Donaueschingen Der ersungene Zunftball-Erfolg
Die Video-Wand macht' s möglich: Ignaz und Severin (Markus Kuttruff und Thomas Höfler) Boxenstop-Personal vor der historischen Kulisse der einstigen Mühlenstraßen-Tankstelle.
Und bei keiner anderen Bühnen-Inszenierung ist die gegenseitige Erwartungshaltung zu solch emotionaler Spannung aufgeladen wie an diesem Abend: Wird das Programm, mit dem sich freilich Amateure vor ein Fernseh-professionell verwöhnten Publikum wagen, gefallen? Und – andersherum: Werden sich die da drunten im Saal aus ihrer zurückgelehnten Haltung anstecken lassen vom Bühnenhumor? Werden die Pointen zünden? Wird der Applaus nur höflich sein? Oder ein pralles Ausrufezeichen des Erfolgs?
In diesem Bemühen um geglücktes Geben und Nehmen zwischen Bühne und Saal haben die Regisseure und Autoren Kai Armbruster, Thomas Höfler, Markus Kuttruff, Sebastian Früh und Christoph King am Samstag Vertrautes entsorgt und Neues probiert. Kaum mehr Kulissen, wie sie der aus seinem Zunft-Engagement ausgeschiedene und vor seinem Abschied aus der Stadt stehende Dirk-Alexander Grams bisher malte, gab es. Stattdessen bildete eine mächtige Videowand den Bühnen-Rücken, beschienen mit ungleich realistischeren Motiven. Vor solch medialen Effekten, die in einer ver-appten Welt auch schon fast wieder antiquarisch wirkten, agierte nun die recht stark verjüngte Talent-Garde des „Frohsinn“. Das Drehbuch war diesmal vergleichsweise kurz gefasst: Donaueschingen war zum mondänen Schauplatz der Prominenz geworden, zum Laufsteg der Stars und zum Stadtkurs eines Formel-Eins-Wintergrandprix' des Bernie Eccelstone, der sich auf seine Geburtsstadt Donaueschingen besann.
Den Rahmen für skurrile, groteske und verwegene Phantasien gab das her. Als etwa TV-Moderator (Alexander Bertsch) das Rennen durch die Rechts-vor-Links-Schikanen und andere Stadtstraßen-Hindernisse kommentierte. Als sich der Hochadel an der Donauquelle traf, um den Unesco-Preis als „Fiasko-Weltkulturerbe“ zu feiern und dann vor der an Krücken stehenden einstürzenden Kirchenmauer flüchten musste. Als Ignaz & Severin eine Boxenstop-Tankstelle betrieben, was freilich angesichts des Tempo-Kontrasts zwischen rasenden Bolliden und lahmenden Logik zum Desaster wurde. Oder als ein Video-Motiv des Casinos von Monte Carlo die Themen-Vorlage lieferte für ein Stadt-Monopoly, in dem „Jo Häring, Margit Biedermann, Felix Banthien“ gemeinsam mit einem griechischen Banker Stadtbaumeister Heinz Bunse „ins Schuldenloch“ trieben. Zu einer Bühnen-Hauptrolle brachte es der Rathaus-Amtsleiter dabei, obwohl er sich doch einem leibhaftigen Erscheinen beim Zunftball seit Jahren notorisch entzieht.
Ausgesprochen viel Lokalkolorit hatte das Programm vor dem Video-Motiv der monegassischen Küste, in das Rathaus, Schloss und St. Johann eingebaut waren: Den OB karikierte man schon als Wahlkämpfer. Heimattage-Visionen entfaltete man. Über das „nackte“ Programmheft-Cover des VHS-Chef Kohne spottete man. Das Fürstenhaus bekam kräftig Fett ab. Die Brauerei hatte breiten Platz im Programm, als in realen Video-Bildern eine lärmende Demo einen ,,Castor"(Bierkasten)-Transport begleitete. Und auch auf Hüfingen, Bräunlingen, Furtwangen und Pfohren waren Spott-Geschütze gerichtet.
Doch beim Zunftball 2012 waren nicht die Einschläge der Pointen, nicht Wortwitz-Treffer und auch nicht das denunzierende Narrenspiegelbild der Prominenz die wesentlichen Erfolgsmomente – diesmal begeisterte eine andere Disziplin. Eine Formation, die der beim Zunftball Ton-angebende Kai Armbruster aus Allmendshofener und anderen Sängern um sich scharte, avancierte zum großen finalen Erlebnis-Tusch. Mit pfiffig lustigen Texten, mit musikalischer Qualität, mit einer Percussion-Nummern im Stil der weltberühmten Gruppe „Stomp“ oder mit einer Parodie auf Udo Jürgens' „Griechischen Wein“, frisiert zu „Eschinger Bier“.
Der „grandiose“ Gipfel in der Zunfball-Geschichte, wie ihn Zunftmeister Michael Lehmann zu Beginn ausgerufen hatte, war's eher nicht am Samstag. Aber für die Gäste im gut gefüllten Mozartsaal – unter ihnen die Rekordhalterin Martha Hauger mit ihrem 63. Zunftballbesuch – dennoch ein schöner Abend. Vor allem für diejenigen, für die er bis in den Morgen dauerte, weil der Abspann an der Foyer-Bar mehr und mehr zum stilprägenden Programmpunkt des Balls avanciert.

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