Brauchtumskunde an der Donaueschinger Realschule hat sich bewährt.
Normalerweise büffeln die Sechstklässler der Donaueschinger Realschule am Freitagmorgen Mathe, Deutsch oder Englisch. Gestern aber stand Brauchtumskunde auf dem Stundenplan. Ein Fach wie gemacht für die fünfte Jahreszeit – zumal immer weniger Schüler wissen, welche Geschichten hinter den einzelnen Fasnetsfiguren stecken. „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, wie schön und wie einmalig die schwäbisch-alemannische Fasnet ist“, sagt Erznarr Wolfgang Reiter, der seit 30 Jahren das närrische Unterrichtsfach mitgestaltet. Damals, im Januar 1982, hatte der Brauchtumsunterricht zum ersten Mal stattgefunden – übrigens auf Anraten des Elternbeirats. Die Idee von damals hat sich bis heute bewährt: Die drei Zünfte aus Donaueschingen, Hüfingen und Bräunlingen erklären, was hinter den Fasnetsbräuchen steckt und bringen ein Häs zur Anprobe mit. Auch Obergretle Sabine Spies trat gestern als Fasnetslehrerin vor die Jugendlichen. „Die Schüler waren sehr interessiert“, erzählt sie, „sie haben ganz viele Fragen gestellt und noch mehr Fotos gemacht.“ Fotografiert wurde auch Rektor Gerhard Lauffer – vor allem wegen seines Kopfschmucks. Auf seinem Haupt thronte nämlich eine sonderangefertigte Narrenkappe. Überreicht vom Obergretle, bringt sie den Dank der Zünfte für die nun 30-jährige Zusammenarbeit mit der Realschule zum Ausdruck. Verziert mit drei Stadtwappen und einem Fuchsschwanz, sorgte die Kappe beim Träger sogleich für strahlende Augen – was für eine Ehre! So soll es bleiben, dachte sich der Rektor wohl und handelte noch bei Kaffee und Krapfen ein Abkommen mit den Narren aus. Damit die Zünfte auch in den kommenden Jahren zum Brauchtumsunterricht an seine Schule kommen, bot er ihnen jeweils 30 Liter Bier. Ein Angebot, das sich selbstverständlich keiner entgehen ließ. Und damit – glaubt man zumindest der Rechnung des Schulleiters – sind die nächsten 90 Jahre Brauchtumskunde fest gesichert.