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Furtwangen Austritte werden zum Dauer-Problem

Pfarrer Paul Demmelmair bedauert Entwicklung. Pfarrei St. Cyriak ist besonders betroffen.

Schon seit Jahren kämpft die katholische Seelsorgeeinheit Bregtal mit Kirchenaustritten. Besonders betroffen ist St. Cyriak in Furtwangen als größte Pfarrgemeinde innerhalb der Seelsorgeeinheit. Im vergangenen Jahr seien 39 Menschen allein in St. Cyriak ausgetreten, informiert Pfarrer Paul Demmelmair. In St. Martin in Vöhrenbach habe es 14 Kirchenaustritte gegeben. In den anderen Pfarreien der Seelsorgeeinheit liege die Zahl der Austritte deutlich niedriger. Kein Mitgliederschwund sei 2015 in Schönenbach (St. Nikolaus) zu verzeichnen gewesen, in Neukirch (St. Andreas) habe eine Person die Kirche verlassen, in Rohrbach (St. Johann) seien es zwei Einwohner, in Urach (Allerheiligen) eine, in Hammereisenbach (St. Johann) zwei und in Gütenbach (St. Katharina) drei Personen gewesen. Macht insgesamt 62 Kirchenaustritte in der Seelsorgeeinheit im vergangenen Jahr.

Demmelmair bedauert die Entwicklung, die sich in ihrer Wirkung über die Jahre hinweg summiere und die Gemeinden schrumpfen lasse. Er sieht darin aber kein spezifisches Problem des Bregtals, sondern spricht vielmehr von einem Mosaik an Ursachen, die von der „Großwetterlage“ beeinflusst würden. Damit meint Demmelmair allgemeine Haltungen der katholischen Kirche, in denen sich manche Menschen nicht mehr wiederfänden, zum Beispiel beim Thema Sexualmoral. Aber auch Skandale wie Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche oder unsinnige Großinvestitionen eines Bischofs in Limburg vor einigen Jahren hätten für viel Diskussion und Kritik gesorgt.

Es seien vor allem die 20- bis 30-Jährigen, die aus der Kirche austräten. Manche von ihnen würden mit diesem Schritt warten, bis die Eltern verstorben seien. Wohl in der Annahme, dass die Eltern mit der Entscheidung nicht einverstanden wären.

Möglicherweise gehöre zu den vielerlei Hintergründen von Kirchenaustritten auch das derzeit beherrschende Flüchtlingsthema. Hier sei die offizielle Haltung von Papst und katholischer Kirche, dass Menschen in Not und auf der Flucht geholfen werden müsse. Der aus Bayern stammende Demmelmair betont zwar, dass die Seelsorgeeinheit im Bregtal offen sei für die Aufnahme von Flüchtlingen, derzeit auch in Verhandlung mit der Stadt sei, das Pfarrhaus in Schönenbach an Asylbewerber zu vermieten. Doch der Pfarrer spricht auch von „Dilettantismus“ im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und dass seiner Meinung nach einige verantwortliche Köpfe ausgetauscht werden müssten. Es könne nicht sein, dass Flüchtlinge unkontrolliert nach Deutschland kämen.

Demmelmair versucht, den Kirchenaustritten entgegenzuwirken und Menschen für den christlichen Glauben und die Kirche wiederzugewinnen. Auch mit den Personen, die ausgetreten seien, werde Kontakt in Form eines Schreibens und eines Fragebogens aufgenommen. Aber nur wenige, etwa 20 bis 30 Prozent, würden den Bogen mit den Fragen nach Ursachen des Austritts ausfüllen und zurückschicken. Meistens werde eine Art Entfremdung vom Glauben als Grund angegeben. Demmelmair geht davon aus, dass diese „Glaubensverdunstung“ ein Phänomen der Zeit ist. Andere Inhalte und Werte rückten in den gesellschaftlichen Vordergrund, seien es Wellness, Beruf, Sport oder eine Art Spiritualität, die sich nicht mehr alleine auf den christlichen Glauben berufe. Das Einsparen von Kirchensteuer steht als Argument für den Austritt nicht an erster Stelle, so Demmelmairs Erfahrung. Um attraktiver zu werden, sei der Internetauftritt der Seelsorgeeinheit überarbeitet und ebenso der Pfarrbrief neu gestaltet worden. Auch mit Gesprächsangeboten oder Veranstaltungen wie der ökumenischen Bibelwoche versuche die Seelsorgeeinheit, den Bedürfnissen gerecht zu werden.

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