Die Donaueschinger Gespräche zur Zeitgeschichte füllten gestern Abend den Rathaussaal
Auf großes Interesse stieß der Vortrag von Christoph von Marschall: Zur neunten Auflage der Donaueschinger Gespräche zur Zeitgeschichte besuchten weit mehr als 100 Zuhörer den Rathaussaal.
Als US-Korrespondent der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ arbeitet Christoph von Marschall im Weißen Haus. Der gebürtige Freiburger besitzt als einziger deutscher Journalist einen „White House Pass“, der ihm Zutritt zu Barack Obamas Amtssitz in Washington verschafft. Entsprechend spannend und ungewöhnlich waren die Einblicke, die von Marschall in seinem Vortrag schilderte. Zentrales Thema war dabei der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf. In seinem Selbstverständnis als „Kultur-Übersetzer“ erläuterte der Journalist, weshalb US-Präsident Barack Obama scheinbar von der ganzen Welt geliebt, in seinem eigenen Land aber sehr kritisch betrachtet wird.
„Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass die Welt von Donaueschingen aus betrachtet völlig anders aussieht, als von Washington oder New York“, so der Referent. Als Beispiel dieser unterschiedlichen Perspektiven führte er die Gesundheitsreform Obamas an. Während die meisten Deutschen eine Versicherungspflicht als Frage der sozialen Sicherheit werteten, stelle sie für viele Amerikaner einen unerwünschten Eingriff in die eigene Freiheit dar. „Die Sichtweise ist eine grundsätzliche andere“, resümierte von Marschall.
In Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk Freiburg der Konrad-Adenauer-Stiftung hat die Stadt Donaueschingen den Vortrag organisiert. Oberbürgermeister Thorsten Frei hatte die Gesprächsreihe vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Ziel sei es, so Frei, den Blick zu weiten für die großen Themen der Weltpolitik.
Dass dies auch gestern Abend wieder gelungen ist, zeigte die große Resonanz des Publikums: Nach dem einstündigen Vortrag nutzten viele Zuhörer das Angebot des Referenten, ihre Fragen an ihn loszuwerden. Und weil selbst nach 50 Minuten noch nicht alle beantwortet waren, stand Christoph von Marschall im Anschluss noch persönlich Rede und Antwort.