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04.06.2010  |  von  |  0 Kommentare

Donaueschingen Wird Karlstraßen-Arkade Ladenfläche?

Donaueschingen -  Donaueschingen – Donaueschingens urbaner City-Charme ist knapp bemessen. Auf die Karlstraße von Sankt Johann bis zum Rathausplatz mit den Ausläufern der Max-Egon- und Zeppelinstraße und auf das Residenzviertel mit der Josefstraße beschränkt sich die Zone, die man als Stadtbild-Identität „typisch Donaueschingen“ vor Augen hat; alles andere Terrain ist eher seelenlos besiedelt.

Prägt in besonderer Weise die Verhältnisse auf der Karlstraße: die Passage entlang der Schaufensterfront. Nun soll sie auf etwa dreißig Metern Länge zur Ladenfläche werden.

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Redakteur Donaueschingen / Redaktionsleiter

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Besonderer Bedeutung als Innenstadt-Kulisse kommt dabei der Karlstraße zu, die vor allem sonntags mehr und mehr von der Freizeitgesellschaft bewohnt wird und mit sich gerade anbahnenden Geschäftseröffnungen durchaus auch als Einkaufsbummel-Meile wieder auf Erfolgkurs geht.

Doch jetzt hat ein geradezu brisanter Vorstoß das Rathaus erreicht, der zur heiklen Glaubensfrage werden könnte für die Stadtpolitik. Zum Zielkonflikt zwischen der Konservierung der vertrauten und durchaus geschätzten Karlstraßen-Verhältnisse, deren wesentliches architektonisches und auch funktionales Element die lange Passage vor der nördlichen Schaufensterfront ist, und zwischen einer avisierten Aufwertung als Geschäftsstraße.

Das nämlich, einen markanten Ausbau seines Bekleidungshauses an dieser Stelle und damit mehr Magnetwirkung auf Kundschaft aus der ganzen City, das hat die Familie Kaltenbach vor, die dort bislang auf gemieteten 800 Quadratmetern residiert. Möglichst bald, so beabsichtigt das Familienunternehmen, sollten daraus 1500 Quadratmeter Fläche werden. Die Möglichkeit dazu böte die Überbauung des rückwärtigen Parkdecks und die Übernahme weiterer bisher anderweitig genutzer Räume in den oberen Etagen. Dafür aber wäre der Erwerb des weitgehend kompletten Geschäftshauses von den vier bisherigen Eigentümern – Nachfahren der Familie Schnetzer – die Voraussetzung. Die Verhandlungen laufen bereits. Führen sie zum Ziel, dann könnte das Textilunternehmen mit Wurzeln in Schonach bald tatsächlich das sein, was sein Name ohnehin schon avisiert: ein (ganzes) „Haus der Mode“.

Unverzichtbar dafür sei aber auch eine architektonisch adäquate Fassade, welche diese neuen Quantitäten artikuliere, so machte am Mittwoch der Geschäftsführer Oliver Kaltenbach im SÜDKURIER-Gespräch klar. Wesentliches Element dafür soll eine sich über zwei Etagen erstreckende Geschäftshaus-Front aus Glas bilden. Dafür wiederum müsste der bisher dort verlaufende Arkadengang auf etwa 30 Metern zum Ladenraum werden. Einen entsprechenden Bauantrag hat die Familie Kaltenbach jetzt an die Stadtverwaltung gerichtet und davor schon die Sprecher der Gemeinderatsfraktionen von den Plänen unterrichtet. Nun mündet der Vorgang angesichts seiner Bedeutungs-Potenz am kommenden Dienstag in öffentlicher Gemeinderatssitzung in eine wohl spannende Debatte. Im Kern wird es um die Frage gehen, was mehr Gewicht haben müsse: Einerseits der Charme der Karlstraße als Bummel-Meile und die Fußgänger-Interessen auf den Arkadengang in ungekürzter Länge. Oder aber die geschäftlichen Zukunftspläne im ,,Haus der Mode“, die freilich auch im allgemeinen Interesse der Stadt liegen würden, weil sie den Einzelhandelsstandort Donaueschingen mit einem attraktiv(er)en Bekleidungshaus aufwerten. Wie oft immerhin hatte man sich in den vergangenen Jahren schon nach einem Magneten wie dem Schwenninger Haus Götz oder C&A gesehnt. Während der Vorsitzende des Gewerbevereins und CDU-Gemeinderat Johannes Fischer signalisierte, über das Baugesuch und die damit geplante Veränderung der Karlstraße noch keine abschließende Meinung gebildet zu haben, zeigte sich Oberbürgermeister Thorsten Frei zumindest skeptisch: „Ein sehr, sehr schwieriges Baugesuch.“ Immerhin, so Frei, müsse dazu ein Bebauungsplan geändert werden.

Zudem bestehe das Risiko, dass sich dann die weiteren 17 Eigentümer der sechs Anlieger-Immobilien an der Passage mit Erfolg auf den Präzedenzfall berufen könnten, ebenfalls die Erweiterung ihrer Läden anstreben - und damit die Passage am Ende ganz aufzehren. Damit gerät es zum politischen Thema mit besonderer Tragweite, wenn der Gemeinderat am kommenden Dienstag (ab 18 Uhr, Finanzamtsaal) abwägen soll zwischen den Kaltenbach'schen Visionen und deren Folgen für Donaueschingens Hauptgeschäftsstraße. Auch der Verlust von etwa elf Kurzzeit-Parkplätzen würde dazu gehören, wenn - wie es die Pläne vorsehen - das Haus der Mode dann bis an die vordere Hauskante reicht und davor die Arkaden-Route einen glas-überdachten Schwenk Richtung Straße machen würde, dort wo sich jetzt der Parkstreifen befindet.

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