Bei den Donaueschinger Schülern bestehen große Unterschiede bei den Lesekompetenzen. Eichendorffschüler werden beim Vorlesewettbewerb ausgezeichnet.
Donaueschingen – Strahlende Gesichter in der Aula der Eichendorffschule: Die sechs besten Vorleser haben sich gestern beim Wettbewerb des Deutschen Buchhandels gemessen und dabei ihren Mitschülern und der Jury gezeigt, wie spannend Lesen sein kann. „Die Schüler üben zunächst im Unterricht die Lesetechnik. Sie sollen die Zuhörer beim Vorlesen so richtig fesseln“, erklärt Swantje Kunze, stellvertretende Schulleiterin an der Eichendorffschule. Die Klassensieger treten dann gegeneinander an. Die Jury hat entschieden, dass Emin Soussi am besten vorgelesen hat und im Februar zum Kreisentscheid fahren darf.
Doch anders als Rafael, Nicolai, Jonathan, Emin, Michael und Arlinda können viele Donaueschinger Schüler nicht so flüssig lesen. Dabei gehört das Lesen und Verstehen von Texten zu den zentralen Kompetenzen. Denn wer nicht richtig lesen kann, verliert auch im Matheunterricht oder in den Naturwissenschaften schnell den Anschluss. Und mehr als andere Fähigkeiten ist das Lesen vom Elternhaus geprägt. Allerdings fehlen offenbar auch in vielen Elternhäusern in Donaueschingen die entscheidenden Impulse, damit Kinder zu einem Buch greifen. „Wir stellen fest, dass in vielen Familien die Lesekompetenz der Kinder nicht besonders gefördert wird“, sagt Swantje Kunze. So sei es beispielsweise nicht mehr in allen Familien üblich, dass Kindern am Abend eine Geschichte vorgelesen wird oder Eltern gemeinsam mit ihren Kindern ein Buch lesen. Auch Renate von Witzleben, Rektorin an der Erich-Kästner-Schule, bemängelt: „Viele Kinder kommen heute mit wenigen Kompetenzen aus dem Elternhaus an die Schulen.“
Daher setzen die Schulen inzwischen vielerorts auf Projekte, um die Lesekompetenz der Schüler zu fördern. An der Lucian-Reich-Schule in Hüfingen hat man mit Schülern und Eltern sogenannte Leseverträge abgeschlossen. Es wird notiert, was die Kinder daheim lesen sollen und die Eltern zeichnen daraufhin ab, dass die gestellte Aufgabe erledigt wurde. Auch an der Erich-Kästner-Schule arbeitet man mit diesem Modell. „Uns ist es wichtig, die Eltern mit ins Boot zu holen“, sagt Renate von Witzleben. Zwar übernehme die Ganztagesschule inzwischen viele Aufgaben. „Manche Übungen gehören aber einfach ins Elternhaus“, so die Rektorin.
Lesepatenschaften und Vorlesestunden sollen die Schüler außerdem zum Lesen motivieren. „Wir legen sehr viel Wert auf diese Projekte, denn die Förderung der Lesekompetenz gehört zu unseren wichtigsten Aufgaben“, sagt Christiane Schell, Konrektorin der Hüfinger Lucian-Reich-Schule. Entscheidend sei dabei, dass die Schüler das sinnerfassende Lesen lernen, sagt Renate von Witzleben. „Denn das ist der Schlüssel für alle anderen Bereiche.“