Donaueschingen OB-Wahl: Drei Kandidaten und kein klarer Favorit

OB-Kandidaten stellen sich den SÜDKURIER-Fragen. Alle drei versprechen kooperativen Führungsstil. Klotzbücher stößt Diskussion Donauhalle/Vereine neu an. Dreifaches Nein zu Fußgängerzone in der Karlstraße. Mit Video-Porträts der Kandidaten.

Es sind drei Männer, aber nur einer kann demnächst auf dem OB-Sessel Platz nehmen. Noch ist nichts entschieden, da erst kommenden Sonntag gewählt wird, aber positionieren in der Gunst der Wähler konnten sie sich am Sonntag beim SÜDKURIER-Wahltalk im Strawinsky-Saal der Donauhallen. Ein Favorit schälte sich dabei aber nicht heraus und keiner zeigte Schwächen.



Sichtlich groß war das Interesse des Donaueschinger Wählervolks, nach den vielen Einzelwahlkampfauftritten das Kandidatentrio mit Björn Klotzbücher, Ingenieur für Brauwesen und Getränketechnologie, den Rechtsanwalt Erik Pauly und Roland Wössner, den bisherigen Leiter der Polizeidirektion Villingen-Schwenningen, einmal im direkten Vergleich zu erleben, Unterschiede in Haltungen und Zielen herauszufinden.

Dies versuchten einerseits Redaktionsleiter Wolfgang Losert und Redakteurin Stephanie Jakober, aber auch die fünf Fraktionssprecher im Donaueschinger Gemeinderat in einer „Sondersitzung des Gemeinderats“ mit ihren Fragen herauszukitzeln. Allerdings ähnelten sich die drei in vielen Argumenten, verwiesen gar auf Aussagen ihrer „Kollegen“ im wechselnden Antwortreigen, dass sie dies so ähnlich machen würden. In der gebotenen Kürze der Antworten zeigten aber alle drei, dass sie sich in die Stadtpolitik in den vergangenen Wochen mittlerweile sehr gut eingearbeitet haben und schon viel mehr zu bieten haben als Allgemeinplätze und Binsenweisheiten, obschon diese beim breiten Spektrum der anstehenden Aufgaben in der Stadt natürlich nicht ganz auszuschließen waren.
 

 

Haltungen und Ziele der Kandidaten
  • Die Frage nach dem Führungsstil: Interessant ist natürlich, dass gleich alle drei Kandidaten fachfremd sind, sowohl in Kommunalpolitik als auch in der kommunalen Verwaltung. Alle drei wollen keine Politik von oben herab, sondern möglichst viel Bürgerbeteiligung in den Sachdiskussionen haben.

    Björn Klotzbücher bevorzugt einen kooperativen Führungsstil. Er will Bürger, Rat und auch seine Mitarbeiter von seinem Tun überzeugen, denn nur wenn man von etwas überzeugt sei, trage der Einzelne dies auch mit.

    Erik Pauly will in der Stadt nicht als jener dastehen, der sagt, wo es langzugehen hat. Erst Zuhören sei seine Devise und deshalb bringe er nach der Phase des Zuhörens auch erst in dieser Woche sein Wahlprogramm heraus. Vorschnelle Entscheidungen seien nicht seine Sache. Er sieht sich vielmehr als Ideengeber und wünscht sich eine kooperative Zusammenarbeit.

    Roland Wössner schert da nicht aus der Reihe. Selbst in der hierarchisch aufgebauten Polizei habe er als Direktionsleiter stets auf die Zusammenarbeit gesetzt. Er sieht sich als Seismograf der Stadt, um zu registrieren, wo den Bürger der Schuh drückt, und als Vorlagengeber für den Rat.
  • Was wird aus dem Kasernenareal? Diese Frage beschäftigt seit Oktober die Gemüter und natürlich die Kandidaten.

    Erik Pauly sieht diesen Umbau als große Zukunftsaufgabe der Stadt. Drei volle Amtsperioden könne er hierfür investieren. Ein Argumentspfeil, den er auf den Bewerberkollegen Wössner schoss, dem lediglich sieben Gestaltungsjahre bis zum Erreichen des gesetzlichen OB-Ausstiegsjahres 68 bleiben würden. Pauly wünscht sich hier im Hinblick auf Wohnbebauung Null-Energie-Häuser. Und er lehnte sich in dieser Frage zudem am weitesten aus dem Fenster: Eine Duale Hochschule als Facharbeiter-Brutstätte für die heimische Wirtschaft würde er gerne auf diesem Areal sehen. Angesichts der Hochschulstandorte in unmittelbarer Städtenachbarschaft ein kühnes Unterfangen. Vor allem müsse die Stadt über den Grunderwerb das Heft des Handelns in die Hand nehmen und das Areal nicht nur mit neuem Wohnraum überschwemmen lassen, was den Wohnungsmarkt auch finanziell aus dem Gleichgewicht bringen würde.

    Roland Wössner ist die Balance auf dem Wohnungsmarkt ebenfalls sehr wichtig und schlägt hierfür als Kontrollorgan eine Abwicklungsgesellschaft vor. Zuerst gelte es aber gute Preise beim Grundstückserwerb zu erzielen. Schädliche Brachen sollten bei der Entwicklung des Areals vermieden werden. Er sieht auf der 15 Hektar großen Fläche viel Raum für sozialen und auch altersgerechten Wohnraum, Gewerbe und Freizeitgestaltung und auch Betriebe als Partner der Abwicklung: Sie könnten hier Wohnungen erwerben, um diese im Hinblick auf Fachkräftewerbung ihren neuen Leuten anbieten zu können. Auch das Land sei hier über Fördermittel gefragt.

    Björn Klotzbücher will in der Konversionsfrage die Ausweisung anderer Baugebiete eingrenzen. Zu viel neuer Wohnraum sorge für fallende Miet- und Objektpreise, was ohnehin nicht ganz zu verhindern sei. Die Stadt müsse an sich als Wirtschaftsstandort für die vorhandenen Betriebe attraktiv bleiben und auch neue Wirtschaftsbetriebe ansiedeln. Nur dann könne eine Wohnraumnachfrage generiert werden.
  • Attraktive Innenstadt: Daran wird derzeit heftig gebaut, offene Fragen wie zur Verkehrsentlastung oder attraktiven Einkaufsangeboten bestehen.

    Roland Wössner sieht, wie die anderen Kandidaten, kaum Chancen auf eine funktionierende Fußgängerzone. Die Karlstraße sollte weiter verkehrsberuhigt werden, aber mit dem Auto erreichbar bleiben und so einen gewissen Fußgängerzonen-Charakter erhalten. Die Max-Egon-Straße sollte durch einen Umbau ähnlichen Charakter wie die Karl- und Josefstraße erhalten, allein schon um eine attraktive Verbindung vom neuen Einkaufszentrum am Bahnhof in die Innenstadt zu erhalten.

    Björn Klotzbücher kennt die Parkdiskussion schon aus seinen Jugendtagen. Diese Problematik müsse mit Angeboten rund um die Karlstraße vorrangig geklärt werden. Erst dann müsse mehr Verweilattraktivität in der Karlstraße geschaffen werden, unter anderem über Ansiedlung von Läden, die es schon am Stadtrand gebe, man aber gerne in der Innenstadt hätte.

    Erik Pauly hält eine Fußgängerzone auch für den falschen Weg. Der öffentliche Busverkehr müsse zur Autoalternative werden. Ein kostenloser Elektro-City-Bus könnte die Einkäufer zu zentrumsnahen Parkplätzen hinterm Rathaus oder Bahnhof bringen. Die Verweilzonen müssten ausgebaut und attraktiver werden: „Hier muss einiges passieren.“
  • Wirtschaft: Hier ist die Stadt mit einer Vielzahl mittelständischer Betriebe aktuell gut aufgestellt. Die Konversion verlangt aber auch Handeln.

    Björn Kotzbücher sieht die Stadt hier schon sehr gut positioniert. Bei Ansiedlungswünschen von Firmen sollte die Stadt gut vorbereitet sein und entsprechende Gelände anbieten können. Mit einem guten Kindergarten- und Schulangebot müsse man den Menschen deutlich machen können, dass es für sie Sinn mache, nach Donaueschingen zu ziehen. „Wir sind mit Schulen extrem gut aufgestellt.“

    Roland Wössner will im Amt die Wirtschaftskraft der Stadt erhalten. Grundlage sei die hervorragende Bildungslandschaft in der Stadt. Die Konversion biete die Möglichkeit, die Wirtschaftskraft weiter zu steigern. Ansiedlungsfläche müsse man zudem bereitstellen.

    Erik Pauly will bestehende Betriebe intensiv betreuen, am besten mit einem Service-Team des Rathauses, um Probleme schnell zu beheben. Neue Firmen könne man nur durch eine gute Infrastruktur anlocken und parallel müssen man für die herziehenden Familien ein gutes Betreuungs- und Bildungsangebot bereitstellen.
  • Stadtteile: Sie haben mit ausblutenden Dorfkernen und wegbrechenden Infrastrukturangeboten zu kämpfen. Wo legen die Kandidaten die Schmerzgrenze für die Schließung von Kindergärten und Schulen an.

    Erik Pauly sieht die Finanzen nicht als alleiniges Argument für den Erhalt dieser Einrichtungen. Nur mit diesen Angeboten bleibe man attraktiv für junge Familien. Man dürfe aber nicht nur auf den Erhalt achten, sondern müsse dem Wandel aktiv begegnen, also beispielsweise helfen, geschlossene Wirtshäuser zu revitalisieren, zur Not per Genossenschaftsmodell.

    Roland Wössner will die Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten unbedingt halten, um auch zur Kernstadt eine gesunde Balance zu gewähren. Sollten einmal zu wenig Kinder da sein, müsse man das aushalten, Schwankungen habe es immer schon gegeben.

    Björn Klotzbücher hält an den Kindergärten fest. Man müsse aber für junge Familien in den Dörfern attraktiv bleiben, beispielsweise über eine Förderung beim Bezug von leeren Häusern im Dorfkern. Dann seien auf Dauer auch genügend Kinder da für eine Dorfschule, für die eine Stadt keine Garantie aussprechen könne, da rede das Land leider mit.
  • Donauhalle und Vereine: Ein altes Thema wurde von Björn Klotzbücher neu aufgeflammt: „Die Vereine müssen wieder in die Donauhalle und die Chance erhalten, hier selbst wieder etwas zu verdienen.“

    Erik Pauly bremst hier und will die recht gut geregelte Vereinsförderung nicht durcheinanderbringen.

    Roland Wössner sieht die schwierige Sache auch ganz gut über eine Mietpreisstaffelung für Vereine geregelt. Außerdem müsse man erst einen Caterer haben, „der da mitmacht“.

Die Donaueschinger OB-Wahl Kandidaten im Video-Porträt






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