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14.08.2012  |  von Wilhelm Butschle  |  0 Kommentare

Donaueschingen Das Trauzimmer bekommt Beine

Donaueschingen -  Welches verliebte Paar möchte seinen schönsten Tag im Leben nicht gerne im traumhaften Ambiente eines prächtigen Schlosses, eines barock verzierten Ballsaales oder in einem anderen schmucken Umgebung erleben? Ein Traum, der lange Zeit am unerbittlichen Veto der berufsbedingt sehr gesetzestreuen Standesbeamten unerfüllt geblieben ist.

Die Trauungs-Premiere im Hüfinger Schlosspark beim Stadttor fiel zwar ins Regenwasser, doch Bürgermeister Anton Knapp (r.) freut sich schon mit seinen Standesbeamten (von links) Rainer Bernhardt, Marlies Mittner und Gabi Weisshaar auf neue Anläufe im malerischen Ambiente unter dem Pavillon.  Bild: Wilhelm Butschle

Sie trauen auch in der Wohnstube des Kelnhof-Museums, die Bräunlinger Standesbeamten Sebastian Pfaff und Jürgen Bertsche.

Immer mehr Eheschließungen vollzieht der Donaueschinger Standesbeamte Reinhold Will im Spiegelsaal des Museums Biedermann.

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Doch die Zeiten ändern sich und die Sichtweise der Beamten wohl auch.

„Wir möchten den individuellen Wünschen der Hochzeitspaare gerechter werden“, sagt der Bräunlinger Hauptamtsleiter Jürgen Bertsche. Er ist in Bräunlingen seit über 20 Jahren auch Standesbeamter.

War es früher üblich, dass sich nur die Verlobten mit ihren Trauzeugen vor dem Standesbeamten trafen, so möchten die Hochzeitspaare ihren großen Tag heute oft im Familien- und Freundeskreis feiern. Standesamtliche Eheschließungen mit 50 oder 80 Gästen sind keine Seltenheit. Da platzen die Trauzimmer aus allen Nähten. Selbst die großen Sitzungssäle der Rathäuser stoßen bei diesen Gesellschaften an ihre Grenzen.

In Hüfingen war es Bürgermeister Anton Knapp, der bereits vor zwei Jahren auf flexiblere und attraktive Hochzeitsräume drängte. „Die standesamtliche Trauung gewinnt für die Menschen an Bedeutung“, berichtet Knapp, „und wir wollten dieser Veränderung in der gesellschaftlichen Gewichtung der Eheschließung zügig gerecht werden.“ Anfängliche Ressentiments der Standesbeamten gegen diese neue Hochzeitskultur wichen der Begeisterung für die Vielfalt der neuen Möglichkeiten.

„Nicht die für das Standesamt verbindlichen Rechtsvorschriften haben sich geändert“, so Donaueschingens langjähriger Standesbeamter Reinhold Will, „sondern unsere Auslegung des rechtlichen Rahmens.“

Weiterhin unverzichtbar für eine Eheschließung bleibt das dauernde Hausrecht der Stadt am Standesamtsraum. Das Museum Biedermann oder der Pavillon im Hüfinger Schlossgarten müssen somit allen Traupaaren offen stehen. Weiterhin gilt auch, dass der standesamtliche Trauakt vor ungeladenen Zaungästen und widrigen Wetterkapriolen geschützt sein muss.

Als Vorreiter in Sachen „Open-Air-Trauung“ gilt seit September 2010 der Donaueschinger Oberbürgermeister Thorsten Frei. Die erste Baaremer Eheschließung unter freiem Himmel war das Zeichen zum Aufbruch. Anlass für diese standesamtliche Revolution war die Hochzeit von Erbprinz Christian zu Fürstenberg und Erbprinzessin Jeannette Catherine, welche Frei im Garten des Donaueschinger Schlosses durchführte.

In Hüfingen regte dies erneut Gedankenspiele über originelle Orte für unvergessliche Hochzeiten an. Fündig wurde Bürgermeister Knapp in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hüfinger Rathaus. Als Stiftungsrat des FF-Altenpflegeheimes, war es für den Hüfinger Schultes naheliegend, den neu gestalteten, idyllischen Park am Gewerbekanal für Hochzeitswillige zu öffnen. Schade nur, dass das Wetter bei der ersten Trauung im Schlosspark nicht mitspielte und die Hochzeitsgesellschaft kurzfristig ins Rathaus umziehen musste. Weitere Trauversuche im Park gab es noch nicht, aber der Sommer wird schon noch kommen. Im Städtedreieck das beliebteste Trauzimmer findet sich im Museum Biedermann. Fast jede sechste Eheschließung in Donaueschingen wird bereits dort im Spiegelsaal gefeiert.

Besonders originell klingt das Bräunlinger Zusatzangebot für Heiratswillige. „Auch Themenhochzeiten werden immer beliebter“, so Hauptamtsleiter Jürgen Bertsche. Besonders beeindruckte ihn die bunt kostümierte Gästeschar bei einer „Piratenhochzeit“. Aber auch Südstaatler und Figuren aus dem Kinoklassiker „Der Fluch der Karibik“ waren im Bräunlinger Standesamt schon zu Gast.

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