Drei Sendungen sind ausgestrahlt, elf sind abgedreht. Diesen Sonntag läuft die vierte Folge. Das große Finale steht bevor und Seif strahlt Zuversicht aus. Im Furtwanger Fitnessstudio Dynamic setzt er das während der Dreharbeiten aufgenommene Training fort: sechs Tage in der Woche, jeweils zwei Stunden; bevorzugt am Cardio-Gerät, um vor dem finalen Wiegen keine zusätzlichen Muskeln aufzubauen. „Hut ab vor so viel Disziplin“, gibt sich Betreiberin Ute Klausmann ebenso fasziniert wie stolz. Für sie hat Seif schon gewonnen.
Mit exakt 157,1 Kilo Gewicht bei 1,83 Meter Körpergröße ging Seif Anfang September in den Wettbewerb. Der Zwischenzustand in Zahlen, oder auch wie sich die T-Shirt- (XXXXXXL) oder Hosengröße (56) ins Positive verändert haben, bleiben auf Wunsch des Senders ein Geheimnis. Tatsache ist aber: Seit der Rückkehr bekommt Seif Komplimente von Freunden oder Arbeitskollegen. Manch Fremder hat den „dicken Bernhard“ auf dem Bildschirm gesehen und jetzt nur etwas schüchtern begrüßt.
Dann, im Sommer 2011 ein Fingerzeig. Oder eine Warnung. Während des Einkaufs in einem Elektrogroßmarkt erleidet Seif einen Blutdruckanfall. Geplatzte Ader in der Nase, Notarzt, Abtransport im Rettungswagen. „Ich hatte Angst, nicht mehr heimzukommen“, erinnert er sich an diesen Tag und den Beschluss, etwas zu tun. Fünf bis sechs Kilo Gewichtsabnahme im Fitnesstudio brachten eine Besserung, nicht eine Änderung. Der radikale Schnitt wurde ausgerechnet auf einem Familienfest eingeläutet. Markus, der gleichfalls übergewichtige Mann seiner Cousine, animierte Bernhard, sich bei der Sendung zu bewerben. Der Schonacher zögerte kurz. Mit 50 Kilo Gewichtabnahme in einem halben Jahr, so kalkulierte er, hätte er eine Chance auf den Titel. Die Beiden bewarben sich, ihr Bewerbungsvideo gefiel und als Team Orange rutschten sie unter die Schar der 20 Teilnehmer.
„Übergewicht betrifft viele. Ich möchte mit meinem Beispiel zeigen, dass man was ändern kann“, beschreibt er seine Motivation, an der Sendung teilzunehmen. Doch Fernseherfahrung fehlte Seif ebenso wie die Antwort darauf, wie er die maximal zehn Wochen im „Camp“ in Andalusien – falls er bis zum Ende durchhält – arbeitszeittechnisch bestreiten würde. Mit Urlaub, Freistellung und unbezahltem Urlaub ließ es sich bewerkstelligen. „Mein Chef schluckte kurz, hatte dann aber vollstes Verständnis“, lobt Seif, während Geschäftsführer Manfred Bär den Ball zurückspielt: „Das war schließlich in seinem und in unserem Interesse“.
Berührungsängste mit der TV-Präsenz hatte Seif nicht. „Mich im Freibad zu zeigen, war mir nicht weniger unangenehm“. Im Camp wurde, zwischen gesunder Ernährung, regelmäßigem Training unter Anleitung und „Challange“ genannten Wettbewerben regelmäßig gefilmt. „Später bekam ich das gar nicht mehr mit“, sieht Seif einen Gewöhnungseffekt. Im Fernsehen sieht er sich nach den ersten Sendungen fair präsentiert.
„Das war wie Entzug“, summiert er die Wochen in Andalusien. Härte hieß dabei nicht nur der Verzicht auf alle Medien wie Handy, Laptop und Fernsehen. Es hieß auch ein Kontaktverbot mit der Familie und gleich am Anfang die Auseinandersetzung mit glutheißen Temperaturen um 40 Grad. „Da merkte ich spätestens, mit welchen Beeinträchtigungen ich lebe“, erinnert er sich.
Wieder zuhause, hat Seif Träume: Für den Sport möchte er sich weiter die Freiräume bewahren. Vielleicht auch bald mit dem Fahrrad. Gesundheitlich hat er ohnehin schon gewonnen, was er an vielen Stellen merkt: Beim Treppenlaufen etwa, aber auch, indem er auf seine Blutdrucktabletten verzichten kann. Bleibt noch ein Wunsch des Ehepaars: Eigener Nachwuchs steht in der Bedeutung zwar hinter dem gesünderen Leben. Doch jetzt sind „laut meinem Urologen die Chancen besser“, freut sich Seif.
