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Donaueschingen Die Orgeln von St. Johann

Die so genannte "Mönch-Orgel" in der Stadtkirche St. Johann wurde 1963 gebaut und aufgestellt. Sie stammt von der Überlinger Orgelbauwerkstätte Mönch und ist die fünfte bekannte Orgel der Stadtkirche. | Bild: Foto-Fischer

Die Stadtkirche St. Johann hat im Laufe der letzten Jahrzehnte sehr umfangreiche und gründliche Sanierungs- und Renovierungsarbeiten erfahren. In den Jahren 1952/53 wurden die Außenwände und Türme mit einem neuen Putz versehen und in Gelb und Weiß gestrichen. Eine umfassende Innenrenovierung mit neuem Putz und Farbe und die Restaurierung der Altäre, der Kanzel und sämtlicher Bildwerke erfolgte 1960/61. Als krönender Abschluss im wahrsten Sinn des Wortes kam 1986/87 noch eine umfassende Sanierung des Dachstuhls mit Neueindeckung des Daches hinzu. Höhepunkt all dieser Erneuerungsarbeiten war im Jahre 1963 noch der Einbau einer neuen Orgel. Dies war längst fällig und gewünscht.

Es handelte sich um die heute noch auf der Empore vorhandene sogenannte "Mönch-Orgel", eine große dreimanualige Orgel mit 41 Registern, die aus der Orgelbauwerkstätte Mönch in Überlingen stammte und 1963 noch geweiht werden konnte. Sie hat zirka 2800 Pfeifen und wurde 1976 letztmals gründlich gereinigt und renoviert. Für eine nochmalige totale Überholung ist der Kostenaufwand zu groß.

Da im Zuge der derzeit laufenden Innen-Total-Renovierung auch an eine neue Orgel gedacht wird - sofern die erforderlichen Gelder aufgebracht werden können -, ist der Anlass gegeben, einmal einen Rückblick zu geben, was von den Vorgängerinnen dieser Orgel noch alles in Erfahrung zu bringen ist.

Älteste Orgel: 1581

Die älteste Orgel, von der wir eine Nachricht haben, ist im Jahre 1581 in die alte kleine Kirche eingebaut worden. Sie stammte von dem Breisacher Orgelbauer Chrysostomus, bei dem sie Graf Heinrich von Fürstenberg (1536 bis 1596) bestellte und auf dessen Kosten sie auch angefertigt und eingebaut wurde. Als Enkel des Grafen Wolfgang (1465 bis 1509), der im Jahre 1488 die Herrschaft Donaueschingen von Frau Barbara von Habsberg kaufte, war Graf Heinrich die dritte Generation der Baaremer Linie der Grafen von Fürstenberg, die ihren Sitz in Donaueschingen hatte.

Die ersten Klagen über diese neue Orgel wurden bereits 1587 laut, so dass sie öfters repariert werden musste. Eine größere Reparatur war 1662 fällig geworden. Ob diese Orgel ein Meisterstück des Meisters Chrysostomus war?

Schon 1689 hatte man versucht, in dem alten kleinen Gotteshaus mehr Platz für die wachsende Kirchengemeinde zu schaffen, indem man die Empore vergrößerte. Durch die Eingliederung der Bewohner von Allmendshofen in die Stadtkirche (bis zu diesem Zeitpunkt gehörte Allmendshofen kirchlich zur Pfarrei Bräunlingen), reichte auch der gewonnene Platz nicht mehr aus und der Wunsch nach einer neuen größeren Kirche wurde immer stärker. Hinzu kam nun im Jahre 1723 noch die Übersiedlung des Fürsten Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg (1699 bis 1762) mit seinem Beamtenstab von Stühlingen nach Donaueschingen und dem damit sprunghaften Ansteigen der Bevölkerungs- und Seelenzahl. In dieser etwa 300 Jahre alten kleinen Kirche, die nach Widmungen auf den Altären vor 1451 gebaut worden sein dürfte, stand also diese alte Orgel.

Durch die oben angeführten Gründe entschloss sich nun Fürst Joseph Wilhelm Ernst, eine neue größere Kirche zu bauen und gab den Auftrag zur Planfertigung dem Kaiserlichen Architekten Maximilian Kanka von Prag. Die Orgel wurde ausgebaut und die alte Kirche abgerissen. Auf ihrem Schutt, der den Hügel neben der Donauquelle noch höher werden ließ, sollte auch das neue Gotteshaus erstellt werden. Der Platz vor der ehemaligen Kirche war bis zu diesem Zeitpunkt der Gottesacker (Friedhof), und vor Baubeginn hatten zwei Bürger zweieinhalb Tage Arbeit, um all die Totenkörper zu vergraben, die zuvor im so genannten "Beinhaus" unter der alten Kirche verwahrt wurden.

Über den Bau der neuen Kirche und den damit verbundenen Schwierigkeiten, die durch die ständige Abwesenheit des Architekten Kanka bedingt waren, ist schon oft ausführlich geschrieben worden, so dass dies hier übergangen werden kann.

Als im Jahre 1726 die noch unfertige Kirche in Benutzung genommen wurde, kam auch die alte ausgebaute Orgel wieder zur Aufstellung, die allerdings den größeren Raumverhältnissen der neuen Kirche angepasst werden musste. So wurde 1730 der Freiburger Orgelmacher Johann Georg Fischer um einen Kostenvoranschlag zur Änderung der Orgel angegangen. Ihm schwebte vor, mit den alten Pfeifen ein neues Werk mit zwölf Registern im Manual und zwei im Pedal zu erstellen. Das Stimmen sollte nach dem französischen Ton erfolgen, "damit auch andere Instrumente dabei füglich gebraucht werden können". Der Donaueschinger Schreiner Hans Georg Kleiser sollte dazu den neuen Kasten (Orgelgehäuse) anfertigen.

Johann Baptist von Herdenberg, der "Medicinae Doctor" und Hochfürstlicher Hof- und Regierungsrat samt seiner Frau Katharina, geborene von Ziegler, beide aus Schaffhausen gebürtig, ließen am Vorabend des Josephstages (18. März) 1733 zur Ehre Gottes und zum ewigen Angedenken eine neue Orgel aufsetzen. Orgelmacher Johann Konrad Steißegger von Schaffhausen erhielt 1744 für die Reparierung und das Stimmen der Orgel 14 Gulden. Nachdem die beiden Stifter und auch der Orgelmacher Steißegger von Schaffhausen stammten, ist anzunehmen, dass er die neue Orgel auch fertigte und nicht Johann Georg Fischer aus Freiburg. Nach den Formen des Gehäuses zu schließen, dürfte dasselbe aus der Hand von Franz Magnus Hops von Sigmaringen stammen und erst kurz vor 1749 gefertigt worden sein, denn in diesem Jahr erhielt der Fassmaler Johann Nepomuk Spiegel den Auftrag für das Fassen und die Vergoldung.

Diese Orgel konnte allerdings die Gottesdienste in der neuen Stadtkirche mit ihrem schwachen Volumen auch nicht lange verschönen, denn sie war zu klein. Im Jahre 1787 kam sie mitsamt dem Gehäuse in die 1581 erbaute Kirche von Heidenhofen, wo sie heute - nach rund 260 Jahren - noch steht und gespielt wird. Es war die zweite Donaueschinger Orgel.

Nur unwesentliche Veränderungen an ihr mussten im Jahre 1860 von der Spaichinger Orgelwerkstätte Martin Braun vorgenommen werden. Trotzdem aber war sie offenbar von Anfang an ein Sorgenkind, denn an ihren alten Standort, in unserer Stadtkirche St. Johann, mussten noch 1771 von dem erwähnten Schreiner Kleiser, der nun als Orgelmacher bezeichnet wird, zwei 16-füßige Register (Subbass und Fagottbass) und zwei Blasbälge eingebaut werden. Bereits 1785 aber befasste man sich ernsthaft mit der Anschaffung einer neuen Orgel, da die alte Orgel "zu klein und zu schwach" sei.

Der Erbauer dieser nun schon dritten Orgel in der neuen Kirche war der Hechinger Konrad Keppner, der nach dem Vorbild in der fürstlich hohenzollerischen Residenzstadt Hechingen eine Orgel mit 16 Registern im ersten Manual, zehn Registern im zweiten Manual und vier im Pedal mit insgesamt 1714 Zinn- und 380 Holzpfeifen schuf. Einige Mängel, die bei der Prüfung beanstandet wurden, konnten bis zu Beginn des Probejahres 1787 behoben werden. Schon im Jahre 1810 wurden mehrere Reparaturarbeiten an dieser Orgel als dringend notwendig festgestellt.

Silbermann-Oregel verbrannt

Der Fürstenbergische Hofkapellmeister Konradin Kreutzer hatte in Verbindung mit den beiden Orgelbauern Bergmann und Schildknecht einen Überschlag über eine Verbesserung der Orgel aufgestellt. Hierbei erwähnt Kreutzer die vorzügliche "Silbermann-Orgel" im benachbarten Kloster Amtenhausen und schlägt vor, dieselbe in die hiesige Kirche zu übersiedeln. (Wäre man damals auf Kreutzers Vorschlag eingegangen, so wäre das wertvolle Stück des Orgelbauers Silbermann vermutlich heute noch vorhanden. So aber kam diese Silbermann-Orgel nach der Aufhebung des Klosters in die Kirche des Klosters "Maria Hof" in Neudingen und ist dort bei einem Brand des Klosters und der fürstenbergischen Gruftkirche am 23. März 1852 leider ein Raub der Flammen geworden.)

Bei der Donaueschinger Orgel aber blieb es bei einer Reparatur, die Kosten für die fälligen Ausbesserungsarbeiten übernahm 1820 Fürst Karl Egon II. (1796 bis 1854) aus "seiner Schatulle". Schon 1835 wurden erneut Klagen laut, denn die Orgel war "gräulich verstimmt". Wieder dachte man an Kreutzers Vorschlag, die Amtenhauser Silbermann-Orgel einzubauen, aber es kam nur zu einer größeren Reparatur mit Umbau. Dabei wurde die Orgel weiter zurückversetzt, denn für ein Orchester war nicht genügend Platz. Ferner sei durch ein kleines Positiv in der Mitte der Chorbrüstung die Sicht versperrt und dem Kapellmeister das Dirigieren dadurch erschwert. Bei dieser neuen Anordnung wurden auch die Blasebälge in den Kirchenspeicher verlegt.

Zwei lang gehegte Wünsche der Pfarrgemeinde fanden dann im Jahre 1860 ihre Erfüllung. Es wurden neue Glocken und eine neue Orgel angeschafft. Am Pfingsttage (24. Mai) 1863 erklang diese neue Orgel das erste Mal. Es war inzwischen die vierte Orgel, die in der heutigen, 1723 erbauten, Kirche stand. Der Orgelbauer Martin Braun aus Hofen bei Spaichingen, der unter anderem die Orgeln für die St. Stephanuskirche in Karlsruhe und für das Münster in Konstanz erbaute, war ihr Erbauer. Sie war ein Geschenk des Fürsten Karl Egon III. (1820 bis 1892) an die Pfarrgemeinde. Den Plan für die Registeranordnung hatte der Großherzogliche Orgelbau-Inspektor C. F. Schmalholz aus Konstanz entworfen, das Gehäuse stammte von dem Münchner Bildhauer A. Sickinger.

Der Spieltisch wurde bei einer gründlichen Durchsicht im Jahre 1912 pneumatisch eingerichtet, das Werk mit elektrischem Antrieb und einigen neuen Kollektivzügen versehen. Fast unverändert wurden bei dieser Überholung die 27 klingenden Register beibehalten. Diese Orgel scheint ein gutes Stück Arbeit gewesen zu sein, denn ein volles Jahrhundert hatte sie mit ihren Tönen die Gottesdienste verschönt.

Genau 100 Jahre nach ihrer Einweihung wurde 1963 wieder eine ganz neue Orgel eingebaut. Es ist die Mönch-Orgel, die heute noch in der Stadtkirche St. Johann als fünfte bekannte Orgel steht und nun durch eine sechste neue Orgel abgelöst werden soll.

Die Barock-Orgel in der Heidenhofener Kirche stand früher in St. Johann in Donaueschingen und kam bereits 1787 in die 1581 erbaute Kirche von Heidenhofen, wo sie heute noch steht und gespielt wird. | Bild: Goerlipp

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