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30.08.2012  |  von Lisa Knöpfle  |  1 Kommentare

Donaueschingen Streuner-Lady ist nicht zu fassen

Donaueschingen -  Eine äußerst freiheitsliebende, gewitzte und offenbar sehr sympathische Hündin hält das Wohnviertel am Donaueschinger Stadtrand in Richtung Bräunlingen in Atem und hat dort schon einige Prominenz erlangt. Anwohner halten sie für eine reinrassige französische Bulldogg-Dame.

Das einzige bekannte Foto von Streunerin „Lady“ in der Nähe ihres Nests im Gebüsch am Stadtrand. Schwarz-braun gestromt ist sie, mit weißer Brust. Ansehen lässt sich die scheue Hündin aber nur von Weitem, einfangen bisher erst recht nicht.  Bild: privat

Hundefreund Bernd Weber schaut in die leere Lebendfalle. Die Streuner-Lady fällt nicht auf die Köder-Leckerbissen dicht bei ihrer „Wohnung“ herein.  Bild: Knöpfle

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Wie aus heiterem Himmel war sie vor etlichen Wochen einfach da, baute sich ein gemütliches Nest im Gebüsch – und blieb. Anwohner stellen immer wieder Futter hin, doch ganz aus der Nähe zu Gesicht bekommen haben das sehr scheue Tier, kaum wuchtiger als eine große Katze, bislang nur wenige. Tierheim und sogar eine Hundestaffel der Polizei versuchen vergeblich, die „Wildcamperin“ einzufangen. Denn alle zusammen befürchten sie: Kommt erst die kalte Zeit, könnte die Streuner-Lady in ernste Lebensgefahr geraten.
 

Woher sie kommt, weiß bisher niemand. Und viele wundern sich: Ein wertvolles Rassetier wird nirgends vermisst? Doch bei Stadt, Tierheim und Polizei liegen keine Meldungen vor. Anwohnerin Inge Späth schaut jeden Abend nach der braunen Bulldogge mit der weißen Brust und hat sie mittlerweile auf den Namen „Lady“ getauft.“ Wie der aus Schwenningen entlaufene und mittlerweile regional bekannte Hund „Willi“ macht auch die Lady keine Anstalten, auf Fangversuche von Bürgern, Polizei und Tierheim einzugehen.


Rund um den streunenden Hund
  • Fundsache: Wenn ein Hund herrenlos ist, muss zuerst die Polizei verständigt werden. Die informiert dann das Tierheim und damit wird der Vierbeiner zur Fundsache. Lady muss eingefangen werden, weil jeder Hund gesetzlich einen Halter braucht, und sie hat im Moment offensichtlich keinen.
  • Rasse: Die französische Bulldogge ist zur Zeit stark in Mode. Die Rasse kommt aus England. Sie entstand aus Kreuzungen der englischen Bulldogge mit Terriern und Möpsen. Sie wird bis zu 35 Zentimeter groß und 14 Kilogramm schwer. Das kurze, dichte Fell bietet im Winter nur wenig Schutz gegen Kälte. Sie hat in der Regel ein ausgeglichenes freundliches Wesen, ist verspielt und lebhaft. Bei Lady muss es also einen Grund geben, warum sie so große Angst vor Menschen hat.
  • Kosten: Wer französische Bulldoggen als Welpen vom Züchter kaufen will, muss zwischen 900 und 1300 Euro pro Tier einplanen. Der Preis ist aber nach oben offen. Tiere mit prämierten Eltern und besondere Zuchterfolge konnen auch über 2000 Euro liegen.
  • Hinweise: Wer den Hund kennt oder vermisst, kann sich unter 0771/1 58 98 97 beim Tierheim melden.
 

Nadine Vögel sieht den Winter nicht mal als stärkste Bedrohung für die Streunerin. „Die stark und schnell befahrene Bräunlinger Straße, die der Hund öfters überquert, ist viel gefährlicher.“

Ladys ausgedehnte Streifzüge führen sie bis in die Innenstadt, und auf dem Weg dorthin macht sie auch öfter mal einen Stopp bei den Berufsschulen, um nachzusehen, was sie Schüler von ihrem Pausenbrot übrig gelassen haben. Bisher wurde die kleine Hündin von vielen Anwohnern liebevoll mit Futter und Wasser versorgt. Nicht nur bei ihrem „Nest“ im Gebüsch sondern auch in den Straßen, die sie häufiger entlang läuft werden Schalen rausgestellt. Jeder kümmert und sorgt sich um die unnahbare Streunerin, auch ein Spielzeugball wurde für sie aufgehängt.

„Damit muss jetzt Schluss sein“ appellieren Tierheim und Stadt an die Tierfreunde. Das Tierheim hat eine Lebendfalle aufgestellt. Doch die funktioniert nur, wenn es an keiner anderen Stelle Futter gibt. Im Gebüsch verteilt, finden sich aber immer noch viele Futterschalen. Deshalb hat Lady gar keinen Anlass, sich fangen zu lassen. Bisher hat es nur zwei Katzen erwischt, die sich am Futter in der Falle gütlich taten und – schnapp – gefangen waren.

Einige Polizisten der Hundestaffel Villingen versuchten ebenfalls ihr Glück, wurden aber von dem dichten Gestrüpp, in das Lady sich zurückzog, abgehalten. Die Bulldogge hat dort sogar unterirdische Höhlen gegraben. Deshalb ist es auch nicht möglich, Lady zu betäuben. Das Mittel wirkt nämlich nicht sofort, und Lady hat genug Zeit, sich in einer ihrer Bauten zu verschanzen. Dort kommt man dann nicht mehr an sie heran.

Die Hündin weigert sich standhaft, Menschen an sich heranzulassen. „Man muss immer einen Abstand von etwa vier bis fünf Metern halten“, erzählt Anwohnerin Annemarie Dilger. Von ihrem Garten aus hat sie direkten Blick auf die Falle und Ladys „Nest“ und beaufsichtigt auch die Falle. „Morgens sieht man sie immer auf der Wiese, wie sie sich sonnt“. Wenn man ihr zu nahe kommt, läuft sie weg oder plustert sich auf und fängt an zu knurren. „Das ist aber nur Angeberei“, ist sich Inge Späth sicher. „Die Kleine ist völlig harmlos und total verängstigt, sie würde niemanden angreifen.“

Viel Besorgnis rankt sich um die Lady. Sobald sie eingefangen ist, wird man sehen, ob sie gechipt ist, und darüber hoffentlich klären können, wem sie gehört.

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