Donaueschingen Donaueschingen: OB-Kandidaten im Fragen-Hagel

In den Antworten der Bewerber zeichnete sich vor den tausend Gästen in den Donauhallen kaum große Unterschiede ab. Aber Raunen und Buh-Rufe, Beifall und sogar einen „dramaturgischen Gipfel“ gab es trotzdem.

Eine Erkenntnis vor allem haben die gut tausend Besucher im Mozartsaal den Donauhallen gestern Abend aus der „offiziellen“, von der Stadtverwaltung organisierten Vorstellung der OB-Kandidaten mit nach Hause genommen: Ein wirklich variantenreiches und damit „konkurrierendes“ Programm haben Björn Klotzbücher, Erik Pauly und Roland Wössner nicht im Angebot.

Der eine Stunde lang dauernde Kanon von schließlich 13 Fragen aus der Bürgerschaft hat dies dokumentiert, so dass die drei Bewerber mit so unterschiedlicher bisheriger Vita sich vielfach ausdrücklich auf die Konkurrenten um das Rathausamt beriefen, deren Thesen assistierten und sie konkretisierten.

 


So wurde – wie auch alle anderen Veranstaltungen dieses Wahlkampfes – auch diese vermeintlich letzte große Bühne eher zum Abgleich der Wahrscheinlichkeiten, ob denn nun eben der 35-jährige promovierte Ingenieur Björn Klotzbücher, der 43-jährige Rechtsanwalt Erik Pauly oder aber der 61-jährige Polizeidirektor Roland Wössner die persönlichen Qualitäten bieten, das unisono skizzierte Tableau der Visionen auch tatsächlich zu realisieren.

 

Buh-Rufe für die erste Frage

Nach der Ouvertüre der 15-minütigen Einzelvorstellungen – wir berichten ausführlich auf der nächsten Seite – der Bürgerstimmen-Check: Und gleich ein „Eisbrecher“ auf vermeintlich falschem Kurs, der im Publikum Buh-Rufe auslöste: „Wie wäre es denn“, so hob ein Villinger Gemeinderat und Mitglied des Regionalverbandes an, wenn man den Landräten im Raum Sigmaringen nach dem Wegzug der französischen Soldaten gleich noch das restliche Jägerbataillon anböte, um noch mehr Entwicklungschancen zu eröffnen.



Klar, dass Klotzbücher, Pauly und Wössner unisono „gar nichts davon“ hielten, dafür eher eine Bestandsgarantie anstrebten. Eine andere Bedrohung witterte der FH-Dozent Franz Aßbeck, sah das Donaueschinger Kreisklinikum angesichts des Sanierungsstaus „leise“ bedroht. Und auch hier zeigten sich Erik Pauly, Björn Kotzbücher und Roland Wössner als verwandte Optimisten. Weil, wie der Arztsohn Klotzbücher argumentierte, der ganze südliche Landkreis die Klinik brauche.Eine Bürgerin aus Pfohren stellte die erste Führungsstil-Frage: an Roland Wössner nur, der die Mutmaßung zurückwies, er könnte sich als OB nicht aus autoritärem Arbeitsstil häuten.

Die von ihm praktizierte moderne, „kooperative Leitung“ der Polizeidirektion aber sei nichts anderes als die einer Stadtverwaltung, gab er zu verstehen.Beifall dann nicht erst wie sonst in durchweg eingeebneten Portionen für die Kandidaten, sondern für die Fragestellerin, die sich als „Erstwählerin“ vorstellte. Nach dem Konzept für die Jugendarbeit fragte sie. Und erhielt von Wössner und Pauly die Standard-Antworten eines latenten Dialogs mit Jugend und Senioren. Klotzbücher indes demonstierte Ehrlichkeit: „Das Jugendhaus in der Stadtmühle“ müsse er sich erst noch genauer anschauen.

Die Donaueschinger OB-Wahl Kandidaten im Video-Porträt









Breiteren Raum nahmen Fragen nach einem optimierten Verkehreskonzept ein. Breit und sehr ausdrücklich war auch die Antwort des Trios auf die Frage des „alten Eschingers“ Hans Kech nach der Haltung zu einer Fußgängerzone: Björn Klotzbücher will sie nicht, dafür vor allem Verkehrsableitung und ein Parkraumkonzept. Erik Pauly sah die Gefahr, eine Fußgängerzone würde die City veröden, der auch Roland Wössner beipflichtete.

Und als später ein Fragesteller empfahl, doch die Hermann-Fischer-Allee und den Hindenburgring ausdrücklicher für raschen Durchgangsverkehr zu ertüchtigen, verwies Roland Wössner auf die dortigen Bewohner. Und Björn Klotzbücher sah die Priorität am kreuzungsfreien Allmendshofener Zubringer.Immer bunter und auch individueller wurden die nachgefragten Anliegen.

Was die Kandidaten für mehr „Hierbleib-Kultur“ der Arbeitskräfte und damit zur Wirtschaftsförderung tun würden, wollte eine Jungunternehmerin wissen. Wie sie sich zum Thema Fluglärm stellten, suchte ein Kritiker der aktuellen Resignation nach Aufschluss. Wie die Stadt sich um die Integration der hundert Asylbewerber im Sternensaal kümmen sollte, bat Gemeinderätin Claudia Weishaar um Antwort.

Und immer waren sich die drei Kandidaten einig in der Einschätzung, wonach dies wirklich ein berechtigtes Gruppeninteresse sei, für das sie sich verwenden würden.Wirklich würzig wurde die Fragestunde nach 21 Uhr nur einmal, als der FDP-Gemeinderat und Autohaus-Inhaber Roland Erndle ans Mikrofon trat.

Und den Kandidaten Erik Pauly nach dessen erklärten Visionen für ein Kino, eine Duale Hochschule, eine Musical-Halle und einen „möglichst kostenlosen“ Elektro-Bus danach fragte, ober er denn „eine ungeahnte Einnahmequelle wisse, die wir nicht kennen“.

Mehr zum Wahlkampf

. . . heute auf der nächsten Seite, in unserem jetzt beendeten Wahl-Forum des SÜDKURIER auf Seite 25, im Internet-Dossier www.suedkurier.de/obwahlds und in der umfangreichen Bildergalerie vom gestrigen Abend in den Donauhallen. (los)

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