkurier.de