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Donaueschingen Schock nach Nazi-Aufmarsch

50 Rechte marschieren in der Walpurgisnacht durch die Stadt. Engagierte Bürger setzen mit einer spontanen Gegendemonstration am Sonntagnachmittag ein Zeichen gegen Fremdenhass und Demokratiefeindlichkeit.

Demonstranten gegen Rechts: Mit einer spontanen Kundgebung machen junge und ältere Bürger in Donaueschingen aufmerksam auf den Neonazi-Auftritt in der Nacht zum 1. Mai.
Demonstranten gegen Rechts: Mit einer spontanen Kundgebung machen junge und ältere Bürger in Donaueschingen aufmerksam auf den Neonazi-Auftritt in der Nacht zum 1. Mai. | Bild: Lübeck
Die Zeiger der Uhr standen genau auf Mitternacht, als die Anwohner der Donaueschinger Innenstadt von lauten Böllerschüssen und in den sternenklaren Himmel der Walpurgisnacht zischenden Feuerwerksraketen aufgeschreckt wurden. In der Karlstraße hatte sich derweil ein Trupp von rund 50 Fackelträgern formiert, die unter ihren gespenstischen weißen Masken fremdenfeindliche Hetzparolen brüllten und ein Transparent mit dem Inhalt „Damit jeder weiß, dass Du ein Deutscher warst“ mit sich führten.

Bevor die Polizei den unheimlichen Aufmarsch der Neo-Nazis der Gruppierung „Die Unsterblichen“ sprengen konnte, kam es vor einem bereits geschlossenen Kebab-Imbiss an der Lehenstraße zu einer Sachbeschädigung. Einige der Radikalen hatten hier ihre Fackeln gegen die gelbe Fassade geworfen. Zurück blieb ein Rußfleck. Die von ihnen gestohlene Werbetafel wurde am Morgen in der Schalterhalle der Sparkasse gefunden.

Nach Auskunft von Donaueschingens derzeitigem Polizeichef Ulf Feichinger ist momentan noch unklar, warum sich der braune Spuk ausgerechnet über die Donaustadt ergoss. Beim Anblick der von besorgten Anwohnern alarmierten Besatzungen zweier Streifenwagen ergriffen die Weißmasken zwar sofort die Flucht, doch konnten einige von ihnen gestellt werden. Obwohl sie jede Aussage verweigerten, konnten ihre Wohnorte in Karlsruhe und in der Schweiz ermittelt werden. Sie befinden sich weiterhin auf freiem Fuß, doch in die Ermittlungen wurde laut Ulf Feichinger inzwischen die Kriminalpolizei eingeschaltet.

Die angehende Hebamme Maike Hovingh verfolgte den Aufmarsch der braunen Horde von ihrem Wohnzimmerfenster an der Karlstaße. Sie war von dem Anblick der Rechtsradikalen so erschrocken, dass sie spontan beschloss, per Internet und mit vielen Telefonanrufen Freunde und „alle Demokraten“ zu einer Gegendemonstration zu mobilisieren.

Innerhalb weniger Stunden war es der couragierten 22-Jährigen gelungen, über 50 Mitstreiter zu mobilisieren, die gestern um 15 Uhr vom Rathaus zu einem kleinen Demonstrationszug durch die City starteten. Ihre hastig gemalten Transparente kündeten unter anderem von „Christen gegen Rechts“ oder „Keine Neonazis in Donaueschingen und anderswo.“

Die 18-jährige Abiturientin Amelie Maier ergriff die Gelegenheit, um in einer sympathischen kleinen Rede für das Mehrgenerationenhaus zu werben. Hier sollte es nach ihren Wünschen möglich sein, Gruppen mit Deutschen und ausländischen Mitbewohnern zu bilden, die beispielsweise über das gemeinsame Musizieren, Kochen oder Spielen zum gegenseitigen Verstehen und Akzeptieren kommen.

 

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