Mein

Donaueschingen Aschermittwochslaunen bei der CDU

23.02.2012


Aschermittwoch-Launen nicht nur bei den Narren. Auch Donaueschingens CDU-Stadtverband hat sich launigen Befindlichkeiten gestern hingegeben.

Schon vor den ersten Worten des Redners Guido Wolf sogar: Zum zweiten Mal hatte der Vorsitzende Reinhard Müller zum Veranstaltungs-Klassiker eines „politischen Aschermittwochs“ gelockt. Und geriet in eine verblüffende Resonanz-Böe. Denn obwohl die Premiere 2011 in den Wahlkampf gefallen war und die zweite Auflage jetzt in die schattige Oppositions-Zeit der Landes-Union, so war der Besucher vor Jahresfrist mäßig – gestern dagegen kamen mehr als hundert Zuhörer und schäumten aus dem kleinen Bräustüble-Saal gar bis in den Theken-Schankraum.

Also bemühte sich der Wahlkreisabgeordnete und Landtagspräsident um „Ozapft-Atmosphäre“. Zu Fassbier und frischen Brezeln auf den Tischen mixte Guido Wolf sein Themen-Cocktail. Mit Geschmacksnoten zwischen bitter und süß. Süßes erst einmal für die christdemokratische Seele. Vor Parteipersonal und arriviertem Bürgertum, darunter nicht wenige Mittelständler, lobte Wolf die gegenwärtige Aufbruchstimmung und den Erneuerungswillen der Union. Ganz im Aschermittwoch-Sinne beschwor er die Notwendigkeit zur Veränderung, zur Abkehr von parteitaktischem Kalkül, zur Notwendigkeit für Pragmatismus statt Problem-Paralyse. Auch vor dem Pessimismus der „Glaskugelgucker“ warnte er: „Das Land steht gut da. Da können wir uns kurzfristig auch Grün-Rot leisten.“ Beifall!

So präsidial sich der Stuttgarter Parlaments-Regisseur im neuen Amt auch geben muss, gestern schaltete er um auf den prallen Duktus einer Stammtischrede. Lobte die besonnene Kompetenz der Kanzlerin in der Schuldenkrise. Verteufelte Eurobonds und entlarvte in Staatsanleihen Konstruktionsfehler. Mahnte zur Bescheidenheit beim Streben nach immer besseren Lebensverhältnissen. Erhob die Bewahrung der Schöpfung zum zentralen christdemokratischen Credo. Geißelte die grün-rote Bildungspolitik der Sünde, weil sie Bewährtes einreiße, nur weil es das falsche Parteietikett trage. Kritisierte die Abschaffung der Studiengebühren als Ungerechtigkeit gegenüber dem Meisterbafög. Wetterte gegen die allzu großzügige Duldung von Provokationen des Rechtsstaates der Stuttgarter Bahnhofs-Demonstranten.

Dann vor allem, wenn der smarte Ex-Landrat aus Tuttlingen sich um jenen krachledernen Ton bemühte, der auf Aschermittwochs-Bühnen eben angesagt ist, kam auch das Beifalls-Echo. Dann war sie tatsächlich da, jene „Lust auf Zukunft“ und jene Aufbruchstimmung, die der Redner auch an einem solchen Tag seiner CDU attestiert. Eine neue Vitalität der Veränderungsbereitschaft müsse die Union im Land entwickeln, forderte er und räumte ein, diese Rolle vielleicht auch erst lernen zu müssen. Als dann am Schluss auch noch der Bundestagsabgeordnete Siegfried Kauder konstatierte, dass sich Politik und Gesetzgebung mehr und mehr von den Menschen entfernen, war aus dem Wirtshaussaal eine Fankurve geworden. Und Gastgeber Reinhard Müller sah sich in seiner freudestrahlenden Begrüßung bestätigt: „Für mich ist das heute ein richtiges Highlight.“

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln