Jeder Mensch braucht Streicheleinheiten, und Kuscheln tut gut. Für eine gesunde Entwicklung brauchen Kinder auch körperliche Nähe. Doch die Art von Zuwendung, die ein Blumberger seiner Stieftochter entgegenbracht haben soll, kannte keine Grenze. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat deshalb Anklage gegen einen 59-jährigen Mann erhoben. Er wird verdächtigt, seine Stieftochter mehrmals schwer sexuell missbraucht zu haben. Zu den Übergriffen soll es 1998 gekommen sein, das Opfer war damals 13 Jahre alt.
Die heute 27 Jahre alte Geschädigte vertraute sich im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ihrem Arzt an und entschied sich schließlich, die Jahre zurückliegenden Taten über einen Anwalt bei der Polizei anzuzeigen – worauf die Staatsanwaltschaft den Fall jetzt vor Gericht bringt, ein Verhandlungstermin steht aber noch nicht fest. Die Taten sollen sich ereignet haben, als sich die Mutter wegen der Geburt eines weiteren Kindes im Krankenhaus befand. Der Beschuldigte bestreitet, über seine Stieftochter hergefallen zu sein und hat, so Staatsanwältin Stefanie Rumpf auf Nachfrage dieser Zeitung, im Verhör keinen möglichen Grund angegeben, weshalb er von seiner Stieftochter so schwer beschuldigt wird. Der Blumberger befindet sich auf freiem Fuß. Wegen seines fortgeschrittenen Alters und einer Erkrankung bestünde keine Fluchtgefahr.
Insgesamt fünf Missbräuche werden dem 59-Jährigen zur Last gelegt, in einem Fall soll der Geschlechtsverkehr gegen den Willen des Mädchens erzwungen worden sein. Nach den Übergriffen zog das Mädchen zu ihrem leiblichen Vater. Sie vertraute sich ihm, dessen neuer Lebensgefährtin und auch ihrer Mutter an. Damals blieb der Gang zur Polizei aus – weil man die 13-Jährige offensichtlich nicht den Belastungen eines Strafprozesses aussetzen wollte.
