Mein

Furtwangen Die Landfahrer sind in der Stadt

01.08.2012
Furtwangen -  Auf dem Festplatz wohnt bis Freitag eine Roma-Großfamilie. Die Gruppe stößt auf viele Vorbehalte.

Service
Artikel drucken  Artikel drucken
  Artikel versenden

  Newsletter
  RSS-Feed


Sie nennen sich „Landfahrer“ oder „Roma“ und sie gelten, was die ersten besorgten Anrufe bei der Stadt bewiesen, als wenig beliebte Gäste. Bis Freitag gastiert ein etwa 50 Köpfe starker Familienverbund der in Frankreich ansässigen Sippe Taicon auf dem Furtwanger Festplatz. „Überraschend“ nannte der Gemeindevollzugsbeamte Hermann Fengler die Ankunft der 15 Wohnwagengespanne am Montagnachmittag. Und warnt vor Panikmache.

Zunächst stellen die Roma ihre Fahrzeuge mit französischen und deutschen Kennzeichen bei der Tennishalle ab, dank Fenglers Vermittlung konnten sie – rechtzeitig vor der Monstertruck-Show – seit Dienstag vor dem Eingang des Bregstadions lagern.

Während Fengler am Mittwoch den Betrag für Wasser und Müllentsorgung kassierte, warb Porado Taicon um mehr Verständnis für die Situation der Roma. Der 34-Jährige, demnächst vierfacher Vater, ist nicht Chef der Gruppe, legt mit dem Blick in die Straßenkarten die Reiseroute fest. Neun Monate im Jahr ist die Familie hauptsächlich in Süddeutschland unterwegs. Baden-Württemberg und der Schwarzwald gefällt ihm gut. Geradezu ins Schwärmen gerät er, als er österreichische Städte aufzählt: Hier gebe es ausgewiesene Landfahrerplätze mit Duschen, Strom- und Wasseranschluss. Die neuen Bundesländer dagegen meide man wegen rechtsextremer Umtriebe. Großeltern und viele weitere Verwandte seien im Konzentrationslager gestorben, ist Taicon bei einem belastenden Thema. Deshalb führe die Bayern-Tour regelmäßig an Dachau vorbei, um dort mit großen Blumengebinden der Verstorbenen zu gedenken.

Nächstes Ziel der Landfahrer, die in einer solchen Stärke seit Jahren nicht mehr in Furtwangen Station gemacht haben, ist Colmar. Dort kommt die gesamte Sippe, bestehend aus Roma aus Deutschland, Frankreich und Belgien, ab Montag eine Woche zusammen. Gut 3000 Menschen mit 800 Wohnwagen nehmen an einem Fest ihrer evangelischen Gemeinde teil. Colmar ist nicht weit entfernt vom Winterquartier der Landfahrer. Während der drei Monate Pause in Straßburg würden die Kinder in einer rollenden Schule unterrichtet. Ein umgebauter Bus fährt das Lager an.

Auf die Einnahmeseite angesprochen, gibt sich Taicon wortkarg. Haushaltsmesser werden verkauft, Messer und Scheren geschliffen. Man habe Reisegewerbescheine, jeweils drei, vier Männer seien mit dieser Dienstleistung unterwegs in der Stadt. Ob das denn reiche für den Lebensunterhalt von über 50 Menschen? Was denn passiere, wenn ein Fahrzeug einen Schaden hat? „Wir Roma halten zusammen“, bleibt der Sprecher eher wolkig. Im Bedarfsfall werde eben innerhalb der Sippe Geld gesammelt.

Die genannte Einnahmequelle, das mobile Messerschleifen, war am Mittwoch schon an mancher Furtwanger Haustür zu besichtigen. Auch Hinweise auf den anderen Erwerbszweig, den häufig Frauen und Kinder verfolgen, fehlten nicht. Eine Frau war am Vormittag auf dem Marktplatz von einer Frau mit Kleinkind auf dem Arm angebettelt worden.

Im Klartext
Francesco Messina, Leiter der Roma-Sondereinheit der Polizei Mailand, sagt: «Ein Kind verdient ... mehr ...
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln