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Furtwangen Bloß nicht zu einer „Sklavenfirma“

12.01.2010


Aufmunternde Reaktionen hat die vergebliche Jobsuche des Furtwangers Andreas Farsang erzeugt. Die Internetkommentare auf den SÜDKURIER-Bericht vom vergangenen Freitag schlossen sich einer bundesweit laufenden Debatte über Zeitarbeitsfirmen an.

Furtwangen – Auf eigene Faust hatte sich der Hartz-IV-Empfänger Farsang im niedersächsischen Emden um einen Job als Staplerfahrer bemüht: Um vor Ort festzustellen, dass ihm bei einer Vergütung von 800 Euro und deutlich höheren Wohnungskosten unterm Strich weniger übrig geblieben wäre als bisher. Voll zu arbeiten und dennoch staatliche Hilfe zu benötigen: Diese Option lehnte der 41-Jährige ab und fand dabei einigen Zuspruch.

„Viele Leuten haben mich auf den Artikel angesprochen“, sagte er gestern. „Manchem, mit dem ich gesprochen habe, ist die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt völlig neu.“ Mit ihm habe das Problem erstmals ein Gesicht bekommen, meint Farsang.

Selbst der Sprecher der Arbeitsagentur, Klaus Helm, hat Respekt vor dem Bemühen, das Farsang bei der Jobsuche an den Tag legte. „Ich hoffe, dass der Mann von einem hiesigen Arbeitgeber eine Chance bekommt.“ Allerdings, so Helms Kritik, hätte sich Farsang den Weg an die Nordsee sparen können, wenn er sich besser telefonisch über die Arbeitsbedingungen erkundigt hätte.

Eine Zeitarbeitsfirma wollte Farsang für 800 Euro brutto einstellen. Farsang hoffte, im direkten Gespräch etwas bessere Konditionen auszuhandeln. Mit dem Zug fuhr er nach Emden und begann bereits unterwegs eine Wohnung zu suchen.

Das Jobgespräch verlief enttäuschend. Nach der Startphase, so hieß es, dürfe er maximal mit etwa 30 Euro mehr im Monat rechnen. Die Ablehnung des karg dotierten Angebotes wird dem Furtwanger keinen Abzug vom Regelsatz bescheren, weil er sich den Job auf eigene Faust und ohne Vermittlung durch die Arbeitsagentur gesucht hatte.

Die Geschichte löste in den vergangenen Tagen eine muntere Internetdiskussion aus. „Ich kann den Mann durchaus verstehen und drücke ihm ganz fest die Daumen, dass er einen anständig bezahlten Job findet“, meinte Userin mondfeuer. Schlimm sei es, wenn man trotz Vollzeit-Arbeit zum Amt rennen müsse, um die horrenden Lebenshaltungskosten zu zahlen. Staatlich unterstütztes Lohndumping allerorts, schimpft beat80. Der Slogan „Leistung muss sich wieder lohnen“ sei der blanke Hohn.

Auch Betroffene äußern sich online. Die Situation habe weniger mit zu hohen Hartz IV-Sätzen zu tun als vielmehr mit den Leiharbeitsfirmen, die die Arbeitswilligen „abzockten“, meinte speedi88. Ihm selbst sei als Leiharbeiter zufällig eine Abrechnung unter die Finger gekommen, nach der die Leiharbeitsfirma einen weit höheren Betrag beim Leiharbeitnehmer forderte, als ihm selbst ausbezahlt worden war.

„Wie sollen da noch Kinder ernährt und eine Altersversorgung aufgebaut werden?“ ergänzt facti und sieht die Episode als Teil einer endlosen Abwärtsspirale. Das Einzige, was bei all dem Unglück helfe, seien geeignete Internet-Foren, in denen sich Betroffene gegenseitig weiterhelfen, empfiehlt Clemens-01.

Völlig ablehnend stehen die User den Zeitarbeitsfirmen gegenüber. „Sklavenfirmen“, die ihre Mitarbeiter ausbeuten und selbst den großen Reibach machten: da gehöre die Politik gefordert das zu unterbinden, empfiehlt mondfeuer. Sie selbst habe mit zwei kleinen Kindern zwar einen Arbeitsplatz, sei aber trotzdem auf Geld vom Staat angewiesen. Absolut „nicht witzig“ sei es, darauf als Schmarotzerin betitelt zu werden: „Ich arbeite schließlich auch schon 25 Jahre und habe immer brav Steuern bezahlt“.

„Leute, die jahrelang eingezahlt haben, werden nach Verlust der Arbeit innerhalb kurzer Zeit mit anderen gleichgestellt, die noch nie arbeiten gehen wollten“, sagt alpha07. Leider gebe es mittlerweile viele Menschen, die gerne arbeiten gehen möchten, aber eben keine Stelle bekommen. Beim Lohndumping schaue der Staat eben einfach nur zu und für die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland gelte „Selber schuld“.

„Fari, bleib im Süden, im Norden ist's noch schlimmer als hier“, gibt s@andm@n dem Jobsucher einen gut gemeinten Rat. Nicht ohne eine Nachfrage: Weil Farsang einen Teil seiner Mietsuche per Laptop im Zug erledigte, werfe dies die Frage auf, wieso sich dieser ein Notebook mit mobilem Zugang leisten könne. Dessen Replik: Das Gerät stamme noch aus der Zeit seiner Selbständigkeit.

Ergänzende aktuelle Bezüge hat die Furtwanger Diskussion durch ein bundesweites Medienecho erhalten. Die Personalpraktiken des Drogerie-Discounters Schlecker waren am Sonntagabend Thema in der ARD-Talkrunde bei Anne Will.

Lösung
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Analyse
Der Arbeitsmarkt ist ein MARKT: Angebot und Nachfrage regeln den Preis!
Volk schlecht gewählt->Politik schlecht
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