In einem Schreiben an die Filmförderung der Medien- und Filmgesellschaft BW verwahrte sich Krieg gegen eine derartige, die Stadt stigmatisierende Darstellung und kündigt rechtliche Schritte an. Diese wird es eventuell nicht brauchen. Denn Regisseur Hans-Christoph Blumenberg, stellte gestern klar, dass der Film lediglich in einem fiktiven Ort in Baden-Württemberg spielen werde. Zudem werde am Ende der Spielfilmhandlung deutlich das Gerücht als Gerücht entlarvt. Nebeneffekt der Vor-Film-Querelen: Die Polizeistatistik weist eindeutig aus, dass es in Furtwangen keine Suizid-Häufung gibt.
Das gerade in studentischen Kreisen nicht ausrottbare Gerücht, Furtwangen oder die dortige Hochschule habe "die höchste Selbstmordrate in Deutschland" wurzelt mutmaßlich in zwei traurigen Ereignissen Anfang der Neunzigerjahre. So stürzte sich damals ein Student vom Studentenwohnhaus. Innerhalb eines Jahres folgte die Selbsttötung eines Furtwangers nach ähnlichem Muster.
Auslöser der jüngsten Querelen war eine Anfrage des Südwestrundfunks bei der Polizei und Bürgermeister Krieg. Die Radiomacher hatten Wind bekommen von dem bereits mit Fördermitteln ausgestatteten Filmprojekt "furtwangen.org". "Nur ein Arbeitstitel", versichert der in Hamburg lebende Regisseur. Früh sei die Entscheidung gefallen, Furtwangen in dem Film nicht namentlich zu nennen.
Blumenberg (60) gehört mit etlichen Tatort-Produktionen, Spielfilmen und Dokumentationen der ersten Liga deutscher Regisseure an. Seinem Film, der frühestens 2009 zu sehen sein wird, will er das Gerücht-Thema als eine Art Leitmotiv mitgeben. "Wie entsteht ein solches Gerücht, wie kann es sich halten, wie können es Leute für sich nutzen", beschreibt er als für ihn interessante Fragen: eben auch die Enttarnung als Gerücht. Gedreht wird vermutlich 2008 in Baden-Württemberg, aber "sicher nicht in Furtwangen."
Auch wenn die Furtwanger Suizid-Legende nur den Kern einer fiktiven Spielfilmhandlung abgibt: Die stets wiederkehrende "infame Unterstellung" bezüglich der Furtwanger Selbttötungszahlen ärgert den Bürgermeister mächtig. "Das wird von interessierten Kreisen zur Miesmacherei Furtwangens genutzt", meint Krieg und sieht solche Veröffentlichungen den Furtwangern aufs Gemüt schlagen.
Kleiner Trost: In studentischen Internetforen überwiegt das Lob für die hohe Qualität des Studiums an der Hochschule - wenngleich der jüngste Eintrag zum Gerücht erst Dienstag erfolgte: "Chewie" war es auf www.delphipraxis.net
Die Statistik der Polizeidirektion Villingen-Schwenningen weist in den vergangenen Jahren folgende Selbsttötungs-Ziffern aus: 2004: 42, davon einer in Furtwangen; 2005: 34, davon einer in Furtwangen; 2006: 24, keiner in Furtwangen, 2007: bisher 23 Suizide, zwei in Furtwangen. Dazu zählt die Selbsttötung einer jungen Frau aus St.Georgen am Brendturm.
Die Häufigkeit der Selbsttötungen in Furtwangen liegt deshalb unter dem Kreis-Schnitt. Auch interessant: Laut einer anderen Erhebung gab es in Furwangen 1999 bis 2002 gar keinen Suizid-Fall zwischen 18 und 35 Jahren. (wur)
