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Allmendshofen Bregbrücke entfernt: Stahlkoloss hing am eisernen Faden

Nach anderthalb Jahren und einem Hin und Her bezüglich Abbau und Neubau wurde das Bauwerk aus dem Jahr 1898 nun per Kran über die Breg gehievt. 60 Tonnen Stahl schwebten völlig problemlos über den Fluss

Ein kurzer Ruck und ein kaum hörbares Ächzen durchfuhr das metallene Bauwerk, als nach über vierstündiger Vorbereitung die Stahlseile um seine Glieder geschlungen waren und der Kran 500 Tonnen Zugkraft zur Geltung brachte. Doch dann entschwebte die 60-Tonnen-Brücke unter den Augen zahlreicher Zaun- respektive Ufergäste ganz sanft ihren Verankerungen, in denen sie seit 1898 unzähligen Menschen und mehr oder minder motorisierten Fahrwerken die Überquerung der Breg ermöglicht hatte.

Elf Mann eines schwäbischen Kranunternehmens hatten sich bereits um 2 Uhr nachts in Stuttgart mit zwei Kränen und zahlreichen weiteren Schwerlastfahrzeugen gen Donaueschingen aufgemacht, wo bereits am frühen Morgen mit den Vorbereitungen für die schwebende Brücke begonnen wurde. Sechs Wochen hatten die Verantwortlichen das Projekt im Schwabenland akribisch vorbereitet.

Fast malerisch schöne Farbenkontraste und Bildkomposition: Die Allmendshofener Kühe ließen sich durch die ungewohnte Gesellschaft nicht stören. Mit zwei Kränen sind die Brücken-Abheber als Schwertransport aus Stuttgart angereist.
Fast malerisch schöne Farbenkontraste und Bildkomposition: Die Allmendshofener Kühe ließen sich durch die ungewohnte Gesellschaft nicht stören. Mit zwei Kränen sind die Brücken-Abheber als Schwertransport aus Stuttgart angereist. | Bild: Christian Nick

Befürchtungen, die Brücke könnte nach fast 120 Jahren Dienst nur noch schwer aus dem Fundament entfernt werden – oder aber gar beim Hebeversuch auseinanderbrechen, bewahrheiteten sich glücklicherweise nicht: Alles lief absolut so, wie es sich Firmen-Projektleiter Thomas Reck und seine Mannen ausgemalt hatten. Nur rund zwei Minuten vergingen vom Start über dem Wasser bis zur ebenfalls sanften Landung am Ufer. "Alles Routine", freuten sich Kranführer und Co., nachdem die Bregbrücke dann entfernt worden war und das Bauwerk im Gras Platz genommen hatte.

Fast lautlos ließ sich die altehrwürdige Brücke auf die letzte Reise schicken.
Fast lautlos ließ sich die altehrwürdige Brücke auf die letzte Reise schicken. | Bild: Christian Nick

Dort kann es noch ein wenig die letzten Atemzüge seiner Existenz aushauchen. Und was passiert danach mit dem tonnenschweren Stahlkoloss? Die Frage treibt Abrissunternehmer Werner Breithaupt ein breites Lächeln auf die Lippen: Mit einem Bagger mit Stahlschere wird das altehrwürdige Gebilde nun seziert und zerlegt werden, ehe die Einzelteile dann ihre letzte Reise antreten: Es geht nach Rottweil, wo sich ein ortsansässiger Schrotthändler bereits auf Material freut. Freuen kann sich indes auch Breithaupt: Rund 10 000 Euro spült ihm die Brücke noch in die Kasse.


Lange irgendwie unverbindlich – Die Posse mit der Brücke

118 Jahre tat sie beharrlich und mit stählerner Gleichmut ihren Dienst – seitdem jedoch vor rund anderthalb Jahren die Stadtverwaltung entschieden hatte, die verrostete Verbindung zwischen Allmendshofen und Allmendshofener Ried wegen Sicherheitsbedenken zu sperren, hat die Bregbrücke für so manches Aufsehen gesorgt.

Nicht nur als Zielscheibe und Objekt närrischen Spotts: Allmendshofener Bürger bauten gar ihre eigene Version der Brücke, nachdem sie die überraschende Sperrung und ein langes Warten auf die Abrissgenehmigung vom Esslinger Denkmalamt hatten hinnehmen müssen; setzten sich mit einer Bürgerversammlung und einer Traktor-Demo für den Bau einer neuen und größeren Brücke ein – und sich letztlich auch beim Gemeinderat durch. Nun freilich werden sie auf die einige hundert Meter entfernte Brücke ausweichen müssen: Der Neubau, der sich mittlerweile auf geschätzte 700 000 Euro verteuert hat, wird frühestens im kommenden Jahr die beiden Ufer wieder miteinander verbinden.

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