Donaueschingen Imker-Angst vor Gentechnik
Über 1000 Besucher verfolgten am Wochenende den Kongress der Imker in der Donauhalle. Bilder: Rainer Schäfer
Starker Andrang herrschte am Samstag und Sonntag bei der deutschen Imker-Fachmesse.
Donaueschingen (rsf) Drei Tage lang gab es im Hotel Carlton und in der Donauhalle zahlreiche Workshops, Vorträge und Foren. Das Programm am Sonntag begann mit Grußworten, unter anderem vom Bundestagsabgeordneten Siegfried Kauder und dem Hausherrn OB Thorsten Frei. Das Donaueschinger Stadtoberhaupt bekräftigte die 70 000 Imker in Deutschland „in ihrem Kampf um Aufmerksamkeit und öffentlicher Wahrnehmung“. Neben der Honigproduktion würden die Bienenvölker in Deutschland durch ihre Bestäubungstätigkeit einen Nutzen in Höhe von über zwei Milliarden Euro generieren, erklärte Frei in seiner Ansprache.
Im Mittelpunkt der Fachdiskussionen standen die Existenz- und Zukunftsängste der Imker durch Pflanzenschutzmittel und Gentechnik. 2008 hatte es am Oberrhein ein Massensterben von Bienen aufgrund von Saatgutbeizmittel gegeben. Inzwischen wurde das Mittel, das die Maispflanze gegen den Maiswurzelbohrer schützen sollte, verboten. Es seien aber immer noch Pflanzenschutzmittel im Einsatz wie Imidacloprid, das in seiner Toxizität 7800 mal giftiger sei als früher das weit verbreitete und inzwischen verbotene Mittel DDT, berichtete der Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imkerbunds (DBIB).
Der Höhepunkt des Kongresses am Sonntag in der vollbesetzten Donauhalle war die Verleihung des „Goldenen Stachels“. Der DBIB zeichnet mit diesem Preis Personen aus, die sich in besonderem Maße für die Interessen der Imkerschaft eingesetzt haben. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Michael Grolm aus der Gegend von Weimar. Er wurde deutschlandweit bekannt als „Feldbefreier“, der auf Gentechnik-Maisfelder Pflanzen ausreißt und sich dabei auf das Rechtsprinzip des „rechtfertigenden Not stands“ (§34 StGB) beruft. Dafür nahm er sogar eine Haftstrafe wegen Sachbeschädigung in Kauf. Grolm rief seine Imkerkollegen zu mehr Zivilcourage im Kampf gegen die Gentechnik auf. Daraufhin nahm Siegfried Kauder das Wort und ermahnte die Imker zur Besonnenheit. Er lud die Verantwortlichen nach Berlin zu einem sachlichen Gespräch ein und bekam dafür von der Versammlung Applaus.
Am Samstag und Sonntag fand noch auf der „Baustelle“ in Halle B die größte deutsche Imkerfachmesse statt. Hier gab es alles für den Bienenzüchter, angefangen von Fachliteratur, über Futtermittel bis zum Wabenkasten und von der Imkerpfeife bis zur High-Tech-Honigschleuder. Trotz der Existenz- und Zukunftssorgen der Imkerschaft war die Nachfrage an beiden Ausstellungstagen ausgesprochen lebhaft, so dass sich die Aussteller über das Geschäft sehr zufrieden äußerten.
