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Furtwangen Er schreibt über die Stromrebellen

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Wer immer schon mal wissen wollte, warum beim Strom, wie bei den Lebensmitteln, nicht in jeder Dose Öko drin ist, wo Öko draufsteht, wird bei Bernward Janzing und seinen Co-Autoren bestens aufgeklärt. Wer nun ein trockenes Sachbuch mit endlosen Tabellen erwartet, wird angenehm enttäuscht: Stellenweise liest sich die Entstehungsgeschichte der Wiesentäler Stromrebellen aus Schönau so spannend wie ein Wirtschaftskrimi.

Verbindet man heute mit der Ukraine zunächst mal die gewaltigen Fäuste der Klitschkos, war es Ende April 1986 der GAU in Tschernobyl. Der gewaltige radioaktive Fallout stürzte Europa in tiefe Verstörung. Beim Arzt Michael Sladek und seiner Frau Ursula keimte die Gewissheit auf, dass gegen die Atomlobby Widerstand Pflicht ist.

Wie aus einer Idealistengruppe mit Verschwörertouch ein bundesweites Wirtschaftsunternehmen auf dem sauberen Strommarkt wurde, erzählt das vorliegende Bändchen auf 128 Seiten. Dass der Kampf um demokratische Mehrheiten zu skurrilen Einfällen und regelrechten Medienschlachten führte, dient dabei mehr dem Unterhaltungswert.

Zur Verdaulichkeit der fundierten Information trägt eine gute Prise anekdotische Würze aus den bewegten Anfangstagen bei. Dass Fallensteller nicht nur in Wahlzeiten auf kommunaler Ebene ihr Unwesen treiben, lernt man ebenso, wie man auf die global tätigen Trapper hinter der Kreditwirtschaft aufmerksam gemacht wird.

Nach der Lektüre von Dieter Seifrieds Beitrag „Ökostrom“ lichtet sich der Dunst, den die Nebelkerzen der Trittbrett fahrenden Großkonzerne verbreiten. Strom ist immer Strommix. Es kommt drauf an, was der Anbieter mit den Einnahmen macht.

Das, und wie jeder von uns der scheinbaren Allmacht der Energieriesen die Stirn bieten kann, bietet sich als Denkanstoß für die kommende ruhige Zeit nicht nur als Feiertagslektüre an. Dass die zum guten Schluss behandelte Freiburger Netzthematik ganz aktuell in den Fokus öffentlichen Interesses rückte, kann die Neugier auf die Sichtweise der Stromrebellen nur steigern.

Reich bebildert, ergänzt durch Sachbeiträge, fehlt ein tabellarischer Rückblick so wenig, wie ein Literaturverweis und ein Personenregister. Die Biographien und beruflichen Werdegänge der Akteure auf beiden Seiten werfen mitunter ein bezeichnendes Licht auf die Menschen dahinter.

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