Mein

Schwarzwald-Baar Ärztestreik: "Hier wären 98 Prozent dabei"

31.05.2006
Schlagwörter


Schwarzwald-Baar (rat) Der Tarifkonflikt an deutschen Kliniken schwelt schon seit Monaten, die Ärzte an allen Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern haben nun ihre Streikmaßnahmen verschärft. Mediziner des Schwarzwald-Baar-Klinikums haben sich jetzt mit ihnen solidarisch erklärt: Gereon Dennebaum, Ansprechpartner der Ärztegewerkschaft Marburger Bund für das Schwarzwald-Baar-Klinikum, hat in Freiburg eine Liste mit mehr als 150 Unterschriften von Kollegen des Schwarzwald-Baar-Klinikums übergeben, die den streikenden Uni-Ärzten den Rücken stärken und Anerkennung ausdrücken. "Diese Kollegen sind in einer Vorreiterrolle", sagt Dennebaum. "Wir wollen zeigen, dass wir ihr Engagement schätzen."

Unterschrieben haben nicht ausschließlich Assistenten, sondern auch Oberärzte und Chefärzte. Dennebaum weiß, dass auch die Ärzte des örtlichen Krankenhauses, das zu den kommunalen Kliniken zählt und damit wegen noch laufender Verhandlungen einer Friedenspflicht unterliegt, nahezu geschlossen hinter dem Streik der Uni-Kollegen für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld stehen: "Würden wir auch an kommunalen Krankenhäusern streiken", meint er, "würden hier wohl 98 Prozent mitmachen."

Rückblick: Als Reaktion auf die Ankündigung der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), mit dem Marburger Bund (MB) keine Tarifverhandlungen mehr führen zu wollen, haben die Ärztegewerkschaft und die Mediziner der Universitätskliniken und psychiatrischen Landeskrankenhäuser eine deutliche Ausweitung der Streiks beschlossen. Seit Montag legen die Ärzte dieser Einrichtungen bundesweit wochenweise ihre Arbeit nieder. Gereon Dennebaum, der im Schwenninger Krankenhaus arbeitet, hat höchsten Respekt vor dem Engagement der Uni-Ärzte. Diese nähmen durch ihren Streik schmerzhafte persönliche Einkommenseinbußen hin, da der Marburger Bund ja im Vergleich zu großen Gewerkschaften wie etwa Verdi keine gefüllten Streikkassen habe.

Das Mindeste, was die VS-Ärzte in dieser Situation tun können und wollen, ist Solidarität zeigen. In nur drei Arbeitstagen haben sich rund 150 von ihnen in die Unterschriftenliste eingetragen, die Dennebaum in Freiburg übergeben hat. Das sei enorm viel, meint der Vertreter der Ärztegewerkschaft, der auch im Betriebsrat des Klinikums sitzt. Von den knapp 300 Medizinern, die für das Schwarzwald-Baar-Klinikum arbeiten, seien ja niemals alle gleichzeitig im Dienst. Zudem habe er gestern weitere 15 Unterschriften erhalten. Immerhin sind vor Ort rund zwei Drittel der Klinikärzte im Marburger Bund organisiert.

Sie alle stehen hinter der Sache der Ärzte. Dennebaum: "Die Forderung nach 30 Prozent mehr Gehalt ist sehr plakativ, soll aber Ausdruck dafür sein, dass nun eine Schmerzgrenze erreicht ist." Auch bei der Arbeitslast. Dass auch er nach Nachtdiensten von Patienten gefragt werde: "Ja Herr Doktor, sind Sie immer noch da?", sei in der Tat keine Seltenheit.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln