Senioren entdecken das weltweite Netz. Sie steigen ein in die neuen Medien und wollen dieses Wissensgebiet nicht mehr allein ihren Enkeln überlassen.
Im Donaueschinger Generationenhaus ist in kürzester Zeit so etwas wie ein „Internet-Café“ entstanden, in dem „in Ehren ergraute Häupter“ regelmäßig ihre Köpfe vor Laptop-Bildschirmen zusammenstecken. Manche sind erwartungsvoll angespannt, andere bewegen die Mäuse schon ganz „cool“ über den Tisch, wenn sie sich durch das Labyrinth der Web-Seiten klicken: Sie gehen jetzt auf eine Entdeckungsreise der ganz anderen, vor allem aber faszinierenden Art.
Die Nachfrage ist gut. Bereits im März hat Irmgard Engel, die Vorsitzende des Seniorenrats Donaueschingen, einen Aufruf gestartet und „ruckzuck“ waren 30 Namen auf einer Liste, Junggebliebene, jenseits der 65 Jahre. Knapp ein Jahr später sind immerhin noch mehr als 20 mit dabei. Sie wollen sich schlau machen über die neuen Medien. Sie wollen lernen, wie man im Internet surft, wie man sich in der schönen neuen Computerwelt zu recht finden kann, welche Vorteile das Netz haben kann, wenn man sich darin auskennt. „Internet goes Ländle“: Diesen griffigen Titel hat das baden-württembergische Ministerium für ländlichen Raum für eine Initiative gefunden, mit der Senioren vor allem „auf dem flachen Land“ ans Netz gebracht werden können.
Auch Donaueschingens Seniorenrat mit der rührigen Irmgard Engel an der Spitze, machte sich auf den Weg ins Internet: Manche von ihnen stehen noch ganz am Anfang und drücken die Tasten auf der Maus oder der Tastatur nur ganz zögerlich, so ganz nach dem Motto: Man weiß ja nie, was da passieren kann. Andere wiederum suchen nach einem einfachen Programm, mit dem man an den zu Hause aufgenommenen Videos die Leerstellen herausschneiden könnte, andere wollen E-Mails verschicken und wissen noch nicht, wie das geht, wieder andere suchen einen Weg, wie die vielen digitalen Fotos in ein Album verschoben und gesichert werden können. Die Allermutigsten fragen gar nach dem Programm „Fotoshop“, merken dann aber, dass Computern ganz schön schwierig sein kann.
Fünf Trainer, auch sie ältere Damen und Herren im Rentenalter, sind dabei, ehrenamtlich mit den „Internet-Senioren“ zu arbeiten und ihnen die richtigen Kniffe an den Computern zu zeigen. Neben Siegfried Limberger sind Eckhard Dewald, Renate Keusen, Elisabeth Hummel und Elisabeth Schuler mit dabei. „Wir machen keine Kurse in Word oder Excel“, stellen die Trainer heraus, „wir helfen, wenn es klemmt, wir versuchen, den Teilnehmern die Scheu zu nehmen“. Und weil die Bürgerstiftung Donaueschingen der munteren Truppe vor ein paar Tagen zwei neue Laptops gespendet hat und zwei weitere vom Generationenhaus zur Verfügung stehen, können nun auch alle praktisch üben.
Auch Renate Keusen hat sich als Betreuerin zur Verfügung gestellt und ist begeistert von der „bereichernden Arbeit mit vielen netten und interessanten Menschen“. Viele lernen sich in der Gruppe näher kennen, „für viele ist dies ein neuer Zeitvertreib, der ihnen eine Anbindung an die Welt ermöglicht“. Renate Keusen ist überzeugt, dass die Seniorinnen und Senioren das Internet so nutzen, wie es sich gehört, sich nämlich „gezielt“ die Dinge aussuchen, die sie brauchen. Sie entdecken die Bahnfahrpläne, den Apotheken-Bestellservice, Bestellungen und Informationen bei Firmen, sie besorgen sich Wetterinfos für die nächste Wanderung, holen sich Ferienziele oder Hotels auf den Schirm. „Meine Erfahrung ist: das kommunikative Element steht bei allen im Vordergrund“, sagt Renate Keusen.
Blickpunkt, Seite 24