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Donaueschingen Im Fahrrad-Sattel bis nach China

26.03.2004
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Rund 20000 Kilometer mit dem Fahrrad, von Südengland nach Shanghai - mit Zwischenstopp in Donaueschingen. Der Ausnahmeradler Edward Genochio aus dem englischen Devon machte auf seiner Mammuttour Station in Donaueschingen, warf einen Blick aufs Schloss, die Donauquelle und die Stadtkirche und schwang sich gestern Morgen wieder auf den Sattel seines vollbehangenen Fahrrads Richtung Donauradwanderweg. Denn vor ihm liegen noch mehrere tausend Kilometer, bis Oktober will er in Asien sein.

In 200 Tagen um die halbe Welt, ein Abenteuer, von dem der sympathische Inselbewohner schon seit zehn Jahren träumt, ist jetzt Wirklichkeit geworden. Vor acht Jahren fuhr er mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland bis nach China. Doch das ging ihm viel zu schnell. Wollte er doch Land und Leute kennen lernen, etwas erleben und nicht nur mit dem Zug vorbeirauschen.

Seit dem 6. März radelt der 26-Jährige nun täglich über hundert Kilometer seinem Ziel entgegen: Kurz nach acht frühstückt er eine Kleinigkeit, holt sich Brötchen in der Bäckerei und los gehts. Mittags kurzer Stop beim Kebap-Stand und wieder in die Pedale treten. "Meistens lasse ich es so gegen 18 Uhr gut sein, schlage mein Zelt auf und wenn sich irgendwo eine Gelegenheit ergibt, stelle ich noch ein paar Infos auf meine Internetseite", beschreibt Edward Genochio seinen Tagesablauf.

Die 200-Tage-Tour dokumentiert er im Internet, war er doch in England als freiberuflicher Webdesigner tätig. Geplant hat der die Tournee über acht Monate lang: Finanzierung, Strecke, Notfälle, Versorgung, Kontakt - alles musste sorgfältig durchdacht sein. Denn die schwierigsten Tage stehen ihm noch bevor. "Wenn es in die Mongolei geht, ist mir schon etwas mulmig, denn dort werde ich sicherlich tagelang auf niemanden treffen", verriet der Brite. Nicht nur zahlreiche Essens- und Trinkvorräte müssen auf dem Fahrrad dann verstaut werden. In der menschenleeren Prärie, bei Temperaturen von 40 Grad, darf es keine Zwischenfälle oder technischen Pannen geben.

Doch seine größte Angst ist längst nicht ein defektes Vorderrad, sondern vielmehr die innere Leere, wenn er sein Ziel erreicht hat. "Wenn ich in Shanghai bin, will ich dort erst mal sechs Monate bleiben und mir eine Arbeit suchen, ich spreche ein bisschen chinesisch, vielleicht kann ich dort Englisch unterrichten. Was aber, wenn es kein Ziel mehr für mich gibt, vielleicht falle ich dann in ein Loch?", sinniert der Extremabenteurer.

Doch weitere Gedanken will er nicht daran verschwenden, nur an morgen denken, seine Philosophie leben, neue Erfahrungen machen und Menschen kennen lernen. Doch der Alltag hat nicht Bilderbuchformat. Zehn Euro beträgt sein tägliches Budget, übernachtet wird im Zelt, auch bei Minusgraden wie vergangene Nacht. Dusch- oder Waschgelegenheiten bieten sich nur selten und da gibt es eben abends auch die einsamen Momente, wo er sich nach seiner Freundin und der Familie sehnt. Morgen will der smarte Brite nach Tuttlingen und dann Regensburg anpeilen, in einigen Wochen das Schwarze Meer vor Augen haben. "Die Donau ist meine Orientierung und natürlich war es für mich spannend, in der Stadt zu sein, wo mein Reiseführer für die nächsten Wochen seinen Ausgangspunkt hat", erklärte der Hobbyradler, der zurvor nie mehr als zehn Kilometer täglich zurückgelegt hat.

Ob er mit dem Fahrrad wieder von China heimradelt, lässt er offen, geplant ist zumindest eine andere Route über den Iran und die Türkei. Doch bis dahin dauert es noch über ein Jahr, und bis dahin heißt es immer dahin radeln, wo die Sonne aufgeht. Dorle Schwarz

Infos unter www.2wheels.org.uk

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