Donaueschingen Donaueschinger Regionale: Alltagsmaterialien werden zur Kunst

Die achte Regionale zeigt 46 äußerst unterschiedliche Kunstwerke. Die Tübingerin Ava Smitmans wird mit dem Jurypreis ausgezeichnet.

Ein Hinterhof in Horb, ein Parkplatz in Böblingen und ein leerstehendes Geschäft in Albstadt. Es ist das Alltägliche, das wir oft gar nicht mehr wahrnehmen, das die Tübinger Künstlerin Ava Smitmans mit Zeichnungen und Malerei zur Kunst verwandelt. Ihre Mission: Orte festhalten, bevor sie verschwinden und Facetten der Stadt zeigen, die sonst übersehen werden. Der Lohn für ihre Arbeit: Ava Smitmans erhält für ihre Werke den Jurypreis der diesjährigen Regionale.

Die Preisträgerin und ihre Werke: Ava Smitmans erhält den Jurypreis.
Die Preisträgerin und ihre Werke: Ava Smitmans erhält den Jurypreis. | Bild: Roland Sigwart

Als sie mit ihrem Schaffen in Hamburg begonnen hat, war die Stadt im Wandel. Vieles, was sie malte, wurde kurze Zeit später abgerissen. "Ich habe mich dann damit bewusst auseinandergesetzt", erklärt die Künstlerin, die sich über den Regionale-Preis freut: "Das zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin." Denn so einen richtigen Preis hatte sie bislang noch nicht gewonnen – nur einmal einen kleinen in Hamburg. Ihre Werke sind übrigens zum ersten Mal bei der Donaueschinger Regionale zu sehen.

Damit gerechnet hat sie nicht, der Beweis war ihr ungläubiges Staunen, als Anne Schaich, Tuttlinger Kunsthistorikerin und Mitglied der Jury, den Namen der Preisträgerin verkündet. "Kunst kann und darf zum Glück alles, außer uns zu langweilen. Und langweilen, das tut eine Ava Smitmans am wenigsten, wenn sie die Realität abbildet", sagt Schaich. Ihre Kunst offenbare viele Bezüge in der Kunstgeschichte. "Aber all diese großen Linien zeigen nur: Der Gegenstand ist noch lange nicht verschwunden. Darstellende Malerei und Zeichnung, aber auch Fotografie verleiten uns zu einem neuen Blick auf Altbekanntes und lassen uns wunderbare Dinge entdecken", so Schaich. "Damit bereichert Ava Smitmans die Kunst aus der Geschichte in die Zukunft hinein – und diese Regionale um eine große Preisträgerin."

Neben Smitmans zeigen noch weitere 39 Künstler ihre Werke. Oft werden Alltagsmaterialien verwendet, wie beispielsweise Baustahl, menschliche Haare oder auch Holz, Pappkartons und Plastikplanen. Oder Zucker. Quer im Bartók-Saal sind die unterschiedlichsten Werke zu sehen. Gemeinsam haben sie eines: Sie sind von Künstlern aus der Region – wie einst der Initiator der Regionale – Bernhard Everke – es im Sinn hatte. "Es war die damalige Idee, dass es nicht nur die Kunstzentren wie Freiburg oder Konstanz geben sollte", blickte OB Erik Pauly auf das Anliegen seines Vor-Vorgängers zurück. Und so wird Donaueschingen seit 2003 alle zwei Jahre zum Leuchtturm der regionalen Kunstszene. Dafür sprechen schon allein 164 Künstler, die knapp 600 Werke eingereicht haben.

Aus Haaren wird Kunst: Die Filzobjekte wurden aus menschlichem Haar gefertigt.
Aus Haaren wird Kunst: Die Filzobjekte wurden aus menschlichem Haar gefertigt. | Bild: Roland Sigwart

Neu ist in diesem Jahr die Ausstellung auf der Empore. Dort zeigen Studenten der Kunstakademie Stuttgart ihre Werke. Und was die Malereiklasse von Holger Bund geschaffen hat, kann sich durchaus sehen lassen. "Meine Studenten sind für mich Helden", sagt der Professor. Und das nicht nur, weil sie den Weg in die Kunst gewählt haben, ohne zu wissen, ob sie davon leben können, sondern auch auf die Art und Weise wie sie sich mit den Themen auseinandersetzen würden.

Die Ausstellung

Die Werke der Donaueschinger Regionale sind noch bis zum Sonntag, 2. Juli, im Bartók-Saal der Donauhallen zu sehen. Werktags ist die Ausstellung von 14 bis 18 Uhr geöffnet und samstags und sonntags von 11 Uhr bis 18 Uhr. An folgenden Terminen führt Ursula Köhler durch die Ausstellung: Sonntag, 16. Juni, 11.15 Uhr; Freitag, 23. Juni, 19 Uhr und Dienstag, 27. Juni, 19 Uhr. Die Finisage ist am Sonntag, 2. Juli, um 18 Uhr. (jak)

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