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Blumberg Gaststätte Adler Post in Zollhaus: Xaver Schaller vermehrte den Besitz

Zweiter Teil der Geschichte der Gaststätte Adler Post. Nach einem Leerstand wird das Traditionslokal in Zollhaus jetzt ein Flüchtlingsdomizil.

Das ehemalige Gasthaus Adler Post in Blumberg-Zollhaus wird dieses Jahr Unterkunft für Flüchtlinge. Die Stadt Blumberg kaufte es im Dezember von der Erbengemeinschaft Gerhard Schmid aus Blumberg und seiner Schwester Marlies Isele aus Wolterdingen. Das Gasthaus verkörpert ein Stück Zollhauser Ortsgeschichte. An Silvester haben wir den  ersten Teil der Geschichte  veröffentlicht, heute folgt der zweite Teil.

Seit dem Jahr 1848, als in Baden die Revolution war, befand sich die Gaststätte zum Adler, wie sie damals hieß, in Familienbesitz, nachdem der am 14. Oktober 1820 geborene Jakob Schaller aus Riedöschingen das Anwesen von einer Familie Merk gekauft hatte. Jakob Schaller war der Bruder von Gerhard Schmids Urgroßvater Xaver Schaller.

Xaver Schaller kaufte das Anwesen in Zollhaus mit dem Gasthaus und einer Landwirtschaft im Jahr 1873 von seiner Schwägerin Marie Agathe Schaller und modernisierte und erweiterte die Gaststätte sowie die Landwirtschaft. Neben der Gast- und Landwirtschaft betrieb Xaver Schaller noch Handel in kleinerem Maße mit allem, was mit der Landwirtschaft in Zusammenhang stand.

Xaver Schaller betrieb auch Rosshandel. Er hatte einen großen Pferdebestand und übernahm häufig Fuhren für den Staat und für Privatleute. „So fuhr er den Basalt aus den Steinröhren des Randenwaldes auf die Poststraße bis auf die Behlaer Höhe und die Wannensteig, sowie Brennholz nach Schaffhausen. Nach dem Bahnbau in den Jahren 1897 bis 1890 übernahm er das Erstellen der Einfriedung des Bahnkörpers von Zollhaus nach Hintschingen. Dazu verwendete er die Stangen aus dem Lindenbühl, die er von der Gemeinde Blumberg als Ablösung des auf der Post ruhenden Holzrechts erworben hatte. In den Aufzeichnungen der Familie Schaller/Schmid heißt es, Xaver Schaller habe sich nie Ruhe gegönnt.

Von seiner Mutter Franziska Schaller, die eine Förster- und Jägertochter war, hatte er die Liebhaberei zur Jagd. Er war ein sehr wortkarger Mann und körperlich etwas kleiner, aber stärker gebaut als sein Vater. Gleich nach seiner Heirat soll er etwa ein Jahr lang krank gewesen sein und seiner Mutter Sorgen gemacht haben. Jakob ging gern seiner Wege, heißt es. „Nur, wenn es galt, einer Farrenkommission die vorzüglichen Eigenschaften des Zuchttieres anzupreisen oder bei der Treibjagd zu erklären, weshalb er daneben geschossen hatte, wurde er gesellig und ging aus sich heraus, dass man ihn nicht wieder erkannte.“ Seinen Besitz hat er redlich zusammengehalten und um etliches vermehrt. Ganz allein hätte er all das aber nicht erreichen können. Seine Ehefrau Franziska Schaller, geborene Greif, wird weithin gelobt. Sie war „die fleißigste und häuslichste Hausfrau, die freundlichste Wirtin und die beste Köchin, überhaupt die beste Frau, die man sich denken kann“, heißt es. Weiter ist zu lesen: „Sie hatte immer und überall einen großen und steten Kreis von Milchkundinnen, weil ihre Milch nicht gewässert und eine Dreingabe sicher war.“

Xavers Mutter, die ebenfalls Franziska hieß, war mit der Familie ihres Sohnes nach Zollhaus übergesiedelt und schnitt dort noch einige Jahre die „Tünkle“ in die Wassersuppen. Diese wurden „Riedöschinger Tünkle“ genannt, weil sie allmählich immer dicker wurden.

Schwierig war es dagegen, für den Betrieb des 200 Morgen großen landwirtschaftlichen Anwesens Arbeitskräfte zu beschaffen. Nach dem Tod von Xaver Schaller wurde der Besitz geteilt. August Schaller übernahm den größeren landwirtschaftlichen Teil, Otto Schaller übernahm die Gastwirtschaft und den kleineren landwirtschaftlichen Teil. Die Teilung erfolgte aber erst 1915.

Unser Bericht über die Gaststätte Adler Post basiert auf Aufzeichnungen von Gerhard Schmid sowie Überlieferungen von Hermann und Eleonore Schmid, den Eltern des letzten Besitzers Gerhard Schmid, seinen Großeltern Otto und Ida Schaller sowie auf der Familienchronik, die der am 5. Februar 1860 geborene Friedrich Schaller, der älteste Bruder von Otto Schaller, 1932 geschrieben hat.

 

Domizil für Flüchtlinge

Die Stadt Blumberg hat die ehemalige Gaststätte Adler Post in Zollhaus für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen gekauft. Rund fünf Jahre stand die Gaststätte, zuletzt die Taverna Korfu, leer, jetzt sollen dort bis zu 40 Flüchtlinge unterkommen. (blu)

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