Brigachtal Bernd Boie als Feuerwehr des Orgelspiels im Einsatz
Bernd Boie an der Orgel – so ist er in der Region bekannt. Am Sonntag wird er 80 Jahre alt. Bild: Schimkat
Bernd Boie feiert morgen, Sonntag, 15. Januar, seinen 80. Geburtstag, zusammen mit seiner Gattin Irma und einem großen Freundeskreis. Am 28. Januar werde er seinen Geburtstag noch einmal mit seinen vier Kindern und acht Enkeln, die erst dann alle Zeit haben, nach Brigachtal zu reisen, feiern, erklärt der Jubilar.
Kein Mann hat die Villinger Kirchenmusik so geprägt und vor allem aufgebaut wie Bezirkskantor Bernd Boie. Und obwohl er 1997 offiziell in den Ruhestand eintrat, würde er diesen als „Unruhestand“ bezeichnen, denn er ist die Feuerwehr im Orgelspiel. Es vergehe kein Sonntag, an dem nicht in einer Kirche ein Organist fehle, dann springe er gerne ein, betont er. Auch singen er und Gattin Irma immer noch fleißig in der Villinger Kantorei, erzählt er fort.
Die Musik wurde ihm in die Wiege gelegt, erzählt Boie, der vor 80 Jahren in Deutsch-Eylau geboren wurde und nach mehreren Umzügen mit seinen Eltern in Lüneburg zur Schule ging und dort sein Abitur machte. Im Alter von acht Jahren habe er schon mit dem Klavierunterricht begonnen, als er 13 Jahre alt war habe er seinem Großvater, der als Dekan an der Johanneskirche in Lüneburg wirkte, geholfen, die Orgel zu stimmen, erinnert er sich. Nach dem Abitur absolvierte er ein Jahr ein Privatstudium in Kirchenmusik in Lüneburg, anschließend studierte er in Hannover und Berlin Kirchenmusik, wo er 1958 sein Examen als A-Kirchenmusiker bestand. Seine erste Stelle hatte Boie in Wolfsburg in der Kreuzkirche, wo ihm der Leiter des Volkswagen-Werks, Heinrich Nordhoff, einen Scheck in Höhe von 200 000 Mark in die Hand drückte mit den Worten: „Sehen sie zu, dass in der Kreuzkirche eine Orgel gebaut wird“.
„Das war meine zweite Erfahrung mit dem Orgelbau“, schmunzelt der Jubilar. Sein Können hatte sich inzwischen herumgesprochen und 1963 bewog ihn die badische Landeskirche erfolgreich, nach Hornberg in das damals älteste evangelische Dekanat im Schwarzwald zu kommen, wo er den Kirchenchor aufbaute.
Nach der Dekanatsreform 1976 wechselte Boie zum Bezirkskantorat an die Markuskirche in Villingen, wo er die Kirchenmusik aufbaute und als Bezirkskantor die Fachaufsicht über alle kirchenmusikalischen Aktivitäten – wie die Ausbildung von Organisten und Chorleitern – innehatte. Die Gründung der Villinger Kantorei im Jahre 1977 habe das kulturelle Leben in Villingen geprägt, berichtet der Jubilar und zeigt sich dankbar, dass der damalige Oberbürgermeister Gerhard Gebauer und der Kulturamtsleiter Walter Eichner ihn sehr gefördert hatten.
Boie, der die Villinger Kantorei, den Chor der Johannesgemeinde, den Motettenchor und die Kinderchöre leitete, war maßgeblich an der Einrichtung des Franziskaner Konzerthauses beteiligt. Anfang der 90er Jahre wurde ihm als Anerkennung der Titel „Kirchenmusikdirektor“ verliehen. „Wir sind beide zum Glück gesund und halten uns neben der Musik mit Wandern, Skifahren und Reisen fit“, betont der Jubilar.
