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19.12.2002  |  0 Kommentare

Donaueschingen "Lazarett": Am Ende doch Enttäuschung

Donaueschingen -  Als Musterbeispiel für die geglückte Verwandlung einer mächtigen Problem-Immobilie zu einem modernen Wohnquartier mit Charme hat das Donaueschinger Militärlazarett am Buchberg bis zur letzten Realisierungsetappe 1999 gegolten. Doch dann kam der Klima-Wandel zwischen Bauherrengemeinschaft und Bauträger. Heute fault die Erfolgsstory in einem Gerichtsstreit und droht den Eigentümern ein sechsstelliger Schaden.


Donaueschingen - Es war wohl das mutigste Wohnungsbau-Vorhaben der Donaueschinger Nachkriegsgeschichte, als sich 1996 endlich ein Investor an die mächtige Ladenhüter-Immobilie "Lazarett" wagte: Die Firma BL-Immobilien im württembergischen Balingen erwarb das 34000 Quadratmeter große Militär-Areal, das einst der deutschen Wehrmacht und nach Kriegsende der französischen und amerikanischen Armee als Krankenhaus gedient und zuletzt als Sammelquartier Asylbewerber beherbergt hatte. Binnen zwei Jahren mutierte das 1938 errichtete Baudenkmal, dessen Grundriss ein Flugzeug abbildet, zum Wohnquartier für etwa 270 Menschen, wurde zur Adresse auch für Kleingewerbe und beherbergte einen bunten und damit reizvollen Bewohner-Mix.

Guter Start

Und alles schien gut zu werden: Der Absatz der Eigentumswohnungen florierte, Mietwohnungen in dieser steinernen "Krone" auf dem Buchberg-Gipfel waren begehrt, beachtliche Steuervorteile winkten und die Wohngemeinschaft hoffte auf den schon erfreulich nahe gerückten Tag, an dem endlich der Schlussstrich unter die lästigen Baustellen-Aktivitäten gezogen werden konnte.

Doch dann ging die Rechnung von der komplett erfolgreich abgewickelten Umwandlung eines sperrigen Großprojekts zur versprochenen Wohnanlage mit dem Charme einer idyllischen Lage am Ende doch nicht auf. In einem bedeutsamen, weil direkt auf die Qualität der 65 Wohnungen wirkenden Punkt der Sanierung kam es zu Differenzen zwischen dem Balinger Immobilien-Unternehmen und der Bauherren-Gemeinschaft: Die zahlreichen Holzfenster waren nicht wie versprochen funktional saniert und in ihren Dämm- und Isolier-Eigenschaften dem aktuellen Neubau-Standard angeglichen worden, sondern lediglich kosmetisch behandelt.

Fenster als Problem

Mehrere Gutachten belegten dann die tatsächlich entstandene Diskrepanz zwischen der Bauausführung und der mit der Kaufsumme bezahlten Qualität. Etwa 270000 Euro würde die entsprechende Nachbesserung der großen Zahl von Fenstern in dem Bauwerk kosten, stellten Fachleute schließlich fest. Mittlerweile ist sogar ein gerichtliches Urteil ergangen. Danach entspricht die Ausführung der Fenster-Sanierung tatsächlich nicht dem vertraglich vereinbarten und für den Kaufpreis zugrunde gelegten Standard.

Aber Zuversicht und Hoffnung löst dieses Urteil einer württembergischen Zivilkammer bei der Eigentümer- und Bauherrengemeinschaft keineswegs aus - ganz im Gegenteil! Angesichts der juristisch reifen Chance, die Vertragspartner bei der Balinger Immobilien-Firma in Regress nehmen zu können, erwartet man dort einen fatalen Griff zur Reißleine aus der Verantwortung. Inzwischen ist den Bauherren nämlich klar geworden, dass der Bauträger schon mit einer zweckdientlichen Vertrags-Konstruktionen vor dem Baubeginn das "Gegengift" gegen solche späteren Regressansprüche gespritzt hatte. Während die Käufer ihre Wohnungen damals von der BL-Immobilien GmbH erwarben, übernahm eine zweite Firma, die Domo-Baubetreuungs GmbH, als rechtlich völlig eigenständig agierender Generalunternehmer die vereinbarte Sanierung des Projekts. Doch die Absicht, für die Sanierung der undichten und schadhaften Fenster aufzukommen, hat die von einem Geschäftsführer der BL-Immobilien geführten Firma nicht erkennen lassen. Dafür befürchten nun die Bauherren angesichts "zumindest irritierender Signale", der erwogene Regressanspruch in sechsstelliger Höhe könnte gar die Insolvenz für die Domo-GmbH zur Folge haben - als kleineres Übel.

Unvollendete Baustelle

Bitter wäre dieser damit verbundene Ausfall der unmittelbaren Haftung für die Lazarett-Bauherren in mehrfacher Hinsicht. Einmal müssten sie dann von der ausführenden Fensterbaufirma direkt die Nachbesserung verlangen, zu der sie aber gar keine vertragliche Verbindung haben. Und zweitens wäre auch endgültig die Hoffnung zerstört, die Domo-GmbH würde das Lazarett-Projekt endlich ganz fertig stellen. Denn neben der unterlassenen Fenster-Sanierung hat die Firma auch das vereinbarte "Finish" in anderen Bereichen nicht mehr ausgeführt, hat die vereinbarte Errichtung von Carports, den Anbau von Balkonen und die gärtnerische Gestaltung der Außenanlagen unterlassen. Und so änderte sich die Rückblick-Perspektive auf das einstige Musterprojekt Lazarett nun Jahre später doch noch um einen schrillen Nachklang, dessen letztes Echo wohl noch aussteht.

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