Die nicht nur im Einzelhandel viel diskutierte Frage lautete, schaden neue Verkaufsflächen dem innerstädtischen Handel? Oder zählt der ehemalige Posthof nicht vielmehr selbst zur Innenstadt und kann zur weiteren Belebung und Attraktivitätssteigerung von Donaueschingen als Einkaufsstadt beitragen?
Grünes Licht für die ab Morgen auch mit dem neuen Müller-Markt belebte Einkaufspassage gaben die Donaueschinger Stadtväter letztlich auch unter dem Druck, eine weitere Ghettoisierung des für die kommunalpolitisch gewollte Wohnbebauung gescheiterten Grundstücks zu verhindern.
Nun zeigt sich das von der Bauträgerfirma WIG Schwarzwälder GmbH aus Königsfeld konzipierte Einzelhandelsprojekt als gelungene, städtebauliche Arrondierung und optisch einladendes Handelscenter. Nicht nur für den Bahntouristen eine einladende Visitenkarte.
Akzeptanz beim Kunden finden die neu angesiedelten Märkte und Dienstleister auf alle Fälle. Mit der Öffnung der Pforte beim Netto-Markt gestern früh um 8 Uhr strömten lange Menschenschlangen an den Regalen entlang. „Ja, es ist wirklich was los“, freute sich Verkaufsleiter Michael Okle, der mit dem Nachfüllen der Obstregale dem Andrang kaum nachkommen konnte. Bereits um 9 Uhr war kaum ein freier Parkplatz auszumachen, obwohl 110 Stellplätze zur Verfügung stehen.
Dies könnte sich ab Donnerstag zu einem dauerhaften Problem entwickeln. Dann öffnet mit dem Müller-Markt auch der zweite Handelsmagnet seine Türen. In den Startlöchern für die baldige Filialeröffnung stehen dazu noch Quick-Schuh und das Bekleidungsgeschäft Kik.
Stellplätze benötigen werden auch die Kunden des Filialbäckers Sternenbäck. In einem Cafe mit 48 Sitzplätzen zielt er mit seiner 102. Niederlassung auf Frühstücks- und Mittagskunden ab, die sicher nicht alle ohne Auto den Weg zum Verkaufstresen nehmen.
Für die Drogeriemarktkette Müller war das neue Einkaufscenter existenziell wichtig. Eine angemessene wirtschaftliche Auslastung am alten Standort in der Max-Egon-Strasse war mit 530 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht mehr gegeben. Es drohte der Abzug des Drogeristen aus Donaueschingen. Nun breitet die schwäbische Kette ihr Sortiment auf der dreifachen Fläche aus, ohne jedoch die Größe der Villinger Niederlassung zu erreichen.
Expandiert hat auch die in der Wasserstraße seit 1989 angesiedelte Sonnen-Apotheke. Bereits im Januar eröffnete Michael Ernst eine Außenstelle im sanierten Postgebäude. „Dieser Standort hat eine gute Zukunft vor sich“, so der Apotheker überzeugt, „liegt er doch in der Mitte des durch die Bahnlinie in zwei Hälften geteilten Donaueschingen“.
